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Ostholstein Schwerer Neuanfang auf Fehmarn
Lokales Ostholstein Schwerer Neuanfang auf Fehmarn
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20:18 04.09.2013
Liebevoll kümmert sich Astrid Hesse um ihren schwerstbehinderten Ehemann Thorsten — seit 16 Jahren. Jetzt sind sie nach Fehmarn gezogen.

Jahrelang war er selbst oft Tag und Nacht im Einsatz, um Menschenleben zu retten. Als Rettungsassistent und als Feuerwehrmann. Heute liegt Thorsten Hesse (47) im Rollstuhl, ist als Schwerstbehinderter auf die dauernde Pflege durch seine Ehefrau Astrid (44) angewiesen. Die einst selbstständige Floristin musste ihren Beruf aufgeben, seitdem ihr Ehemann 1997 nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall mit einem alkoholisierten Lkw-Fahrer zum Pflegefall wurde.

Ein ganz bitterer Tag im Leben von Thorsten und Astrid Hesse. Und ein Tag ohne Umkehr. Schwere Rückenmarksquetschungen und Nervenschäden sowie organische Ausfälle sind die Folge. Als Betäubungsmittelpatient erhält er die höchstmögliche Dosierung. „Ich liege im Rollstuhl, dauerhaft Sitzen geht gar nicht“, so Hesse.

Seit 16 langen Jahren kämpfen sie vor Gericht und Behörden — um Anerkennung der Pflegestufe 3, für die behindertengerechte Ausstattung ihrer Wohnung, gegen Mietkündigung. Längst sind die eigenen Altersersparnisse aufgebraucht. „Wir stecken in einer Sackgasse, kommen nicht mehr weiter“, klagte Hesse vor Monaten.

Inzwischen gibt es — zumindest ein paar kleine — Lichtblicke. In diesen Tagen ist das Ehepaar von Nutteln bei Itzehoe nach Fehmarn umgezogen. In dem kleinen ländlichen Ort, nur zwei Dörfer vom „weltbekannten“ Wacken entfernt, konnten sie nicht länger bleiben. Ihr Vermieter war verstorben, die Erben meldeten Eigenbedarf für das geräumige Haus an.

Sie hatten Glück im Unglück — nach sehr langer Suche wurde ihnen im Staakensweg auf halber Strecke zwischen Burg und Burgstaaken eine Doppelhaushälfte zur Miete angeboten. Der Kontakt entstand durch eine Bekannte. Für die Eheleute bot sich damit eine neue Chance, zusammen zu bleiben. Thorsten Hesse, der schon gefürchtet hatte, getrennt von seiner Frau ins Notfallpflegeheim abgeschoben zu werden:

„Wir haben gerne nach diesem Notanker gegriffen.“

Doch allein können sie das Abenteuer Fehmarn nicht bewältigen. Ein österreichischer Freund, der Journalist Peter Schuller, wurde auf den Fall aufmerksam. Er appellierte über das Forum „retter.tv“ an andere Feuerwehr- und Rettungskräfte, einem ehemaligen Kameraden, der unverschuldet in Not geraten ist, unter die Arme zu greifen.

Bereits Wochen vor dem Umzug wurde auf Fehmarn mit Stephan Perner ein aktives Burger Feuerwehrmitglied auf diesen tragischen Fall aufmerksam. Er wünscht sich, dass das „Hilfsprojekt Thorsten Hesse“ auf große Resonanz stößt — zum Beispiel mit tatkräftiger Hilfe beim behindertengerechten Umbau des älteren Wohnhauses oder auch mit Baumaterial. Vorsichtige Schätzungen liegen bei Kosten im fünfstelligen Rahmen für den Komplettumbau. Ohne Hilfe können sie es nicht schaffen.

Doch jetzt reift bei Thorsten Hesse wieder Hoffnung, dass er nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Die Idee zu dieser privaten Aktion stammt aber nicht von ihm. Nie würde er auf die Idee kommen, frühere Kameraden in die Pflicht zu nehmen. Und doch freut er sich, dass draußen hinterm Haus ein Feuerwehrmitglied aus Cismar im Garten bereits tatkräftig anpackt. Das hilft der Familie immens weiter. Der Neuanfang ist gemacht — auf Fehmarn, das er aus Schilderungen seines Vaters kennt, der auf der Insel als Kriegsgefangener interniert war. Später hat Thorsten Hesse wiederholt auf Fehmarn gezeltet, vor allem bei Katharinenhof. Aber das war in einem ganz anderes Leben, das weit zurückliegt.

Kontakt: Thorsten Hesse, Telefonnummer 01577/787 43 37

„Ein ehemaliger Kamerad ist unverschuldet in große Not geraten. Er hat früher vielen Menschen geholfen.“
Stephan Perner, Mitglied der Wehr Burg

Gerd-J. Schwennsen

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