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Ostholstein „Sea-Watch“-Kapitän zu Gast bei Flüchtlingshilfe Fehmarn
Lokales Ostholstein „Sea-Watch“-Kapitän zu Gast bei Flüchtlingshilfe Fehmarn
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20:15 28.07.2016
„Das Sterben im Massen- grab Mittelmeer konnten wir nicht länger ertragen.“Ingo Werth, Kapitän der „Sea-Watch 1“

Die Ungewissheit an Bord herrscht permanent: Was kommt als nächstes? Tagsüber, vor allem aber in der Nacht. Denn oft folgt eine Tragödie auf die andere.

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Beklemmende Einsätze bei der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer – Schiffe haben schon über 10 000 Menschen geholfen – Kritische Worte zur EU-Flüchtlingspolitik.

Das Projekt

„Sea-Watch“ ist aktiv in der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden. 2014/2015 gestartet, läuft jetzt im Mittelmeer die „Mission ’16“– seit dem Frühjahr mit dem besser ausgestatteten Schiff „Sea-Watch 2“.

Finanziert wird das politisch und religiös unabhängige Projekt aus privaten Spenden (von der großen Erbschaft bis zur kleinen Konfirmandenspende). Unter www.sea-watch.org weitere Infos.

Beklemmende Szenen erlebt die Crew von „Sea-Watch“ im Mittelmeer. Aber auch Glücksmomente. „Wir haben mehr als 10 000 Menschen geholfen“, zieht Kapitän Ingo Werth eine Zwischenbilanz nach dem Start dieser zivilen Seenotrettung im Sommer 2015.

Dafür gibt es starken Beifall. Annähernd 100 Zuhörer sind ins Evangelische Gemeindehaus nach Burg gekommen. Vor allem viele ehrenamtliche Mitstreiter der sehr aktiven Flüchtlingshilfe auf Fehmarn.

Sie freuen sich wie Jörgen Linneberg – der den Kontakt geebnet hat – über den großen Zuspruch.

Es wird ein Abend, der lange nachwirkt. Behutsam nähert sich die Integrationsbeauftragte Nadine Witt ihrem Gesprächspartner. Ein Hamburger, der seit Anfang an dabei ist, als eine private Initiative aus Brandenburg für 150 000 Euro Kauf, Umrüstung und Ausstattung des fast 100-jährigen Fischkutters „Sea-Watch“ ermöglicht. Inzwischen gibt es aber ein neues Schiff „Sea-Watch 2“ mit Stützpunkthafen auf Malta, das ständig vor Libyen im Einsatz ist.

Werth – der privat als Segler in Burgtiefe wie als Camper in Flügge schon oft auf Fehmarn war – findet schnell Zugang zu seinen Zuhörern. Offen und ungeschminkt schildert er die Einsatz-Erlebnisse im Mittelmeer, findet auf kritische Nachfrage aber auch besonnene Worte, ohne zu polarisieren.

„Wir können das Sterben im Massengrab Mittelmeer nicht länger ertragen und einfach hinnehmen“, beschreibt er die eigene Motivation wie die der vielen Mitstreiter. Er schildert Szenen, die sich niemand auszumalen vermag. Und die doch viele Flüchtlinge erlebt haben, die in Europa angekommen sind.

Hochschwangere Frauen aus Nigeria, die es durch die Sahara bis ans Mittelmeer geschafft haben. Zusammengepferchte Menschen auf Schlauchbooten oder Kuttern, verätzt durch ein Gemisch aus Salzwasser, Benzin und Urin. Traumatisierte Menschen, die ihr Leben riskieren. Und nicht im Entferntesten ahnen, was sie in Europa erwartet.

„Ich finde es total wichtig, dass wir wissen: Wir haben Schwein gehabt! Wir wurden zur richtigen Zeit auf der Sonnenseite unseres Planeten geboren“, so Werth. Offen kritisiert er den „furchtbaren Deal“ mit Erdogan oder die Untätigkeit vieler EU-Staaten. Und mahnt: „Noch reden wir über Kriegsflüchtlinge, noch nicht über die Klimaflüchtlinge, die aber kommen werden.“

Gerd-J. Schwennsen

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