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Ostholstein Sechs Monate für eine Sonnenbrille
Lokales Ostholstein Sechs Monate für eine Sonnenbrille
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10:37 01.04.2016
Eutin

Der Angeklagte brachte es selbst auf den Punkt. „Ich hab' letztes Jahr viel Scheiß gebaut“, räumte der 39-Jährige unumwunden ein. Für den größten Fehler musste er sich gestern vor dem Amtsgericht Eutin verantworten. Im August war er in einem Geschäft beim Diebstahl einer Sonnenbrille und eines Fläschchens Klarlack erwischt worden. „Letztlich nichts Dramatisches“, so die Staatsanwältin. Doch weil der Familienvater aus Eutin in einer Gürteltasche zwei Klappmesser dabei hatte, wurde aus dem Diebstahl von Waren für gut 20 Euro ein Diebstahl mit Waffen. Der wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten geahndet.

Dazu wurde der arbeitslose Mann auch verurteilt — mit zwei zusätzlichen Wochen und einem gemeinnützigen Arbeitseinsatz von 50 Stunden obendrauf. Denn es war nicht sein einziger Konflikt mit dem Gesetz. Wegen geringfügiger Diebstähle und Fahrens ohne Führerschein waren bereits zwei Strafbefehle über zusammen 980 Euro gegen ihn verhängt worden. Bezahlt hatte er jedoch bis gestern nicht, weshalb in einem Fall ganz frisch ein Haftbefehl vorlag. Der zweite Strafbefehl wurde in die zwei Wochen Freiheitsstrafe auf Bewährung umgewandelt.

Der Angeklagte, der zuletzt als Betriebsgärtner gearbeitet hatte, gab den Ladendiebstahl sofort zu. Er habe das Diebesgut verkaufen wollen, um mit dem Geld Lebensmittel für die Familie zu kaufen, erklärte der Hartz-IV-Empfänger. Die beiden Messer bezeichnete er als Gartengeräte. „Die habe ich immer dabei“, beteuerte er. „Ich benutze so etwas nicht im Garten“, hielt ihm die Richterin beim Betrachten der beiden sichergestellten Messer entgegen und schloss sich der Anklage an. Die hatte die Messer als gefährlich eingestuft und generell dazu geeignet, Widerstand zu brechen.

Das Geständnis, der geringe Wert des Diebesguts und der Nicht-Einsatz der Messer wurden dem Mann zugute gehalten. Die erste Freiheitsstrafe werde ihm hoffentlich Warnung genug sein, gab ihm die Richterin mit auf den Weg. Der Angeklagte nahm das Urteil sichtlich zerknirscht entgegen, hatte aber zunächst eine andere Sorge. In Begleitung von zwei Polizeibeamten musste er vom Gericht direkt zur Bank, um die alte Geldstrafe zu begleichen, andernfalls wäre der Haftbefehl vollzogen worden. Das Geld wollten ihm seine Eltern aus ihrer Rente vorstrecken. pet

LN

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