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Seegras-Plage: Traktoren im Dauereinsatz

Haffkrug/Scharbeutz Seegras-Plage: Traktoren im Dauereinsatz

Zurzeit wird wieder viel angeschwemmt – Die Suche nach einer sinnvollen Nutzung war bisher erfolglos.

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Mit breiten Frontladern nehmen die Männer vom Ostsee-Strand-Service das zuvor zusammengeharkte Seegras auf.

Quelle: Fotos: Peyronnet

Haffkrug/Scharbeutz. Treibsel, das klingt niedlich. Doch hinter dem harmlos klingenden Wort verbirgt sich eine der Plagen der Ostseeküste: Seegras und Algen. Gerade erst treibt die ungeliebte Biomasse in rauen Mengen an den Strand von Haffkrug und Scharbeutz. Damit müsste sich doch etwas Sinnvolles anfangen lassen? Doch die Kommunalpolitik hat erst einmal abgewinkt.

LN-Bild

Zurzeit wird wieder viel angeschwemmt – Die Suche nach einer sinnvollen Nutzung war bisher erfolglos.

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Die Verwertung als Brennstoff oder in Biogasanlagen rechnet sich nicht.

Ein sauberer Strand gehört heute dazu, das erwarten die Urlauber. „Das will kein Gast“, sagt Bauhofleiterin Bettina Schäfer gestern am Strand von Haffkrug im Angesicht vieler und hoher Seegras-Berge.

Deshalb beseitigt seit zehn Jahren Jürgen Seyfferth mit seiner Firma Ostsee-Strand-Service und einem Team aus Helfern und Subunternehmern im Auftrag der Gemeinde das Seegras vom Strand. Gerade haben die Jungs mit den großen Maschinen besonders viel zu tun. „Allein in den vergangenen Tagen haben wir 70 Tonnen abgefahren“, berichtet Bürgermeister Volker Owerien (parteilos). Wie das Seegras sinnvoll genutzt werden könne, sei ein ungelöstes Problem.

Denkbar wäre, das Material zu Briketts zu pressen und zum Heizen zu nutzen. Doch der Heizwert ist nicht besonders hoch, und für die Verbrennung werden spezielle Heizkessel benötigt. Bei Biogasanlagen ist neben dem geringen Energiewert der Sand das Problem, der bei der Strandreinigung mit aufgenommen wird und erst herausgesiebt werden müsste. „Wenn jemand eine technische und wirtschaftliche Möglichkeit hätte, wäre es ein großer Schritt nach vorne. Aber bisher gibt es keine“, teilte Owerien dazu mit. Dennoch hatte die Gemeinde im vergangenen Jahr mehrere Kisten Treibsel an ein Ingenieurbüro geschickt, um Möglichkeiten zur Nutzung auszuloten. Die Kosten für eine ausführlichere Analyse und für ein Nutzungskonzept belaufen sich laut Angebot des Büros auf rund 4000 Euro.

Angesichts geringer Hoffnung auf ein kostendeckendes Verfahren hat der Umweltausschuss der Gemeinde Scharbeutz zunächst abgewinkt.

Deshalb ändert sich für Seyfferth und seine Mannen erst einmal gar nichts. In diesen Tagen sind sie wieder fast rund um die Uhr am Strand, um das Seegras aufzusammeln und abzufahren, damit es bei Bauern auf dem Acker ausgebracht werden kann. Morgens um 4 Uhr geht’s los, und da gerade sehr viel angeschwemmt wird, ist tagsüber noch lange nicht Schluss.

Seyffert steckt viel Herzblut in seine Aufgabe. In den zehn Jahren, die er das macht, hat er sich viel einfallen lassen. Die Strandharke mit Federzinken hat er selbst konstruiert. Der Abstand der Zinken an dem breiten Frontlader zum Aufladen des Seegrases beträgt genau 13,5 Zentimeter. „Wenn der Zinkenabstand zu eng ist, verklemmt sich das Seegras, wenn er zu weit ist, fällt es durch“, sagt Seyfferth, dessen Ziel eine möglichst sandarme Aufnahme des Treibsels ist. Die Schlepper sind mit 71 Zentimetern extra breit bereift, ebenso wie die Muldenanhänger. Diese sogenannte Flächenbereifung ermöglicht einen niedrigen Bodendruck. Sonst könnten Schlepper und Hänger gar nicht am Strand fahren.

Abgefahren wird das Seegras nur in der Saison, berichtet Schäfer. Jetzt sollte das Aufsammeln eigentlich enden, aber das schöne Wetter hat die Gemeinde bewogen, den Strand noch weiter zu reinigen.

„Solange der Ort voll ist, machen wir hier etwas“, sagt Schäfer mit Blick auf den Strand. Im Winter müssen Seyfferth und sein Team nur einmal ran: zu Silvester und nur an der Seebrücke. Weil es ungünstig ist, wenn Böller in die Seegrasberge fliegen.

Große Mengen, hohe Kosten

10 000 Tonnen Seegras und mehr, manchmal gemischt mit Algen, fallen in der Gemeinde Scharbeutz jedes Jahr an.

35 000 Tonnen Seegras pro Jahr sind es an der gesamten Ostseeküste Ostholsteins.

100 000 bis 140 000 Euro jährlich kostet die Beseitigung allein in Scharbeutz. Darin enthalten ist die Strandreinigung, das Abfahren des Seegrases und das Geld, das die Bauern dafür bekommen, dass sie die Biomasse auf ihren Feldern ausbringen.

 Susanne Peyronnet

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