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Ostholstein Immer mehr tote Schweinswale in der Ostsee – Delfin verantwortlich?
Lokales Ostholstein Immer mehr tote Schweinswale in der Ostsee – Delfin verantwortlich?
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16:04 16.04.2019
Seehundjäger Eckhard Kasten sammelt einen toten Schweinswal ein. Quelle: Billhardt
Ostholstein

 Die Zahlen sind alarmierend: 115 Schweinswale, 13 Kegelrobben und 22 Seehunde haben Seehundjäger in Ostholstein im vergangenen Jahr verendet an der Küste in ihrem Bezirk entdeckt. Keiner weiß bisher, wieso sie sterben mussten und warum es so viele waren. Die meisten toten Tiere wurden dabei zwischen Behrensdorf und Dahme von den Experten eingesammelt.

Todesursache ist bisher nicht geklärt

Eckhard Kasten, Seehundjäger aus Oldenburg, kann sich die starke Anhäufung nicht erklären. „Es ist bisher völlig unklar, was die Todesursache ist“, sagt er. Möglicherweise sind Attacken anderer Meeresbewohner, Verletzungen durch den Schiffsverkehr oder Krankheiten schuld am Tod der Tiere. Fakt ist: Die Zahl ist laut Karsten doppelt so hoch wie noch im Jahr 2017. Der Oldenburger alleine habe 70 Einsätze gehabt. Zusammen mit seinem Assistenten Andreas Milde und den beiden Seehundjägern von der Insel Fehmarn, Drews Höpner und Wolf-Dieter Weßlin, waren es insgesamt 160 Einsätze – ein paar Fehlalarme eingeschlossen.

Bisher hätten die Seehundjäger noch keine Rückmeldung von den Forschern erhalten. Die Kadaver werden zur genauen Untersuchung in die Außenstelle des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (Itaw) in Büsum gebracht. „Vielleicht bekommen wir im Sommer oder spätestens im Herbst nähere Auskünfte“, sagt Eckhard Kasten. Doch große Hoffnung hat er nicht, weil viele der aufgefundenen Meeressäuger bereits in einem schlechten Zustand waren.

Überraschende Fundorte

Unüblich seien auch die Fundorte gewesen. „In der Regel finden wir häufig Tiere an den Stränden in Richtung Kiel und nicht rund um die Halbinsel Wagrien“, berichtet Kasten, dessen Bezirk von der Kieler Förde bis zur Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern reicht. Auch im Januar dieses Jahres setzte sich die Entwicklung fort: Allein im ersten Monat 2019 wurden zehn tote Schweinswale in der Lübecker Bucht gemeldet. Eine derartige Häufung ist auch für den Seehundjäger überraschend. „Eigentlich ist das nicht die Zeit. Unsere Hauptarbeit beginnt sonst meist Ende Mai, wenn die Jungtiere geboren werden“, berichtet er.

Delfin könnte Schweinswale angegriffen haben

Eine Vermutung für das gehäufte Auftreten hat Kasten allerdings. Er verweist auf einen Delfin, der im Dezember vor Boltenhagen gesichtet wurde. Weit draußen vor der Lübecker Bucht könnte das Tier die Schweinswale angegriffen haben. Danach habe es sicher einige Zeit gedauert, bis die verendeten Tiere an Land gespült wurden. „Aber das ist alles unbewiesen und reine Spekulation“, sagt Kasten. Wegen der fortgeschrittenen Verwesung würden die Forscher sicherlich auch hier Probleme haben, die richtigen Rückschlüsse zu ziehen.

Grundsätzlich aber sei die Entwicklung der Meeressäuger positiv. „Die Populationen sind seit den ersten Zählungen vor 50 Jahren deutlich gestiegen. Wir haben so viele Tiere wie noch nie“, schildert der Experte. Die Sichtung eines lebenden Tiers ist auch für ihn immer ein besonderes Erlebnis. Im Winter beispielsweise sichtete der Experte 19 Seehunde im östlichen Bereich des Fehmarnsunds vor Großenbrode. „Bei Niedrigwasser und mit einem gewissen Auge kam man sie auf den Findlingen liegend entdecken.“

Mondfisch gefunden

Und noch eine besondere Entdeckung hat Eckhard Kasten in diesem Winter gemacht. Im Dezember tauchte ein Mondfisch am Strand des Campingplatzes Blank Eck (Gemeinde Gremersdorf) auf. Mondfische sind im Atlantik und im Mittelmeer heimisch. Kasten geht davon aus, dass der Mondfisch über den Kattegat in die Ostsee getrieben wurde (die LN berichteten). Der Fisch habe wohl den geringen Salzgehalt der Ostsee nicht vertragen und sei an Kreislaufversagen verendet.

Markus Billhardt

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