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Seenotrettung: Kampf gegen die Zeit

Grömitz Seenotrettung: Kampf gegen die Zeit

Die Mannschaft des Seenotrettungskreuzers „Hans Hackmack“ schildert den Ablauf von Suchaktionen auf See/ Das Schiff war auch an der Suche nach dem Fischkutter „Condor“ vor der Insel Fehmarn beteiligt.

Grömitz. Der tragische Unfall des Fischkutters „Condor“ liegt erst wenige Wochen zurück. Für die Besatzung des Seenotrettungskreuzers „Hans Hackmack“ war es seit Jahresbeginn bereits der dritte Einsatz. „Das ist viel für diese Jahreszeit“, meint Vormann Guido Förster nachdenklich. Den Lübecker Nachrichten schilderte die Crew, wie Einsätze bei Schiffsunglücken wie dem der „Condor“ vonstatten gehen.

Gegen 18.30 Uhr ging an dem besagten Unglückstag der Einsatzbefehl auf der „Hans Hackmack“ ein. Mit der Höchstgeschwindigkeit von 22 Knoten (rund 40 Stundenkilometer) erreichte das Schiff mit den vier Seenotrettern an Bord das Suchgebiet vor Fehmarn. Zwischenzeitlich hatte die Seenotleitung in Bremen neben den eigenen Schiffen auch auf dänischer Seite um Unterstützung gebeten und zwei Hubschrauber für die Suche aus der Luft geordert. Wie berichtet konnten die Helfer gegen 21 Uhr den Kapitän des Fischkutters und seinen Deckmann nur noch tot aus dem Wasser bergen.

Viele Faktoren beeinflussen nach Aussage von Vormann Guido Förster den Erfolg einer Rettungsaktion. „Gehen Personen über Bord, lassen sich diese im Wasser deutlich besser ausmachen, wenn Rettungswesten oder Kleidung mit Reflexstreifen getragen werden.“ Seine eigenen Leute haben einen so genannten PLB-Sender in ihren Rettungswesten, der mit einem Funkpeiler auf der Brücke der „Hans Hackmack“ geortet werden kann. Förster: „Dieser Sender kostet zwischen 300 und 600 Euro.“ Schiffseignern, aber auch Anglern und Wassersportlern rät der Vormann dringend zur angemessenen Ausrüstung mit Seenotsignalmitteln, die im Ernstfall Leben retten können.

Ein weiteres technisches Hilfsmittel, um im Wasser treibende Objekte aufzuspüren, ist das Radar. Dies komme jedoch nur in Betracht, wenn das Objekt größer als die Welle sei, erläutert Maschinist Stephan Litschen, der bei dem Einsatz vor Fehmarn ebenfalls mit an Bord war. Leuchtraketen, die von einem in Seenot geratenen Schiff abgeschossen würden, erleichterten den Seenotrettern ebenfalls die Arbeit. Eine Pflicht, derartige Rettungsmittel mit sich zu führen gebe es jedoch leider nicht für alle Fahrzeuge, die sich aufs Wasser begeben. Dazu DGzRS-Pressesprecherin Anke Reemts: „Grundsätzlich sind Schiffe ab einer bestimmten Größenordnung ausrüstungspflichtig. Dies gilt auch für Fischerei und Handelsschifffahrt. Auch die ,Condor‘ war mit einer Seenotfunkboje ausgestattet, von der allerdings kein Alarm gesendet wurde.“ Wurden, wie im Falle der „Condor“ weder Funkspruch noch Notsignale gesendet, sind die Retter alleine auf ihre Augen angewiesen. Dafür wird das Suchgebiet, dessen Größe die Seenotleitung errechnet, von mehreren Schiffen in einer zuvor festgelegten Suchstreifen-Breite durchkämmt.

Dennoch, so Litschen, sei es eher ein Zufall gewesen, dass man die beiden Männer im Wasser habe ausmachen können. Trümmerteile und Fischkisten im Wasser hatten das Auffinden der Fischer im Wasser begünstigt.

Fälle, bei denen Tote aus dem Wasser geborgen werden müssen, gehen natürlich auch an den Seenotrettern nicht spurlos vorbei. „Man spricht dann an Bord viel darüber und verarbeitet die Eindrücke auf diese Weise", meint Litschen. Anders als bei der „Condor“, gebe es Fälle, in denen auch für die medizinisch ausgebildeten Helfer nicht eindeutig auszumachen sei, ob der Tod bereits eingetreten ist.

Förster: „Wir hatten im vergangenen Jahr einen Fall, bei dem wir 30 Minuten bis zum Eintreffen im Hafen reanimiert haben.“ Leider vergeblich, wie der Notarzt an Land dann habe feststellen müssen.

Seien Einsätze von einzelnen Mannschaftsmitgliedern schwerer zu verkraften, könne auch eine psychologische Betreuung aus der Zentrale angefordert werden.

Wie lange ein Mensch im Wasser überleben kann, könne heute niemand mehr mit Bestimmtheit sagen. Aktuelle medizinische Erkenntnisse ließen kaum Prognosen zu. Für die Seenotretter spielen derartige Berechnungen ohnehin keine Rolle. Ihr Auftrag ist es, Personen, die in Seenot geraten sind, zu retten. Im vergangenen Jahr ist den Einsatzkräften der DGzRS das bei 538 Personen gelungen.

Thomas Klatt

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