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Ostholstein Seit 50 Jahren: NRW-Crew hat Pelzerhakens Strand im Blick
Lokales Ostholstein Seit 50 Jahren: NRW-Crew hat Pelzerhakens Strand im Blick
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22:00 26.07.2018
Hans-Albert Lange war schon als junger Mann am Strand von Pelzerhaken im Einsatz. Nicht nur Bekleidung und Frisur haben sich seitdem verändert.
Pelzerhaken

Hans-Albert Lange trägt das rote DLRG-T-Shirt mit Stolz. Seit 1968 verbringt der heute 67-Jährige seinen Urlaub unweit von Neustadt. Am Strand von Pelzerhaken versorgt und rettet er Menschen – freiwillig und für eine geringe Aufwandsentschädigung, die für kaum mehr als eine Mahlzeit reicht. Warum? Die Frage kann Lange nur schwer beantworten. Er nennt das Gefühl, helfen zu können. Auch das gute Verhältnis zu vielen Einwohnern und Mitarbeitern von Tourismus-Service und Bauhof spielten eine Rolle. „Das verbindet“, sagt Lange. Die Menschen würden grüßen und die Arbeit wertschätzen.

Die meisten der bewachten Strände im Kreis Ostholstein sind in fester Hand einzelner DLRG-Ortsgruppen. In Pelzerhaken gehören die Rettungsschwimmer aus Rheda-Wiedenbrück dazu. Sonnabend feiern sie 50-jähriges Jubiläum. In all den Jahrzehnten gab es nicht einen Badetoten.

Während Urlauber am Strand liegen, vor sich hindösen und in der Ostsee schwimmen, müssen Lange und die anderen Rettungsschwimmer immer voll fokussiert sein. Gefährliche Situationen sind stets nah. So auch vor einigen Jahren in Rettin. „Ein Mann hatte beim Verlassen des Wassers einen Herzinfarkt. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung war zum Glück erfolgreich. Sogar ein Rettungshubschrauber kam zum Einsatz“, erzählt Lange. Froh ist er, dass in all der Zeit, in der die Gruppe aus Rheda-Wiedenbrück vor Ort ist – seit einigen Jahren mit Unterstützung von Kräften aus Bergkamen und Schwäbisch Hall – niemand gestorben sei.

Ebenfalls lange im Team ist Thomas Busse. 1977 trat er in die DLRG ein, war als 16-Jähriger erstmals in Pelzerhaken und wusste nach drei Tagen: „Hier bin ich völlig richtig.“ Seit 1982 setzte er nur zwei Saisons aus. „Das eine Mal habe ich ein Haus gebaut, das andere Mal gerade einen neuen Job angefangen“, erklärt er, dessen Tochter mittlerweile ebenfalls als Rettungsschwimmerin an „seinem Strand“ unterwegs ist. Auch Busse weiß um die Notwendigkeit der DLRG.

Ein Tag in den 80er Jahren ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Innerhalb von zwei Stunden hätten sie sich um zwei Katamarane gekümmert – der eine gekentert, der andere mit kaputtem Mast. Zudem hätten sie drei Mädchen von einer Sandbank gerettet und einem Vater geholfen, dem sein Baby aus den Armen gespült wurde. „Das war heftig. Plötzlich hatten wir ganz starken Südostwind. Der hat für Probleme gesorgt“, sagt der 52-Jährige.

Außer den Einsätzen ist ihm und den anderen langjährigen Rettungsschwimmern vor allem der stete Wandel im Gedächtnis geblieben. Zweimal haben sie den Neubau einer Hauptwache erlebt. Und auch die Einsatzkleidung hat sich verändert. „Früher sind wir bei kühlem Wetter in abgeschnittenen Jeans, T-Shirts und Öljacken mit dem Boot raus. Heute gibt es Neoprenanzüge. Da sind wir ganz anders geschützt“, sagt Lange. Zudem gebe es längst einheitliche Kleidung für alle DLRG-Kräfte. Anfangs sei das anders gewesen. „Wir haben uns selbst blaue T-Shirts angefertigt, auf denen stand Lifeguard/Surfrescue. Wir waren die ,Blauen Engel’“, sagt Busse.

Der Strand von Pelzerhaken ist längst ein Stück Heimat. Hier fühlen sich die DLRG-Retter aus Rheda-Wiedenbrück wohl.

Von Sebastian Rosenkötter

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