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Ostholstein Sellin‘s Gasthof schließt nach 23 Jahren
Lokales Ostholstein Sellin‘s Gasthof schließt nach 23 Jahren
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20:27 20.01.2016
Bettina und Bernd Sellin führten den Gasthof mehr als zwei Jahrzehnte. Der gelernte Koch war zuvor Pächter des Kremper Krugs. Quelle: Fotos: Rosenkötter

Taufen, Geburtstage und Hochzeiten wurden hier gefeiert. Diverse Vereine trafen sich hier zu ihren Jahresversammlungen. Die Gemeindevertreter debattierten mit den Einwohnern. Sellin‘s Gasthof in Bliesdorf (Gemeinde Schashagen) war jahrzehntelang Restaurant, Saal und Kegelbahn. Jetzt ist der Betrieb zu. Bernd Sellin und seine Frau Bettina haben verkauft.

Seit Weihnachten packen sie ihre Sachen zusammen. Rund 1000 Quadratmeter umfasst das Gebäude, da finden sich überall private Gegenstände. Vieles muss dennoch entsorgt werden. Ein Verlust. Doch nicht nur das Ehepaar verliert etwas, auch die Gemeinde. Ein Traditionshaus schließt und damit droht einer der letzten großen Säle in der Region endgültig verloren zu gehen.

Abschied nehmen, sich gemeinsam erinnern, dazu gab es Anfang der Woche Gelegenheit. Bernd Sellin hatte Nachbarn, Weggefährten und Freunde eingeladen. Es gab Torte. Der Gastraum war gut gefüllt, hinter dem Tresen wurde gewirbelt. Zum letzten Mal? Das ist unklar. Käufer Roland Dieckmann sucht einen neuen Betreiber. „Das ist meine erste Option. Ich führe Gespräche und im Grunde sind wir uns einig. Unterschrieben ist aber noch nichts“, sagte er den LN. Abhängig sei die weitere Entwicklung auch vom Brandschutz. Je nachdem wie hoch die Kosten für eine Sanierung ausfallen, dürfte das Gebäude erhalten bleiben. Bis Ostern soll eine Entscheidung fallen.

Dass sich Dieckmann zum Kauf entschieden hat, verwundert nicht. Seine verstorbenen Eltern, Ruth und Hans-Otto Dieckmann, haben den Betrieb 1972 aufgebaut. „Es war eine emotionale Entscheidung. Ich bin in dem Betrieb aufgewachsen und nun ist er wieder im Familienbesitz“, so der Käufer. Zudem sei er froh, dass die Familie Sellin das Geschäft stets im Sinne seiner Eltern fortgeführt hätte.

Für viele Bliesdorfer ist die derzeitige Entwicklung mit Unsicherheit verbunden. Bürgermeister Rainer Holtz (CDU) empfindet die Schließung als schweren Einschnitt für das Leben der Dorfgemeinschaft.

„Wir trauern dem großen Saal nach, genau wie die Vereine und Verbände“, betonte er. Ausweichmöglichkeiten — gerade für große Gesellschaften — gebe es kaum. Dies sieht Wehrführer Klaus Sindt ähnlich.

„Wir haben dort die Kameradschaftsabende gefeiert und benötigen dringend einen Saal“, sagte er. Rolf Schaper, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, geht davon aus, die nächsten Wochen mit dem Gerätehaus zu überbrücken. Langfristig hofft er, dass sich jemand findet, der den Gasthof fortführen wird. „Die Feuerwehr und auch wir Siedler haben eine Kegelgruppe bei Sellin‘s. Wir wissen aktuell nicht, wie es weiter geht“, so Schaper.

Da sieht es bei Bernd Sellin anders aus. Seine Frau und er ziehen nach Neustadt, wollen neu durchstarten. Den Verkauf ihres Gasthofes hatten sie lange geplant. „Das Objekt stand etwa drei Jahre zum Verkauf. Jetzt sind wir uns mit dem Käufer einig geworden. Gerechnet hatten wir mit sechs bis sieben Jahren“, erläuterte er.

Für ihn und seine Frau endet eine Ära. Im März 1993 hatten sie den Gasthof ersteigert, drei bis vier Monate lang parallel mit dem Kremper Krug in Altenkrempe betrieben. „Dort waren wir vorher Pächter, von 1980 bis 1993.“ In den folgenden Jahren steckte das Ehepaar Sellin viel Geld in das Gebäude. „2001 haben wir die Heizung gemacht, 2005 das Dach erneuert, 2009 den Sanitärbereich und die Fenster der Kegelbahn sind dreifachverglast“, erzählt Bernd Sellin. Gerne erinnert er sich an die 15 Jahre, in denen er die Filmcrew der Fernseh-Serien „Küstenwache“ sowie zuletzt der „Kripo Holstein“ versorgte.

„Die haben sogar mal hier gedreht“, erzählt er. Bei der Ausstrahlung hieß Sellin‘s Gasthof dann aber „Schönwalder Hof“. Gestört hat es Sellin nicht. Für ihn bleibt es eine tolle Erinnerung an eine schöne und aufregende Zeit.

Großfeuer zerstörte das frühere „Landhaus Dieckmann“
„Sellin‘s Gasthof“ wurde 1972 von Ruth und Hans-Otto Dieckmann gebaut. Der Name des Betriebs lautete damals „Landhaus Dieckmann“. Saal und Kegelbahn kamen 1978 dazu.
1981 zerstörte ein Großfeuer das Objekt. Roland Dieckmann erzählte den LN jetzt, dass seine Eltern das Gebäude aufwendig sanieren mussten.
Drei Jahre später hätten sie vom Kreis Ostholstein eine Auszeichnung bekommen. „Es wurde zum ,Schönsten Landhaus in Ostholstein‘ gekürt“, sagte Roland Dieckmann.

Sebastian Rosenkötter

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