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Ostholstein Seniorendorf kann kommen
Lokales Ostholstein Seniorendorf kann kommen
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11:08 22.04.2015
Caroline Reimann steht auf dem Gelände, auf dem das Seniorendorf entstehen soll. Es ist rundherum von Knicks eingefasst. Quelle: Fotos: Peyronnet
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Bosau

Die Hühner von Caroline Reimann hören aufs Wort. Wenn sie ruft, kommen Hahn und Hennen aus dem weitläufigen Garten angelaufen. Geht alles nach Plan, bekommen die Hühner im kommenden Jahr ein neues Zuhause — und mit ihnen mehr als 30 Männer und Frauen. Hühner und Menschen sollen bald das selbstbestimmte ökologische Seniorendorf Uhlenbusch in Bosau bewohnen.

Es fehlt nur noch der Beschluss der Kommunalpolitik über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der im Sommer fallen dürfte. Dann kann das Projekt nach allerlei Irrungen und Wirrungen auf der sogenannten Seekoppel zwischen Uferweg und Jugendfreizeitheim unterhalb des Bicheler Berges in Bosau verwirklicht werden. Caroline (59) und Ulrich (57) Reimann haben es gemeinsam mit zwei weiteren Initiatoren konzipiert und auf den Weg gebracht.

Anlass waren Überlegungen, wie sie im Alter wohnen wollen. Weder die Aufbewahrungsanstalten, die Seniorenheime für Ulrich Reimann darstellen, noch die Hilflosigkeit im eigenen Haus kommen für beide infrage. „Das sind Wege, die wir nicht gehen wollen“, sagt Ulrich Reimann. Deshalb die Idee für ein selbstbestimmtes, ökologisches Seniorendorf. Nach einigem Suchen fand sich ein passendes Areal gleich um die Ecke vom Wohnhaus der Reimanns. Der ehemalige Acker ist rundherum von Knicks eingefasst, sonst ist dort noch nichts zu sehen. „Hier soll das Gemeinschaftshaus hin und dort herunter zieht sich der Anger“, sagt Caroline Reimann mitten auf dem Grundstück und beschreibt mit der Hand einen großen Bogen. Am Ende des Areals, in einem kleinen Tal, sollen später Tiere weiden und ein Serpentinenweg den Hügel hinabführen. Ein Streifen auf dem Grundstück ist fast unbewachsen, hier haben bis vor kurzem Archäologen gegraben und Siedlungsspuren wie Scherben, Schaber und Schwertspitzen aus der Steinzeit und der Slawenzeit gefunden. Für Caroline Reimann der Beweis, dass auf diesem Fleckchen Erde schon immer gesiedelt wurde.

Die heutigen Siedler haben sich zum Teil schon zusammengefunden. Fast jede Woche, sagt Caroline Reimann, kommen Interessenten vorbei. Bei einem Treffen im März kamen um die 50 Leute zusammen, sogar von Deutschen aus der Türkei, aus Schweden und Ägypten gibt es Anfragen. „Wir sind alle guten Mutes nach Hause gegangen“, sagt Heidi Lüdemann (70) aus Techau, die gerne ins Dorf ziehen möchte. Sie ist seit 30 Jahren Holzhausfan, engagiert sich im Bio- und im ökologischen Hausbaubereich und hat festgestellt, dass sich das Seniorendorf Uhlenbusch genau mit ihrer Vision vom Leben im Alter deckt.

Lüdemanns Senioren-Bio-Version: ein umweltfreundliches Haus, Gemeinsamkeit aller Bewohner, natürlich ökologische Nahrung, Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit, Freude an der Natur.

Projekte wie den Uhlenbusch gibt es nicht viele. „Als wir vor sechs Jahren angefangen haben, waren es zwei, je eines in Thüringen und Bayern“, berichtet Caroline Reimann. Doch die anfängliche Zustimmung in Bosau schlug in Bedenken um, als die Seekoppel als Baugrundstück für das Seniorendorf feststand. Vor allem Anwohner der benachbarten Uferstraße fürchteten um den Wert ihrer Grundstücke, andere vermuteten, die Reimanns wollten nur Großinvestoren den Weg ebnen. Deshalb wurde das Projekt zunächst im Bauausschuss gekippt, steht nun aber im zweiten Anlauf vor der abschließenden Genehmigung durch die Kommunalpolitik. Die Wogen im Ort haben sich geglättet. Die Gartenhäuschen, in denen die Dorfbewohner leben, sind bewusst in großem Abstand zur Uferstraße geplant worden. Die Bedenken kann Caroline Reimann zum Teil nachvollziehen. Sie ist froh, dass sich Befürworter und Gegner ausgesprochen haben. „Es sind Menschen, denen wir täglich begegnen. Jetzt grüßt man sich wieder.“ Und ihr Mann fügt hinzu: „Wir haben das Projekt stets weiterverfolgt und sind von vielen ermutigt worden.“

Geht alles nach Plan, wird die Seekoppel im Herbst erschlossen. Noch Ende dieses Jahres könnte Baubeginn sein. Die ökologischen Energieeffizienz-Häuser benötigen drei Monate Produktionszeit und zwei Tage Aufbauzeit. Dann folgt der Innenausbau. „Im Frühjahr 2016 wollen wir als erste einziehen“, sagt Ulrich Reimann.

Holzhäuser mit Gründach

5 Hektar groß ist das Grundstück Seekoppel in Bosau, auf dem das Seniorendorf entsteht. Von dort aus hat man einen Blick auf den Großen Plöner See.
30 eingeschossige Holzhäuser mit Gründach und der Energieeffizienzklasse KFW 55 sowie ein Gemeinschaftshaus, ein Technikhaus, ein Badehaus, Gewächshäuser, Werkstätten, Gärten und Weiden sollen auf dem Gelände entstehen. Autos bleiben an der Einfahrt stehen, möglich sein soll E-Mobilität auf dem Gelände.
7 Millionen Euro sind sehr grob geschätzt die Gesamtkosten. Investoren sind die künftigen Bewohner, die sich mit unterschiedlichen Beträgen beteiligen können. Die Häuser kosten voraussichtlich unter 1500 Euro pro Quadratmeter. Unter den bisherigen Interessenten sind auch eine ganze Reihe, die die Häuser mieten wollen oder eine Zwischenlösung zwischen Miete und Kauf suchen. Mit Einlagen kann die Mietzahlung reduziert werden.


• Weitere Informationen unter www.uhlenbusch.org

Susanne Peyronnet

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