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Ostholstein Sex-Dates, Affären, eine Hochzeit - und ein Giftanschlag
Lokales Ostholstein Sex-Dates, Affären, eine Hochzeit - und ein Giftanschlag
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22:06 11.01.2018
Am Landgericht Lübeck wurde am Donnerstag im Dahmer Gift-Prozess die Beweisaufnahme fortgesetzt. Quelle: Prey
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Dahme/Lübeck

„Lange bleibt der sicher nicht gesund. Es gibt doch Besseres als Fingerhut.“  Diesen Satz schrieb die Angeklagte Andrea E. (Name geändert) vor der Tat an einen Chat- Bekannten im Internet. Doch anstatt auf Fingerhut griff die Floristin auf die weit giftigeren Samenkapseln des Zerberusbaumes zurück, die sie ihrem Ex-Mann am 16. August 2015 ins Chili con Carne mischte. Richter Christian Singelmann verlas am Donnerstag gleich mehrere E-Mails, die Aufschluss über das Leben des betroffenen Paares lieferten.

Klar ist jetzt, dass ihr Sexualleben die beiden ins Verderben führte. Andrea E. war bis 2004 in erster Ehe verheiratet, hatte aber bereits seit 2002 eine Affäre mit Hartmut E. Der hatte auf einem Sexportal eine Annonce geschaltet, auf die sich die Angeklagte meldete. Seit 2005 waren sie dann ganz offiziell ein Paar – und auch glücklich. Als Hartmut E. 2010 allerdings einen Bandscheibenvorfall hatte, endete ihr Sexualleben. Die Umstände wurden noch schwieriger, als beim heute 57-Jährigen 2012 ein Schlaganfall hinzukam. Dennoch machte er ihr im Oktober 2014 einen Heiratsantrag, den sie prompt annahm. „In der Hoffnung auf bessere Zeiten“, wie sie sagte.

Aber von da an ging es rapide bergab. Zwei Monate vor der Hochzeit am 12. Juni 2015 ging sie erneut eine Affäre mit einem Bekannten ein. Zeitgleich verkomplizierte sich das Sexualleben des Ehepaares weiter. Sie sagte aus, er habe ihr offenbart, bisexuell zu sein und dass er den Wunsch hätte, mit ihr gemeinsam einen Mann zu finden. Hartmut E. sagte dagegen, die Angeklagte habe den Wunsch gehabt, sexuell befriedigt zu werden und dass sie mit ihm in einen Swingerclub gehen wollte. Das hätte er aber nicht gewollt. Schlussendlich – und da waren sich beide einig – luden sie ein gemeinsames Profil in einem Sexportal hoch. Die Angeklagte sagte dazu, sie sei angewidert gewesen und habe sich nur darauf eingelassen, weil sie ihren Mann glücklich machen wollte. Dennoch heiratete sie Hartmut E..

Richter Singelmann fragte die Angeklagte: „Warum haben Sie denn unter diesen Umständen überhaupt geheiratet?“ Darauf antwortete sie: „Ich hatte gehofft, alles würde wieder gut. Außerdem hatte ich Angst vor dem Gerede im Dorf.“ Singelmann weiter: „Und was wollten Sie mit der Affäre dann machen?“ Sie: „Die hätte ich dann aufgegeben.“ Was sie nach der Tat im Oktober 2015 auch tat. Heute aber sei sie mit dem Mann wieder zusammen, trotz ihrer Untersuchungshaft.

Auseinander gehen die Aussagen der beiden auch zum weiteren Geschehen nach der Tat. Sie sagte, dass sie Hartmut E. aufgefordert hätte, wegen seines Durchfalls zum Arzt zu gehen und eine Stuhlprobe abzugeben. Etwa zeitgleich, das beweist ihr Verlauf im Internet, hatte sie sich darüber informiert, ob das angewendete Gift nachweisbar sei. Resultat: dies sei nur schwer möglich.

Hartmut E. berichtete: „Ich bin von allein zum Arzt gegangen. Ein zweites Mal dann, als ich den Internet-Verlauf von ihr geknackt hatte.“ Schließlich habe er auch die Kriminalpolizei auf die Fährte gebracht. Hartmut E. sagte zu den Spätfolgen der Tat: „Ich esse kein Chili mehr.“

Peter Mantik

Der Prozess wird am 31. Januar um 13.30 Uhr fortgesetzt, dann soll der Hausarzt aussagen.

 

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