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Ostholstein Sicherheit für die Schifffahrt: 100 Jahre Flügger Leuchtturm
Lokales Ostholstein Sicherheit für die Schifffahrt: 100 Jahre Flügger Leuchtturm
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20:30 19.09.2016

Er gilt seit anderthalb Jahrzehnten als Touristenattraktion: Jährlich rund 25 000 Besucher besteigen den Flügger Leuchturm – darunter auch Paare, die sich vorher unten im engen Trauzimmer das Ja-Wort gegeben haben. Seit Sommer 2013 schmückt er sogar eine 45-Cent-Sonderbriefmarke der Deutschen Post. Gestern Mittag gab es die Krönung: Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) in Lübeck würdigte das 100-jährigen Bestehen dieses maritimen Wahrzeichens an der Südwestspitze Fehmarns.

„Seit 15 Jahren ist der Leuchtturm eine Touristenattraktion.“Hannes Leichsering, hier mit historischer Lampe
„Seit 15 Jahren ist der Leuchtturm eine Touristenattraktion.“Hannes Leichsering, hier mit historischer Lampe

Damals und heute

1872 entstand der erste, weiße Leuchtturm (kleines Foto). Hier wie auch später im Neubau war Wilhelm Drewes Leuchtturmwärter (bis 1921). 1916 wurde der neue Turm (rechts) gebaut – zwischenzeitlich mit rot-weißem Kleid, seit 2011 wieder im historischen Ockergelb.

Denn er ist – obwohl längst von der Verkehrszentrale Travemünde fernüberwacht und trotz moderner Funktechnik – bis heute „unverzichtbar für die Navigation“, so Amtsleiter Henning Dierken. Das weiße Licht der Gürtellinse dient der Schifffahrt als Orientierungsfeuer – und als Oberfeuer für das enge Fahrwasser des östlichen Fehmarnsund. Den klassischen Leuchtturmwärter gibt es hier aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das war früher ganz anders. Mitte des 19. Jahrhunderts stand im Bereich des heutigen Leuchtturms ein Hagedorngehölz mit dem Namen „Flügger Holz“. Dieses diente den Seefahrern als Landmarke zur Umschiffung der Untiefen „Flügger Sand“ und „Breiter Barg“. Als die Baumgruppe eingegangen war, genehmigte das Preußische Ministerium für Handel und Verkehr den Bau eines Leuchtturms.

Im Jahre 1872 nahm der erste Flügger Leuchtturm – ein weißer, achteckiger Backsteinturm von 16 Meter Gesamthöhe – seinen Betrieb auf. In der Leuchtturmkuppel befand sich eine Gürtellinse. Die Mehrdocht-Argand-Lampe wurde zuerst mit Rüböl (Rapsöl), später dann mit Petroleum betrieben.

Seit 1914 wurde eine neuer, mit 38 Meter Höhe mehr als doppelt so hoher Leuchtturm erbaut. Er ersetzte den alten Leuchtturm und wurde vor 100 Jahren das erste Mal gezündet. Dieser massive Backsteinbau trug in den ersten Jahrzehnten einen ockergelben Ölfarbanstrich. Wegen Schäden am Mauerwerk wurde der Turm 1976/77 mit roten und weißen Glasfaserzementplatten verkleidet. Dierken:

„Dadurch erhielt er für lange Zeit ein neues und rot-weißes Erscheinungsbild.“

Bis 2011 eine erneute Sanierung notwendig war: Die rot-weißen Platten wurden entfernt und das darunterliegende äußere Mauerwerk witterungsbeständig erneuert. Zu diesem Zeitpunkt stand der Leuchtturm schon seit einem Jahrzehnt unter Denkmalschutz. Viele Fehmaraner und Urlaubsgäste rieben sich aber zunächst daran, dass damit das vertraute Bilderbuch-Postkartenmotiv verschwand. Heute haben sich die meisten wieder an den historischen Farbton gewöhnt.

Anlässlich der kleinen 100-Jahr- Feier enthüllten Dierken und Bürgermeister Jörg Weber (SPD) gestern eine Info-Stele, die vor allem über die Bau- und Technikgeschichte dieses Leuchtturmes Auskunft gibt. Zweite Überraschung durch den WSV: Hannes Leichsering, seit 2001 Leuchtturm-Führer, durfte sich über ein Relikt aus den 50er Jahren freuen. Denn die Gürtellinse im Laternengeschoss mit 400 Millimeter Brennweite und 1189 Millimeter Höhe arbeitete bis 1954 mit einer Auer-Glühlicht- Lampe, die zuerst mit Benzol und später mit Flüssiggas betrieben wurden. Dierken: „Dann wurde die Optik elektrifiziert. Anfangs leuchtete dort eine Glühfadenlampe, jetzt eine Halogenlampe mit 400 Watt.“

Der Flügger Leuchtturm zählt heute zu den bedeutenden maritimen Wahrzeichen und Kulturdenkmälern. Das Feuer des Leuchtturmes ist aber nur nachts in Betrieb: jeweils eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang.

Gerd-J. Schwennsen

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