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Ostholstein Sie machen die Straßen frei
Lokales Ostholstein Sie machen die Straßen frei
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22:49 12.01.2017
Leiterin Carolin Rönna vom Scharbeutzer Standort, Alexander Peiler (r.) und Kay Martens sind auf jedes Wetter eingestellt. Quelle: Beke Zill
Ostholstein

„Es war“, sagt Jens Sommerburg, „ein Kampf gegen Mühlen.“ Sommerburg ist Chef der Niederlassung Lübeck des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr und damit oberster Chef des Winterdienstes in Ostholstein. Er kennt alle Tücken, die die Autobahn- und Straßenmeistereien im Winter bewältigen müssen. Gerade erst waren sie beim Blitzeis im Norden besonders gefordert, und auch für die nächsten Tage sagt der Wetterbericht viel Arbeit für die Streudienste voraus. „Der Bereitschaftsdienst ist schon alarmiert. Es kann alles kommen“, sagt Carolin Rönna (50), die die Autobahn- und Straßenmeisterei in Scharbeutz leitet.

In Ostholstein ist der Landesbetrieb für die Autobahnen, die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zuständig. „Wir betreuen in Ostholstein auch die Kreisstraßen“, sagt Sommerburg und erläutert die Eselsbrücke dazu: „In allen Kreisen, die auf -burg oder -berg enden, verwalten die Kreise ihre Straßen selbst. Alle anderen lassen sie vom Landesbetrieb betreuen.“ Das gilt nicht nur für die Bauunterhaltung, sondern auch für den Winterdienst.

Das hat Vorteile, wie Sommerburg weiter berichtet. „Für die Organisation ist es von Vorteil, wenn alles aus einer Hand kommt. So lassen sich Umläufe optimieren.“ Heißt im Klartext: Alles andere könne sogar zu Leerfahrten führen und zu dem Kuriosum, das nicht flächendeckend geräumt und gestreut wird, sondern nur auf den Straßen, die zum Zuständigkeitsbereich gehören.

In Ostholstein dagegen – der Kreisname endet weder auf -burg noch -berg – liegt alles in der Hand des Landesbetriebs. Material und Personal können laut Sommerburg effektiv eingesetzt werden, was am Ende auch den Autofahrern zugutekomme.

Von den Betriebshöfen in Scharbeutz (A 1, Teile der A 226 und die Straßen um Scharbeutz bis hinauf nach Malente) und Oldenburg aus werden weite Teile Ostholsteins von Eis und Schnee befreit und die Straßen gestreut. Die Einsatzpläne der Fahrer werden schon im Sommer fertiggestellt, so dass „alle Mitarbeiter voll einsatzbereit“ sind, sagt Rönna. Sie weiß, auf welche Witterungsbedingungen sich das Team einstellen muss. „Wenn der Schnee bei uns kommt, dann richtig. Bei Ostwind gibt es heftige Schneeverwehungen. Hier haben wir aber mehr Glätte und Eis“, erklärt sie.

Weitere Autobahnmeistereien, etwa die Segeberger und die Lübecker, betreuen kleinere Gebiete des Kreises mit. Kreisgrenzen und Winterdienstgrenzen sind nicht deckungsgleich. Abgearbeitet wird alles nach „Streu- und Räumplänen, die leben“, berichtet Sommerburg. Sie werden schon mal kurzfristig dem Bedarf angepasst, wie zuletzt beim großen Blitzeis, als die Polizei im Kreis Stormarn sogar die Autobahn sperrte und den Streudienst anforderte. Was aber nicht wirklich hilft. „Wenn der Verkehr zum Erliegen kommt, kommt man nicht mehr dagegen an“, sagt Sommerburg. Bei solch extremen Bedingungen friere die Fahrbahn sofort wieder zu. Oder der Regen spüle das Salz gleich wieder weg. „Überfrierende Nässe ist das tückischste“, sagt Sommerburg. Deshalb ist dem Winterdienst Schnee deutlich lieber als Eisregen oder Glatteis. Der wird weggeräumt, die Fahrbahn gestreut und gut ist es. Doch egal, wie schwierig die Verhältnisse auf den Straßen sind. „Es wird nicht aufgegeben. Wir sind so lange da, bis die Gefahr behoben ist“, betont Carolin Rönna.

Die Fahrer im Winterdienst sind übrigens die wahren Helden der Straße. Wenn sie mit ihren schweren Fahrzeugen unterwegs sind, ist noch nicht gestreut, das Salz lassen sie erst hinter sich. Deshalb fährt Arbeitsgruppenleiter Alexander Peiler aus Scharbeutz mit dem „Streuer“ immer mit Bedacht und vorausschauend. Dabei dürfen 40 Kilometer pro Stunde nicht überschritten werden, meist fährt der 37-Jährige aber sowieso langsamer. Angst habe er keine, eher Respekt. „Man passt sich der Situation an. Man weiß ja,was man macht“, erklärt er.

Fahrsicherheitstrainings machen die Fahrer fit darin, die Fahrzeuge im Griff zu behalten. Da sind aber noch die anderen Autofahrer. „Was wir gar nicht gebrauchen können ist, wenn Autofahrer Slalom durch den Streuverband fahren. Das erleben die Fahrer gar nicht selten“, sagt Sommerburg. Sogar angehupt werden die Streufahrzeuge, wenn es angeblich nicht schnell genug geht oder das Salz den Autolack trifft, bestätigt Rönna. Sommerburgs Tipp: „Das sicherste ist es, hinter dem Streufahrzeug zu fahren, warum wohl ist der Winterdienst unterwegs? Im Zweifel ist es vorne immer glatter.“

 Susanne Peyronnet und Beke Zill

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