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Ostholstein Sierksdorfer erfindet den „Octoball“
Lokales Ostholstein Sierksdorfer erfindet den „Octoball“
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21:16 07.06.2017
Frank Zillich präsentiert sein „Octoball System“ am Strand. Mit seinem System klappt der Köderwechsel sehr schnell. Quelle: Fotos: Rosenkötter, Zillich (hfr)

Die vielen Bleigewichte sind zu schwer, die Schnur wickelt sich um den Haken, Köder werden zerstört. Anglerprobleme wie diese kennt Frank Zillich seit Jahrzehnten. Der Sierksdorfer geht leidenschaftlich gerne auf die Jagd nach Lachs, Dorsch und anderen Fischen. 2011 beginnt er im Keller seiner Eltern zu basteln. Er will das Köderwechseln vereinfachen.

 

Erfolgreich mit dem „Octoball“.

Heute ist das „Aquantic Octoball System“ weltweit erhältlich. Das Bleikopf-Schnellwechselsystem ist die erste Erfindung, die sich Zillich hat patentieren lassen. Immer mehr Läden nehmen das Produkt des Sierksdorfers in ihr Sortiment auf.

Die LN treffen Frank Zillich am Strand von Sierksdorf. Im Wasser schaukeln Fischerboote, an Land trocknen Netze. Zillich hat einen silberfarbenen Koffer dabei. Der Inhalt: Angelhaken, Köder, Berichte über seinen „Octoball“ aus Fachzeitschriften und Dutzende Packungen mit eben seinem System.

Zillich angelt seit seinem achten Lebensjahr. Damals lebte er noch in Hessen. „Ein Opa aus der Nachbarschaft hatte mich an die Lahn mitgenommen.“ Am Nebenfluss des Rheins seien sein Jagdinstinkt und seine Liebe zur Natur geweckt worden. Es folgten zahlreiche Sommerurlaube in Scharbeutz und schließlich vor 20 Jahren der Umzug nach Sierksdorf. Als er in Ostholstein – so erzählt er es – fast jede Angelmöglichkeit kennengelernt hatte, zog es ihn nordwärts. „Norwegen ist für Meeresangler wie der Mount Everest für Bergsteiger. Sie träumen davon, einmal dort zu sein“, sagt Zillich, der unter anderem Touren in die Fjorde anbietet und in der Neustädter Volkshochschule Räucherkurse gibt.

Irgendwann habe er festgestellt, dass es eigentlich kein Angelzubehör gibt, dass ihn nicht irgendwie stört. Die eingangs genannten Schwierigkeiten hätten ihn immer wieder geärgert. „Ich wollte nicht mehr ständig den Köder wechseln. Oft gehen sie kaputt“, erinnert er sich. Anfangs habe er mit Holzkugeln und Ballondraht getüftelt. Dann besorgt er sich Edelstahldraht. „Der ist schwer zu beschaffen.

Aber es geht auch mit Fahrradspeichen. Die sind rostfrei“, sagt Zillich und lacht kurz auf. Dann erzählt er weiter, wie er 2012 seine ersten Prototypen testete. „Es hat nicht geklappt. Der Leidensweg war lang. Alle haben etwas gefangen, ich habe im Boot gebastelt und nichts gefangen“, schildert er im LN-Gespräch die Ereignisse. Irgendwann habe die Biegung des Drahtes gestimmt und sein „Octoball“

funktioniert. „Der Fisch kann den Köder tiefer einsaugen, da er beweglicher ist“, sagt Zillich. Auch würde sich die Angelschnur nicht mehr verhaken. Der Unterschied zum herkömmlichen System sei, dass der Haken nicht fest an der Bleikugel hänge, sondern daran befestigt und wieder gelöst werden könne. Köder müssten somit nur einmal auf einen Haken geschoben werden, was zu einer deutlich längeren Lebensdauer führe. „Bei anderen ist der Haken fest an der Kugel und ohne Umbau kann nicht durch einen Zwilling oder Drilling ersetzt werden“, sagt Zillich. Bei seinem Produkt hingegen gehe der Köderwechsel schnell und einfach. Die im Bleigewicht angebrachte Edelstahldraht-Konstruktion werde von der Einhängeseite in das vorgesehen Loch geschoben, der Haken mit Köder auf der Gegenseite eingehängt und dann zurück geführt. „Dadurch schließt der Drahtbogen auf der Köderseite, das ganze System verriegelt sich von selbst und ist 100 Prozent sicher verschlossen“, heißt es auf der Internetseite des Herstellers. Zudem würden nur noch wenige Bleikugeln mittransportiert werden müssen.

Nun hofft er, dass immer mehr Angler seine Erfindung entdecken. Und vielleicht wird er irgendwann noch weitere Produkte auf den Markt bringen. Ob Räucherhaken oder Bügel für Neoprenanzüge – Zillich hat viel vor.

 Sebastian Rosenkötter

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