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Ostholstein Silvio Vogel – Theaterträume in Hamburg
Lokales Ostholstein Silvio Vogel – Theaterträume in Hamburg
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20:22 02.09.2016

Als junger Schauspieler stand er einst mit Größen wie Heinrich George oder Werner Hinz auf der Bühne. Wenn Silvio Vogel heute in Presen seinen 91. Geburtstag feiert, erinnert daran sein Buch „Ich bin der Letzte“. Es ist, noch fast druckfrisch, in der Edition Forsbach erschienen.

Silvio Vogel (91). Quelle: gjs

Es war ihm eine Herzensangelegenheit, sein Leben aufzuschreiben. Doch dann kam eine schwere Erkrankung dazwischen. Die gedruckten „Träume aus 90 Jahren Leben“ hingen zeitweilig am seidenen Faden.

Vogel hatte der Verlegerin Beate Forsbach aber das Versprechen abgerungen, es auf jeden Fall zu veröffentlichen, notfalls posthum.

„Da kannte ich den Text aber noch gar nicht“, so Forsbach. Aber sie vertraute ihren Eindrücken aus vielen intensiven Gesprächen mit Vogel und dessen Lebensgefährtin Waltraut „Traute“ Fahrenholz. Was für ein Glück – denn dieser Autor, der seit vielen Jahrzehnten auf Fehmarn lebt, hat viel zu erzählen, was kaum ein Insulaner weiß.

„Der Silvio ist da“, jubelten vor 91 Jahren seine Eltern in Stade. „Ich bin der Letzte“, war er das jüngste von fünf Kindern. Und heute ist er „der Letzte“, denn seine Familie ist ausgestorben. Als Nesthäkchen genoss Silvio viele Freiheiten. Und doch holte die raue Wirklichkeit die Familie bald ein. Die große Inflation kam – sein Vater, der ein Ladengeschäft mit großer Reparaturwerkstatt hatte, verlor alles.

Mit dem Umzug nach Hamburg begann eine oft bittere Zeit: „Massenschlägerei und Straßenkämpfe waren an der Tagesordnung.“ Die Nazis kamen auf. Im zarten Alter von fünf Jahren sah der kleine Silvio in der Mönkebergstraße den ersten Toten. Sein Vater, ein Freidenker, erklärte dem kleinen Jungen bald die Welt – aus seiner Sicht.

Früh entdeckte Silvio Vogel sein künstlerisches Talent. Seine Mutter meldete ihn sogar zum Stepptanz an. Bis Silvio einem Regisseur mit eigenem Theaterstudio begegnete. Er schnupperte Theaterluft.

Und tatsächlich: Erst vierzehneinhalb Jahre alt, bestand Silvio Vogel die Aufnahmeprüfung im Deutschen Schauspielhaus. Obwohl er im ersten Anlauf vor dem Intendanten Karl Wüstenhagen eine klassische Szene aus Schillers „Räuber“ unglücklich verstolperte.

Eine aufregende Zeit begann. Dramaturgie, Gesang, Kostüm-Kurier, Säbel- und Florettfechten – und erste Statistenrollen. Als ein Darsteller ausfiel, sprang Silvio kurzfristig ein. Dann kam die Einberufung.

Nach Kriegsende hatte Vogel zunächst das Glück, ans Theater zurückkehren zu können. Mit der Option, Regieassistent zu werden. Doch dann starb plötzlich sein Vater. Silvio Vogel übernahm dessen Betrieb, sein Vertrag mit dem Theater wurde gelöst: „Denn ich war nun Chef einer Firma.“ Ans Theater ist er nicht mehr zurückgekehrt.

Das Buch

Das Buch „Ich bin der Letzte – Träume aus 90 Jahren Leben“ ist in der Edition Forsbach (Fehmarn) erschienen. Es hat 144 Seiten und kostet 12,90 Euro.

Zwei Berlinerinnen haben großen Anteil am Buch. „Denn niemand konnte die Handschrift Vogels lesen“, so Verlegerin Dr. Beate Forsbach. Doch Stefanie Jecawitz und Ulrike Kucharzyk ließen nicht locker, kämpften sich Seite für Seite durch Vogels Manuskript – und transkribierten es vollständig.

Nachgemeldet hat Verlegerin Forsbach das Buch für den Gemeinschaftsstand kleiner und Selbst-Verlage auf der Frankfurter Buchmesse 2016.

Ihr Verlag auf Fehmarn besteht seit fünf Jahren. Unter dem Titel „Neubeginn & Mee(h)r“ ist soeben in der Edition Forsbach eine Jubiläums-Edition mit „Best of“-Texten erschienen.

Gerd-J. Schwennsen

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