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Ostholstein Singverbot im Seniorenheim: Absagen an Eutiner Männergesangverein
Lokales Ostholstein Singverbot im Seniorenheim: Absagen an Eutiner Männergesangverein
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21:57 07.12.2017
Eutin

Die Türen seien ihnen zugeschlagen worden, heißt es vom Chor. Karl-Otto Schuldt, den Vorsitzenden des Gesangvereins, stimmt das traurig. Das nach so vielen Jahren. Seit 31 Jahren ist er Mitglied im Eutiner Männergesangverein. Seit 31 Jahren singen er und die anderen Chormitglieder in der Adventszeit traditionelle Weihnachtslieder im Pflegezentrum „Waldstraße“ vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und im Seniorenzentrum „Am Mühlenberg“ von Pro-Talis.

Doch dieses Jahr vorerst nicht mehr. Das DRK habe dem Chor mitgeteilt, dass der Veranstaltungskalender schon „prall gefüllt“ sei. Und Pro-Talis sehe in der Vielzahl der Veranstaltungen „eine Überforderung der Heimbewohner“.

„Nach unseren Eindrücken aus den letzten Jahren sind die Senioren mit ihren Rollatoren und Rollstühlen mit Freude und voller Erwartung in die Veranstaltungsräume eingerückt“, berichtet Chormitglied Herwart Fethke. Viele Bewohner hätten sich nach den Konzerten persönlich bedankt, mit dem Wunsch, im kommenden Jahr doch wiederzukommen. „Von Überforderung war ihnen nichts anzumerken – im Gegenteil“, sagt der 79-Jährige.

Rührend sei es, wenn der Chor die traditionellen, volkstümlichen Lieder wie „Oh du Fröhliche“ und „Leise rieselt der Schnee“ anstimmt, sagt Schuldt. Dabei bewege sich auch mal die ein oder andere Lippe der Heimbewohner mit. „Viele Lieder singen wir einstimmig, damit die Zuhörer mitmachen können.“ Immer mit dabei: drei Mundharmoniker-Spieler.

Tanja Boller, Einrichtungsleiterin von Pro-Talis, versteht die Empörung der Männer nicht. Erst vor drei Wochen hätte der Verein einen Termin zum Singen vereinbaren wollen. Sie habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet, dass der Gesangverein kommen wolle. Die Herren hätten vergangenes Jahr bereits signalisiert, „etwas schwach auf der Brust“ zu sein.

Ende November sei es dann zu spät gewesen. „Die Heimaufsicht hat festgelegt, dass wir den Veranstaltungskalender vier Wochen im Voraus für unsere Bewohner festlegen müssen“, sagt Boller. Mit dem Singen sei zudem ein großer Aufwand verbunden. Kaffee und Kuchen müssten für alle bereitgestellt werden. Das ginge nicht mal eben so. Für seinen Auftritt bekomme der Verein auch eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro.

Letztes Jahr trat der 20-köpfige Chor dort bei einer Weihnachtsfeier auf – mit allen 95 Heimbewohnern und ihren Angehörigen. „Das war sehr laut und überfordernd“, sagt Boller. Deshalb gebe es dieses Jahr eine neue Regelung: Ein Eutiner Anwohner mit einer Gitarre besucht kleinere Wohngruppen mit je 34 Heimbewohnern. Es sei ein ausdrücklicher Wunsch dieser gewesen. „Das ist besinnlicher.“

Auch für Franziska Schreiber, Einrichtungsleiterin des DRK, kam das Angebot des Gesangvereins zu spät. Sie habe aber schon einen neuen Chorauftritt im kommenden Jahr angeboten. „Wir sind grundsätzlich froh über jeden, der uns unterstützt.“

Immerhin zwei Konzerte gibt der Chor in der Adventszeit: Am Sonntag singt er in der Sana-Klinik und im Sankt Elisabeth Krankenhaus. „Wir wissen, dass uns die Kranken dankbar sind“, sagt Fethke.

 Von Saskia Bücker

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