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Ostholstein Sittenwidrige Bezahlungen: DRK-Fahrdienst in der Kritik
Lokales Ostholstein Sittenwidrige Bezahlungen: DRK-Fahrdienst in der Kritik
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21:50 04.09.2013
5,62 Euro pro Stunde: Das DRK zahlt sittenwidrige Löhne. Quelle: dpa

Zwei freundlich lächelnde junge Männer tragen einen ebenso freundlich lächelnden älteren Herrn auf einem Tragstuhl aus seiner Wohnung. Mit diesem Foto illustriert der Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes die Informationen zum DRK-Fahrdienst auf seiner Homepage. Die Fahrer des Fahrdienstes beim DRK-Kreisverband Ostholstein haben aber offenbar nicht viel Grund zum Lächeln. Zwei von ihnen soll jetzt fristlos gekündigt worden sein, weil sie sich über schlechte Bezahlung und ungerechte Vorwürfe beschwert hatten.

Der Fahrdienst des DRK-Kreisverbandes Ostholstein ist vor einigen Jahren in eine nicht tarifgebundene gGmbH, eine gemeinnützige GmbH, ausgegliedert worden. 335 Euro werden den Fahrern dort gezahlt, für 14,9 Stunden wöchentliche Arbeitszeit. Macht 5,62 Euro Stundenlohn. Ein Fahrer beschwerte sich über diesen Satz, zumal seine Arbeitszeit erst dann beginne, wenn er den ersten Fahrgast aufnehme.

Die Anfahrt leiste er also ohne Bezahlung, ebenso wie weitere Stunden, die zwischendurch anfielen, etwa für Besuche in der Waschstraße oder in der Werkstatt. Damit rutsche der Stundenlohn auf um die fünf Euro und sogar bis unter fünf Euro.

„Das ist natürlich nicht angemessen. Ich würde das Wort ,sittenwidrig‘ dafür verwenden wollen“, sagt dazu Michelle Hardege, Ver.di-Gewerkschaftssekretärin für Lübeck/Ostholstein. Löhne, die mindestens ein Drittel unter dem in der Branche üblichen Löhnen liegen, gelten als sittenwidrig. Elf bis zwölf Euro pro Stunde seien im Transportgewerbe üblich, sagt Hardege, auch für Speditionen und Fahrdienste liege der Lohn deutlich über dem Mindestlohn. Ver.di fordert einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Martin Broziat, Geschäftsführer der DRK-Kreisverbandes Ostholstein, will erst auf einer Pressekonferenz am morgigen Freitag auf die Vorwürfe gegen den DRK-Fahrdienst eingehen. „Dort werden wir Stellung nehmen, da muss vieles richtiggestellt werden“, kündigt er an. Deshalb wolle er nicht vorab auf Einzelheiten eingehen. Broziat definierte aber als Ziel des Fahrdienstes, dass Menschen mit Behinderungen befördert werden, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die Fahrer seien nebenamtlich Beschäftigte, die sich mit einem Minijob etwas dazuverdienten.

Eine Äußerung, die Gewerkschafterin Hardege als „Unverschämtheit“ bezeichnet. „Dass sich die Leute etwas dazuverdienen, geht das DRK nichts an. Und dass auch Zuverdiener Anspruch auf eine richtige Bezahlung haben, ist doch klar.“

Angebot für Menschen mit Behinderung
Der Fahrdienst des DRK bringt Menschen mit vorübergehender oder dauerhafter Behinderung mit Spezialfahrzeugen für den Rollstuhltransport zur Arbeit, zu Arztbesuchen oder zu Freunden. Die Fahrer sind speziell ausgebildet.
Die Kosten für den Transport mit dem DRK-Fahrdienst übernimmt in bestimmten Fällen für eine begrenzte Anzahl von Fahrten die Krankenkasse. Außerhalb dieser Leistung müssen die Fahrgäste selbst zahlen, dabei wird per Kilometer abgerechnet.

Susanne Peyronnet

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