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Ostholstein Skandal oder Stimmungsmache? Kreisbehörde am Pranger
Lokales Ostholstein Skandal oder Stimmungsmache? Kreisbehörde am Pranger
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19:43 20.01.2017
Der von Peta angeprangerte angebliche Tierschutzfall von Timmendorfer Strand wurde im April 2016 von vielen Medien aufgegriffen. Quelle: Martina Janke-Hansen
Eutin

Der Fall sorgte im April 2016 für Aufsehen: Der TV-Sender „Vox“ berichtete über angebliche Tierquälerei in Timmendorfer Strand. Eine Frau halte dort unter katastrophalen Bedingungen Kaninchen, Enten, Ziegen und Pferde, aber der Amtsveterinär des Kreises Ostholstein bleibe angesichts dieses „Animal Hoarding“, einem krankhaften Sammeln von Tieren, untätig. Basis für den Beitrag waren Informationen der Tierschutzorganisation Peta Deutschland. Der Kreis sowie das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Kiel als Fachaufsicht wiesen die Vorwürfe damals entschieden zurück.

Tierschützer küren Ostholsteins Amtsveterinär zum Top-Versager des Jahres.

Jetzt stellt die Organisation den Kreis erneut an den Pranger. Sie hat das Kreisveterinäramt Ostholstein zum tierfeindlichsten Veterinäramt Deutschlands gekürt. Auf einer Liste der fünf besten und fünf schlechtesten Ämter rangiert die in Eutin ansässige Behörde bei den Flops auf Rang eins. Erläutert wird das Auswahlverfahren nicht. Verwiesen wird darauf, dass die Zustände in Timmendorfer Strand seit 2011 bekannt gewesen seien. „Die Tiere werden weder ausreichend gepflegt noch versorgt und fristen unter unhygienischen Bedingungen ihr Dasein – in kleinen Käfigen voller Exkremente.“

Obwohl das Veterinäramt alarmiert worden sei, sei nichts passiert. Dabei hätten Augenzeugen bestätigt, dass sich die Verhältnisse Anfang 2016 weiter verschlechtert hätten. Peta habe deshalb Strafanzeige gegen die Tierhalterin und die untätigen Veterinäre gestellt. „Eines der Grundprobleme ist, dass es keine neutrale Aufsichtsbehörde gibt, die schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und zurechtweist“, moniert Peta.

Der Kreis wollte sich zu der Negativ-Auszeichnung nicht äußern. Vor neun Monaten hieß es, die damals im Fernsehen gezeigten Bilder entsprächen „in keiner Weise den aktuellen örtlichen Gegebenheiten“.

Die Amtstierärzte hätten die Missstände vielmehr bereits im November und Dezember 2015 dokumentiert und Abstellung veranlasst. Bei anschließenden mehrfachen Kontrollen seien dann keine „tierschutzrelevanten Mängel“ mehr festgestellt worden. Darauf verwies jetzt auch noch einmal das Ministerium in Kiel. „Uns sind die Kriterien für dieses Ranking nicht klar. Zum konkreten Sachverhalt haben wir bereits im Frühjahr 2016 deutlich gemacht, dass die Vorwürfe nicht zutreffen“, sagte Sprecherin Nicola Kabel auf Anfrage.

Peta streitet nach eigenen Angaben für „eine Welt ohne Tiernutzung, ohne Tierquälerei und ohne Tiermissbrauch“. Tiere seien nicht dazu da, dass der Mensch sie isst, mit ihnen experimentiert, sie misshandelt oder von sich von ihnen unterhalten lässt, heißt es auf der Internet-Seite.

Der in der CDU-Landtagsfraktion für den Tierschutz zuständige Heiner Rickers hält die Organisation für „ein bisschen radikal“. Sie habe sich ideologischen Zielen verschrieben, das mache es schwer, mit ihr „auf Augenhöhe zu argumentieren“. Stimmungsmache gehöre bei Peta dazu, auch um sich zu finanzieren. Sandra Redmann (SPD) billigt Peta grundsätzlich eine für den Tierschutz wichtige Funktion zu. Die Organisation sei weit verbreitet, gut vernetzt und mache eine offensive Öffentlichkeitsarbeit. „Die Methoden will ich nicht bewerten“, fügt die SPD-Politikerin hinzu. Auf Landesebene gebe es keine Zusammenarbeit, „da arbeiten wir gern mit dem Tierschutzverein zusammen“.

So hält es auch das Umweltministerium. Um Stellungnahmen würden in der Regel die Landesverbände gebeten, also Peta nicht, erläutert Kabel. Für das Verbandsklagerecht sei bislang nur „Pro Vieh“

anerkannt. Weitere Anträge lägen vor, aber nicht von Peta.

 Arnold Petersen

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