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Ostholstein So will Ostholstein dem Klima helfen
Lokales Ostholstein So will Ostholstein dem Klima helfen
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10:09 16.03.2016
In Ostholstein soll die Produktion von Ökostrom bis 2030 verdoppelt werden. Quelle: Fotolia

Landrat Reinhard Sager (CDU) wird womöglich bald seinen PS-starken Audi-Dienstwagen mit konventionellem Antrieb umtauschen müssen. Denn der Kreis Ostholstein will Modellregion für klimafreundliche Mobilität werden. Und dabei soll die Verwaltung mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Fuhrpark weitgehend auf Elektrofahrzeuge umstellen. Damit sind nicht nur Autos, sondern auch E-Bikes gemeint.

 

Mit zwei Ausnahmen stimmten alle Abgeordneten zu. Außerdem gab es drei Enthaltungen. Quelle: pet

Das ist nur eine von 51 Maßnahmen im gestern vom Kreistag beschlossenen Klimaschutzkonzept für Ostholstein. Dagegen stimmte nur die neue Ufoh-Fraktion aus dem früheren FWG-Vertreter Martin Kienitz und der für die Linke in den Kreistag gewählten Sylvia Zanella-Foritto de Belmar. Kienitz begründete das Nein damit, dass die klimaschädlichen Folgen der Beltquerung ausblendet blieben. Sager hielt dem entgegen, dass sich der Kreis auf die Felder konzentriere, die er selbst beeinflussen könne. Die FWG-Vertreter enthielten sich der Stimme. Die Zeit, um die Endfassung des Konzepts durchzusehen, sei zu kurz gewesen.

Das 222 Seiten dicke Maßnahmenpaket war im vergangenen Jahr erarbeitet worden. Mit ihm will der Kreis seinen Beitrag zu den Klimaschutzzielen von Bund und Land leisten. Die eigenen Vorgaben dienten „gleichermaßen zur Motivation, Orientierung und Selbstverpflichtung“, heißt es in der nun vorliegenden Klimaschutz-Fibel.

Helfen gegen die Erderwärmung soll eine Mischung aus Energiesparen, höherer Effizienz und mehr erneuerbaren Energien. Ostholstein steckt sich das Ziel, bis 2030 die CO2

-Emissionen um 30 Prozent und bis 2050 um 85 Prozent zu drosseln. Die Produktion von grünem Strom soll verdoppelt (bis 2030) und verdreifacht (bis 2050) werden, vor allem durch Windrotoren. Auch das Heizen soll umweltfreundlicher werden — weg von Öl und Gas hin zu Wärmenetzen, Wärmepumpen oder Biomasse. Statt heute sieben sollen zur Mitte des Jahrhunderts 30 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Bis dahin, so ein weiteres Ziel, soll auch der gesamte Gebäudebestand einmal energetisch durchsaniert sein — und zwar bezogen auf 2015.

Im Verkehrsbereich geht das Konzept, das auf Basis von Workshops mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, Verbänden und Bürgern von einer Consulting-Gesellschaft erstellt wurde, davon aus, dass 2030 kreisweit eine „gute Infrastruktur für die Nutzung von E-Mobilität vorhanden ist“. Elektroautos, von denen es heute verschwindend wenige gibt, sollen bis dahin „fester Bestandteil des Straßenbildes werden“.

Damit es so kommt, soll die Kreisverwaltung kräftig Werbung machen für das Umsteigen auf E-Autos. Als kurzfristige Maßnahme und damit innerhalb eines Jahres zu verwirklichen, gilt die Umstellung der eigenen Fahrzeugflotte auf Stromer. Dazu zählt auch die Installation einer Ladesäule am Kreisgebäude, nutzbar für Verwaltung und Bürger gleichermaßen. Damit nicht genug: Angeregt wird ebenso, elektrisch betriebene Dienstwagen und Dienstfahrräder zur Verfügung zu stellen, damit Kreis-Mitarbeiter klimaschonend unterwegs sind. Mehr Pendlerparkplätze und ein erneuter Versuch, ein Car-Sharingsystem in Ostholstein aufzubauen, sind weitere als mittelfristig klassifizierte Vorhaben. Kurzfristig sollen das Radwegenetz aufgemöbelt oder etwa das Angebot von Anrufbussen erweitert werden.

Auch Privathaushalte will der Kreis animieren, mehr für das Klima zu tun: durch Informationskampagnen, Verlosungen und Wettbewerbe wie „Wer hat den ältesten Kühlschrank im Haus?“ Im Tourismus will Ostholstein mit dem Pfund „klimafreundliche Urlaubsregion“ wuchern und so Gäste anlocken. Die Ostsee Card, so ein Vorschlag, sollte mittelfristig um kostenlosen ÖPNV erweitert werden.

Zur Finanzierung wird vor allem auf Fördertöpfe von Bund und Land verwiesen, zudem hofft man auf Sponsoren. Der Kreis selbst will kurzfristig einen Klimaschutzmanager einstellen, damit es mit dem ehrgeizigen Konzept klappt. Die Stelle wird auf fünf Jahres befristet, danach ist Größeres geplant. Der Klimamanager soll „Keimzelle“ für eine „zentrale Einheit für Klimaschutz im Kreis Ostholstein“

sein. Langfristig wird an eine dauerhafte Stabsstelle oder eine „Klimaschutzagentur OH“ gedacht.

Von Arnold Petersen

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