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Soldaten: Den eigenen Tod immer vor Augen

Eutin Soldaten: Den eigenen Tod immer vor Augen

Mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr hat der Volkstrauertag eine neue Bedeutung gewonnen – Oberstleutnant Claus Slembeck über Gedenken und Gedanken.

Eutin. Der Tod ist für Claus Slembeck Teil seines Lebens. Gerade heute, am Volkstrauertag, ist der Gedanke an das Sterben ganz nahe. Claus Slembeck ist Soldat. Für ihn gehört das Gedenken an Gefallene, aber auch das Wissen, dass er selbst getötet werden oder auch töten könnte, zum Berufsbild.

 

LN-Bild

Claus Slembeck steht vor dem Ehrenhain auf dem Gelände der Rettbergkaserne.

Quelle: Peyronnet

Teilnahme am Gedenken

Soldaten aus Eutin sind bei den Gedenkfeiern zum Volkstrauertag in vielen Orten dabei: Bataillonskommandeur Oberstleutnant Alexander Radü in Eutin (12 Uhr, Oldenburger Landstraße), Claus Slembeck in Bad Schwartau, die Kompaniechefs in Schönwalde, Bujendorf, Ratekau und Lensahn.

Bis Ende kommender Woche sammeln Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ noch für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Oberstleutnant Claus Slembeck, 44 Jahre alt, stellvertretender Kommandeur des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ in der Eutiner Rettbergkaserne, war bisher vier Mal im Auslandseinsatz: in Afghanistan, in Bosnien, im Kosovo und gerade erst in Mali. „Man macht sich Gedanken. Ist mein Haus bestellt? Ist alles geregelt?“ So beschreibt er, was den Ehemann und Vater vor jedem Einsatz beschäftigt. Vor der Abreise macht jeder Soldat sein Testament. Die Checkliste für Soldaten im Auslandseinsatz enthält weitere Vorsorgemöglichkeiten: Hinterbliebenenversorgung, Risikolebensversicherung, Patientenverfügung, Vollmachten, Abschiedsbrief an die Familie.

Mit dem Volkstrauertag und den Wochen davor sind für die Soldaten zwei Dinge verbunden, die zusammengehören. Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und die Sammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Beides geht die Männer und Frauen in Uniform unmittelbar etwas an.

Kriegsgräberfürsorge – damit ist für die meisten die Pflege von riesigen Friedhöfen in Frankreich, in Russland oder sonst wo auf der Welt verbunden, abseits der Heimat. „Ich würde nicht in Afrika begraben werden wollen“, sagt Slembeck, dessen jüngster Auslandseinsatz ihn nach Mali führte. Es müsse einen Ort geben, an dem man sich treffen und trauern kann. „Das kann man nicht, wenn einer in Afghanistan oder in Afrika in der Wüste liegt.“

Noch näher als die Furcht vor einem fernen Grab liegt den Soldaten der Gedanke an den eigenen Tod. „Jeder muss sich selbst damit auseinandersetzen, mit dem Sterben und mit dem Töten, das darf nicht außen vor gelassen werden“, sagt der Oberstleutnant. „Sonst würden wir uns an uns selbst versündigen.“ Denn: „Sterben und trauern muss jeder alleine.“ Dabei helfe auch eine noch so große Organisation wie die Bundeswehr nicht. Von der Gesellschaft wünscht sich Slembeck, dass diese Lebensgefahr für die Soldaten, aber auch für Feuerwehrleute und Polizisten gesehen und gewürdigt wird. „In letzter Konsequenz setzen sie ihr Leben für die Gesellschaft ein. Wir wollen nur die Akzeptanz für das, was wir hier tun.“

Der Oberstleutnant beklagt in diesem Zusammenhang, dass die Bundeswehr immer weniger im öffentlichen Leben sichtbar, in vielen Orten fast ganz aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sei. An den schwierigen und lebensgefährlichen Auftrag der Männer und Frauen erinnere nur der Volkstrauertag, der seit Beginn der Auslandseinsätze eine ganz neue, unmittelbarere Bedeutung gewonnen habe.

„Schon Hunderttausende sind im Ausland gewesen und haben dort Dienst für die Gesellschaft getan. Das ist hier nicht so bewusst.“ Zusätzlich zum Volkstrauertag wünscht sich Slembeck deshalb ein weit verbreitetes äußeres Zeichen der Anteilnahme, wie in England. Dort tragen sehr viele Menschen um den Kriegstotengedenktag (Remembrance Day) herum eine „Remembrance Poppy“, eine rote Mohnblume aus Papier am Revers. Sie erinnert einerseits an die Mohnblumen, die schon bald nach dem großen Massensterben im Ersten Weltkrieg auf den Schlachtfeldern Flanderns blühten. Ihre rote Farbe symbolisiert zum anderen das vergossene Blut.

Susanne Peyronnet

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