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Ostholstein Sorge um 40-Millionen-Euro-Projekt
Lokales Ostholstein Sorge um 40-Millionen-Euro-Projekt
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21:10 14.06.2017
So sieht ein möglicher Übersichtsplan der Bebauung auf der Nordkoppel aus. Quelle: Foto: Hfr

Droht das 40-Millionen-Euro-Projekt auf der Nordkoppel in Kellenhusen zu kippen? Bürgermeister Carsten Nebel (CDU) bereitet der mögliche Ausgang der Abstimmung in der heutigen Sitzung der Gemeindevertretung im Kursaal (19.30 Uhr) große Sorge.

Wie berichtet soll auf der Nordkoppel ein Aparthotel (mit 120 bis 140 Betten) sowie eine Ferienhaussiedlung mit weiteren circa 500 Betten entstehen – dazu ein Restaurant oder/und Bistro in Strandnähe. Die Gespräche seien laut Nebel weit fortgeschritten. Es stünden zwei Investoren und Betreiber zur engeren Wahl.

„Ich weiß, dass die Opposition in der Gemeinde Stimmung gegen das Projekt macht“, erklärt Nebel. Das Problem für die Projektbefürworter: Die CDU verliert in der Abstimmung ihre Mehrheit am Tisch, da gleich drei Christdemokraten (darunter auch Nebel selbst) sich für befangen erklären müssen. Hinzu kommt Nicole Kohlert von den Freien Wählern. Aus elf werden somit sieben Gemeindevertreter – zwei Christdemokraten, zwei Freie Wähler, zwei Sozialdemokraten und ein parteiloser Gemeindevertreter.

Während bei der Abstimmung zum Vorkaufsrecht der Nordkoppel laut Nebel eine Mehrheit absehbar sei, könne es beim Beschluss für das Hotel nebst Ferienhaussiedlung „eng werden“. Daher appelliert Nebel an seine politischen Mitstreiter: „Die Zahlen belegen eindeutig, dass wir etwas tun müssen.“ Kellenhusen habe im Vergleich zu den Nachbargemeinden rückläufige Zahlen. „Wir haben seit 2005 mehr als 1000 Betten verloren. Dem müssen wir entgegen wirken.“ Laut Expertise von Tourismus-Entwickler „Project M“ entspreche dies einem Bettenschwund von 24 Prozent.

Der neue Geschäftsführer der Tourismus-GmbH, Thorsten Brandt, erläutert: „Die potenziellen Nordkoppel-Betreiber wollen ihre Urlauber das neue geplante Gästezentrum nutzen lassen. Das sind für uns garantierte jährlichen Einnahmen in Höhe von 300000 Euro.“ Hinzu käme die Kurabgabe der Nordkoppel-Gäste – nochmals 300000 Euro. Gegenwärtig mache das alte Kurzentrum ein Minus von 600000 Euro pro Jahr. Nebel betont: „ Das dürfen wir uns nicht kaputt machen.“ Das sehen die Freien Wähler anders. Die stellvertretende Bürgermeisterin Nicole Kohlert erklärt: „Uns stellen sich noch viele Fragen zu dem Projekt. Wie zu den Erschließungskosten.“ Außerdem würden die Freien Wähler dem Aparthotel ein Vollhotel vorziehen. Kohlert: „Außerdem entstehen derzeit ohnehin schon 450 neue Betten. Wir haben andere dringliche Probleme wie etwa den Strand.“

Nebel unterlegt seine Ausführungen mit den Zahlen, die er dem Infrastruktur-Entwicklungskonzept des Ostseeferienlandes, dem Kellenhusen angehört, entnimmt. Seit 2005 seien die Übernachtungen um 4,5 Prozent zurückgegangen. Grömitz habe im gleichen Zeitraum 31 Prozent zugelegt. Kellenhusen sei bei fast allen touristischen Parametern Schlusslicht.

Negative Botschaften gibt es auch beim Problemkind Waldstraße. Die Gemeinde hatte gegen das Bauunternehmen geklagt – und nun vor dem Landgericht in Lübeck, wie Nebel sagt, „krachend verloren“. Im nicht-öffentlichen Teil der heutigen Sitzung soll beraten werden, wie die Gemeinde damit umgeht.

 Peter Mantik

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