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Ostholstein Sorge um Tagestouristen
Lokales Ostholstein Sorge um Tagestouristen
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15:01 25.10.2018
Veranstaltungen wie das Baltic-Colour-Festival in Timmendorfer Strand, organisiert von Schülern des Ostseegymnasiums, locken Tagesgäste in die Ostsee-Orte. Quelle: Martina Janke-Hansen
Ostholstein

Die Nachricht kommt vom Marktforschungsinstitut „dwif“, dort wird das Sparkassen-Tourismusbarometer erarbeitet. Die Anzahl der Tagesbesucher in Schleswig-Holstein stagnierte in den Jahren 2015 und 2016 und sei in Teilgebieten sogar rückläufig, hatte Hans-Ingo Gerwanski, Tourismusexperte der Sparkasse Holstein, mitgeteilt. Marktforscher Karsten Heinsohn vom „dwif“ ist Spezialist für die Zahlen. Er präzisiert, dass es 2015 in Schleswig-Holstein 108,8 Millionen Tagesgäste gab, 2016 waren es 110,0 Millionen. Regionale Zahlen für Ostholstein gibt es nicht, aber die Trends lassen sich laut Heinsohn auf den Kreis übertragen.

Der Tagesgast ist nicht ganz leicht zu zählen. Die Übernachtungen werden registriert, bei den Tagesgästen ermöglichen zwei Messgrößen, annähernde Zahlen zu liefern: Parkgebühren und Strandbenutzungsgebühren, im Bereich der Tourismusagentur Lübecker Bucht (TALB mit Neustadt, Haffkrug, Scharbeutz) per Ostseecard. „Wer in einen Küstenort fährt, geht auch an den Strand“, sagt Doris Wilmer-Huperz, Referentin für PR und Kommunikation bei der TALB. „Zu den Tagesgästen gibt es leider keine genauen Messwerte. Wir beziehen uns hier lediglich auf Schätzungen und Erfahrungswerte“, teilt Kim Sophie Böckmann mit, beim Tourismus-Service Fehmarn zuständig für Marketing und PR.

Die Kitesurfer locken regelmäßig Ausflügler und Wassersportler auf die Insel Fehmarn. Quelle: Gerd J. Schwennsen

Dabei gehe Fehmarn von maximal 40 000 Tagesbesuchern pro Tag aus. Hinzu kämen maximal 30 000 Urlauber und 12 500 Einwohner. Dass es in der Hauptsaison, bei tollem Wetter am Wochenende, vor allem in der Kombination mit Veranstaltungen in den Ostsee-Orten rappelvoll sei, ist laut Wilmer-Huperz offensichtlich. „Dann sind die Orte voll.“ Das Wetter sei für Tagesgäste das entscheidende Kriterium. Ermittelt werde es von vielen per Webcam. Das sei die am besten besuchte Webseite der gesamten TALB-Homepage. Die TALB hat Webcams in Scharbeutz, Haffkrug, Neustadt, Pelzerhaken und im Hansa-Park (zurzeit offline wegen des Saisonendes).

Heiß ist nicht nur gut

Wobei das mit dem Wetter so eine Sache ist, sagt Heinsohn. „Ein Sommer wie in diesem Jahr muss nicht ausschließlich positiv sein“, sagt der Marktforscher. Manchem sei es vielleicht zu heiß gewesen, shoppen zu gehen, Fahrrad zu fahren. Verregnete Sommer wie der von 2017 führten nicht zu weniger Tagesausflügen, sondern verschiebe lediglich die Aktivitätsmuster: weg vom Strand, rein ins Spaßbad. Indoor punktet. So meldet Heinsohn für 2017 einen deutlichen Anstieg der Tagesgäste auf 145 Millionen.

Die Ostseebäder versuchen unterdessen, durch Veranstaltungen noch mehr Besucher anzulocken. „Wir sind angehalten, Anlässe zu schaffen, die Tagesgäste anziehen“, sagt Wilmer-Huperz. Böckmann berichtet für Fehmarn: „Wir werben mit abwechslungsreichen Veranstaltungen, mit Plakaten sowie durch gezieltes Onlinemarketing um Tagestouristen.“ Die Bedeutung der Tagestouristen definiert Katja Lauritzen, Geschäftsführerin vom Ostsee-Holstein-Tourismus: „Die Tagestouristen sind für die Küste wie das Binnenland bedeutend. Die Einnahmen an der Küste schließen neben dem Shopping, Gastronomie und Freizeitangebot aber auch die Strandkurabgabe und die Parkplatzgebühren ein. Insofern ist der Tagestourismus wichtig, unterliegt an der Küste aber auch stärker der Witterung, die schwer beeinflussbar ist.“

Marktforscher Heinsohn hat noch eine gute Nachricht für die Touristiker: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Ausflugszahlen sinken. Gerade die Städter treibt es raus.“ Sollte es allerdings eine Rezession geben, könnte sich das ändern. „Die Leute sparen eher an einem Ausflug als am Jahresurlaub.“

Susanne Peyronnet

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