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Sorge um die Barock-Bäume

Eutin Sorge um die Barock-Bäume

Bald 300 Jahre alt sind die Ross-Kastanien im Eutiner Schlossgarten. Die Miniermotte macht sie anfällig auch für andere Krankheitserreger.

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Die befallenen Bäume haben deutlich kleinere Früchte als gesunde Exemplare.

Eutin. Die Ross-Kastanien im Eutiner Schlossgarten sehen bemitleidenswert aus. Hoch in den Kronen noch grün, werden ihre Blätter nach unten hin immer bräunlicher und schrumpeliger. Den in der Barockzeit gepflanzten Bäumen, rund 280 Jahre alt, hat die Miniermotte zugesetzt.

LN-Bild

Bald 300 Jahre alt sind die Ross-Kastanien im Eutiner Schlossgarten. Die Miniermotte macht sie anfällig auch für andere Krankheitserreger.

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Der regenreiche Sommer hat die Entwicklung des Schädlings begünstigt. Dadurch sehen die Ross-Kastanien in diesem Sommer besonders angegriffen aus – befallen sind sie schon länger, wie nahezu alle Ross-Kastanien im Land. Die Miniermotte frisst an ihren Blättern, die sich braun färben und welken. Durch die reduzierte Blattfläche kann der Baum bei der Photosynthese nicht mehr ausreichend Kohlenhydrate bilden. Mit der Zeit führt das zu einer dauerhaften Unterernährung.

„Die Ross-Kastanien sind prägend für den Eutiner Schlossgarten“, sagt Gartendenkmalpflegerin Dr. Margita Meyer vom Landesdenkmalamt. „In der Zeit des Barock waren sie etwas ganz Besonderes. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden ebenfalls viele Ross-Kastanien gepflanzt. Damals war es ein sehr beliebter Baum, es wurden viele Kastanien-Alleen angelegt.“ Um diese sorgt sie sich ebenso wie um die 200 weiß

blühenden Ross-Kastanien im Eutiner Schlossgarten.

„Von den Schäden durch die Motte allein ist noch kein Baum zugrunde gegangen. Aber ist er von ihr befallen, ist der Baum anfälliger für andere Krankheiten“, erklärt Brigitta Herrmann, Vorstand der Stiftung Schloss Eutin und versichert: „Wir haben die Kastanien im Blick und arbeiten eng mit dem Baubetriebshof der Stadt zusammen.“ Dessen Mitarbeiter sammeln die abgefallenen Blätter der Ross-Kastanien ein, in denen die Eier überwintern. Das Laub wird auf dem Baubetriebshof professionell kompostiert, das heißt in einer Anlage, die Temperaturen bis zu 80 Grad erreicht und die Miniermotten abtötet.

Je brauner eine Kastanie, desto schlimmer hat ihr der Schädling bereits zugesetzt. Mit der Motte kommen vermehrt Pilze und Bakterien. Den „Todespilz“ nennt Margita Meyer den Samtfußrübling. „Wenn er im Februar erscheint, wird der Baum in der Vegetationsperiode sterben“, sagt sie. Einige Ross-Kastanien sind in Eutin schon sein Opfer geworden. „Im vergangenen Jahr musste am Kreisel an der Oldenburger Landstraße eine Kastanie gefällt werden“, sagt Jens Rehfeld, Leiter des Baubetriebshofs. Am Dr.-Evers-Gang musste im Oktober 2015 eine mehr als 30 Meter hohe Ross-Kastanie abgenommen werden, im April 2016 eine weitere im Schlossgarten in Höhe der Kreisverwaltung. Jens Rehfeld ist froh, dass der Samtfußrübling sich im Schlossgarten noch nicht weiter verbreitet hat.

Wie Margita Meyer berichtet, existieren derzeit keine probaten Mittel gegen die genannten Schädlinge. „Wir warten auf neue Forschungsergebnisse.“ Man wolle das genetische Potenzial erhalten, allerdings gebe es keinen Baum ohne Symptome, der für eine Aufzucht in einer Baumschule geeignet ist. „Auch Nachpflanzungen machen keinen Sinn, weil es keine resistenten Bäume gibt“, sagt die Expertin. Dennoch ist ein Ross-Kastanien-Sämling im Schlossgarten in die Nähe des Eingangs am Jungfernstieg gesetzt worden – ein zaghafter Versuch. „Bei Altbäumen besteht die leise Hoffnung, dass sie vielleicht doch Resistenzen aufbauen“, sagt Margita Meyer. Generell fürchtet sie jedoch, dass Ross-Kastanien im Land aussterben könnten, „ähnlich wie vor 100 Jahren, als die Ulmen zugrunde gingen“.

ben

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