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Ostholstein Sorge um die Schiffssicherheit im Belt
Lokales Ostholstein Sorge um die Schiffssicherheit im Belt
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21:49 27.03.2018
Eine Scandlines-Fähre quert den Fehmarnbelt. Der Nautische Verein sorgt sich hier um die Sicherheit während des Tunnelbaus. Quelle: Fotos: Schwennsen (2), *roeßler
Fehmarn

Ein skandinavisches Büfett und der Auftritt des Lotsengesangsvereines „Knurrhahn“ sorgten für den passenden maritimen Rahmen an Bord des Fährschiffes „Deutschland“. Alles eitel Sonnenschein am Belt?

Gastgeber Johannes Wasmuth (r.) mit Festredner Dr. Martin Kröger (Verband Deutscher Reeder).
„Fest vorge- sehen ist eine Echtzeit- simulation der Baustelle.Bernd Buchholz (FDP) Verkehrsminister

Verkehr im Belt

Jährlich etwa 60 000 Schiffe fahren in beiden Richtungen durch den Belt – Tendenz steigend. Dazu kommen über 37000 Schiffsquerungen vor allem durch Fährverkehr auf der Vogelfluglinie, so das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck.

Im Gegenteil: Beim traditionellen Nautischen Essen kamen die großen Sorgen deutlich zur Sprache. Vertreter der Stadt Fehmarn fehlten allerdings.

Aushub für Tunnelgraben auf Hauptschifffahrtslinie

Wasmuth skizzierte das beängstigende Szenario. Der Aushub für den Tunnelgraben zwischen Puttgarden und Rødby werde mit Tausenden Schleppverbänden nach Lolland transportiert und dort verklappt. Doch diese Verbände querten jahrelang auf jeder Tour die Hauptschifffahrtslinie durch den Fehmarnbelt: die Tankerroute in die baltischen Länder, den Kiel- Ostsee-Weg oder auch die Fährroute der Vogelfluglinie. „Aufgrund ihrer Vorfahrtsberechtigung provozieren diese Transporte Ausweichsituationen von bis dato in diesem Seegebiet nicht gekanntem Ausmaß“, warnte Wasmuth. Gleichzeitig unterliege der Schifffahrtsweg einer ständigen Veränderung: Er werde dort gesperrt, wo gebaggert oder Tunnel-Elemente verlegt werden.

Der Deutsche Nautische Verein, der 2018 sein 150-jähriges Jubiläum feiert, fordert laut Geschäftsführer Nicolai Woelki eine „Real Time Simulation“ (Echtzeitsimulation). Dadurch sollen Mindestanforderungen für die Manövrie der Baufahrzeuge sowie Empfehlungen für die Fahrtrassen erkannt und festgelegt werden. Wichtig seien zudem Mindeststandards für die Besetzung der Baufahrzeuge.

Femern A/S will zwei

Wachschiffe bauen

Für Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz (FDP) erfordert der Tunnelbau besondere Sicherheitsvorkehrungen: „Eine Echtzeitsimulation der Baustellensituation ist fest vorgesehen und wird noch kommen.“ Aus Landessicht seien die Belange der Schiffssicherheit „hinreichend“ durch die Schifffahrtsbehörden berücksichtigt worden.

Femern A/S will zwei Wachschiffe mit vier bis sechs Mann Besatzung bauen, um mit Radar, Horn und kräftigen Scheinwerfern die Sicherheit auf See rund um die Uhr zu gewährleisten. Dazu kommen ein spezielles Überwachungssystem für die gewerbliche Schifffahrt und die Koordination mit der Seeverkehrszentrale in Travemünde.

Beim Transport der insgesamt 89 Tunnelelemente würden bis zu vier Schlepper benötigt. Es dauere bis zu drei Tage, um ein Tunnelelement präzise und sicher im Graben abzusenken. Der jeweilige Arbeitsbereich auf See soll mit Bojen markiert werden, die auf dem Radar der Schiffe auftauchen. Scandlines werde zudem laufend über aktuelle Bauarbeiten informiert werden. Projektleiter Claus Iversen betont: „Die Sicherheit auf See hat höchste Priorität.“

Scandlines verlangt faire Bedingungen

Eine klare Botschaft hatte Marko Möller, Scandlines-Manager für Special Projects, im Gepäck. Natürlich trotze die Reederei der Tunnelkonkurrenz und werde weiterfahren. Dass sich der ursprünglich im Sommer erwartete Planfeststellungsbeschluss auf Ende 2018 verschiebe, gäbe der Reederei ein halbes Jahr mehr Zeit, für faire Bedingungen zu kämpfen.

Sorgen bereitet Johannes Wasmuth unterdessen die Zukunftsfähigkeit des Schifffahrtsstandortes Deutschland. Ohne Chance auf Festanstellung an Bord für Nachwuchsnautiker drohe „unser maritimes Wissen verloren zu gehen“. Festredner Dr. Martin Kröger, Geschäftsführer im Verband Deutscher Reeder (VDR), hielt dagegen: Dank jährlich über 20 Millionen Euro Förderung durch die VDR-Stiftung sei es gelungen, die Zahl der Berufseinsteiger in der klassischen Ausbildung der Seeschifffahrt sogar auf den höchsten Stand seit 2011 zu steigern. gjs

Gerd-J. Schwennsen

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