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Ostholstein Sozialarbeit an Schulen wird massiv ausgebaut
Lokales Ostholstein Sozialarbeit an Schulen wird massiv ausgebaut
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18:17 28.12.2015

Mathe, Deutsch, Englisch — Lehrer unterrichten, Schüler lernen und am Ende gibt es einen Abschluss. Klingt einfach, ist es aber nicht. Notendruck, Konflikte unter Klassenkameraden und im Elternhaus, Cybermobbing, Forderungen nach verstärkter Inklusion und die Integration von Flüchtlingskindern sind nur einige der Faktoren, die an Ostholsteiner Schulen für Unruhe sorgen können. Da verwundert es nicht, dass an mehreren Bildungseinrichtungen die Schulsozialarbeit massiv aufgestockt wird. So auch in Neustadt. Erst vor wenigen Tagen verabschiedete die Stadtverordnetenversammlung den Haushalt 2016. Darin enthalten ist eine Anhebung der Schulsozialarbeit am Küstengymnasium von 20 auf 39 Wochenstunden. An der Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule geht es von 38 auf 63 Stunden hoch.

Dass die Kräfte benötigt werden, verdeutlicht Schulsozialarbeiter Marco Gregorius. Er ist an allen Neustädter Schulen aktiv und wie er sagt „mehr als ausgelastet“. Aus Zeitgründen könne er sich nicht jedem Problem annehmen und Eltern, die ein Gespräch wünschten, kämen schon mal auf eine Warteliste. Somit sei der Ausbau der Schulsozialarbeit ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung und zur weiteren Professionalisierung.

Jörg Schmidt, Leiter der Lienau-Schule, weiß um die Belastung. Im September habe seine Schulsozialarbeiterin einmal all ihre Termine aufgelistet. 260 Besucher, 65 Lehrergespräche, 14 Elterntermine, zweimal Jugendamt und Sozialtraining stünden auf der Liste. „Wir haben es mit einer Stelle versucht, brauchen aber mehr“, betont er. Sein Kollege Karsten Kilian vom Gymnasium sieht dies ähnlich. „Wir entscheiden uns bewusst, hinzugucken. Wenn wir das machen, sehen wir auch mehr“, erläutert er. Dies bedeute nicht, dass es in Neustadt mehr Schwierigkeiten gebe. „Wir haben die aufmerksamste Stadt, nicht die mit den meisten Problemen“, so Kilian.

Davon, dass sich die Schulsozialarbeit verändert hat, ist Marco Gregorius überzeugt. „Die Fälle sind komplexer geworden, was auch an dem rasanten Wandel der Gesellschaft liegt“, erzählt er.

Trennungs- und Scheidungskinder würden heute als normal gelten und Kinder seien deutlich mehr gefordert als vor einigen Jahrzehnten. „Früher waren Opa und Vater Schuster. Da wurde man eben auch Schuster. Heute hat man viel mehr Möglichkeiten“, sagt Gregorius. Da gelte es zu lernen, Entscheidungen zu treffen und seinen Weg zu finden. Schließlich — so Kilian — gehe es um Noten, Prestige, Geld und Lebensstandard. „All das löst Druck aus“, so der Leiter.

Dabei helfen sollen Schulsozialarbeiter. Doch sie sind keinesfalls Einzelkämpfer. „Schulen und Sozialarbeit stehen Seite an Seite, um die Schüler zu begleiten“, betont Karsten Kilian. Jedoch habe ein Sozialarbeiter ganz andere Möglichkeiten. Er kann auch mal zu den Eltern nach Hause gehen und lockerer mit Schülern sprechen, da klar ist, dass es bei ihm keine Noten gibt und Gespräche vertraulich sind.

Viel Geld ist notwendig

53000   Euro Mehrkosten   muss die Stadt Neustadt aufgrund der Aufstockung der Schulsozialarbeit an Gymnasium und Gemeinschaftsschule leisten.
80900   Euro trägt das       Land. Der Zuschuss hängt von der Schülerzahl ab.

Sebastian Rosenkötter

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