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Sozialkaufhäuser: Helfen und sich dabei selbst helfen

Eutin/Neustadt/Heiligenhafen Sozialkaufhäuser: Helfen und sich dabei selbst helfen

Im vergangenen Jahr haben die Warenhäuser für den kleinen Geldbeutel neue Aufgaben bewältigt / Sie wurden wichtiger Partner der Kommunen im Kreis.

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Mitarbeiterin Martina Rönnau macht die Arbeit sichtlich Spaß. Im Eutiner Kaufhaus Möbioh räumt sie in der Kinderecke auf.

Quelle: Peyronnet

Eutin. Sie sind da für Menschen in Not und geben dadurch Menschen ohne Job Hoffnung und Halt: Die drei Sozialkaufhäuser der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Ostholstein (BQOH) in Ostholstein haben ein spannendes Jahr hinter sich. Sie wurden zu Partnern der Städte und Gemeinden und haben ihr Geschäft deutlich ausgeweitet.

„Wir sind ein wichtiger Eckpfeiler der sozialen Infrastruktur im Kreis“, sagt BQOH-Geschäftsführer Henning Reimann. Das hat sich 2015 besonders gezeigt. Zur Versorgung von Hartz-IV-Beziehern und Menschen mit geringem Einkommen kam noch die Ausstattung der Flüchtlinge hinzu. So hat das Sozialkaufhaus Eutin allein im Dezember 16 Wohnungen im Auftrag der Kommunen ausgestattet, übers Jahr waren es 70. Und ausgestattet meint häufig, bei Null anzufangen, erläutert der Leiter des Sozialkaufhauses, Jürgen Redepenning. Es beginnt mit Betten und Schränken und endet bei Töpfen, Pfannen, Messern und Gabeln.

Gebessert hat sich übers Jahr die Informationslage. Wussten die BQOH-Mitarbeiter anfangs nur, wie viele Menschen in eine Wohnung kommen, aber nicht, ob zum Beispiel Kinder dabei sind, gibt es jetzt mehr Angaben. Aber immer noch ist es eine sehr kurzfristige Sache. Etwa vier Tage müssen reichen, um alles herzurichten. Fuhren vorher Ordnungsamtsmitarbeiter höchstpersönlich mit Anhänger im Schlepptau zu Billigmöbelmärkten, sind jetzt die Sozialkaufhäuser erste Anlaufstelle für die Gemeinden. „Fast alle Kommunen kommen auf uns zu“, sagt Reimann. „Wir liefern das Gesamtpaket, mit Spielzeug obendrauf.“

Abgesehen von den Aufgaben für die Flüchtlingsunterbringung: Die Sozialkaufhäuser machen keinen Unterschied zwischen der Art, Herkunft oder Religion der Menschen mit wenig Geld. Alle können dort einkaufen, und alle müssen für ihre Einkäufe bezahlen — auch die Kommunen. Es gibt nichts geschenkt, es sei denn, es liegt ein echter Notfall vor. „Wir wollen die Gesellschaft nicht spalten“, sagt Reimann. Deshalb kann auch niemand etwas im Sozialkaufhaus abgeben, was nur für Flüchtlinge bestimmt ist. Die Waren sind für alle da, es wird nicht einmal nach der Berechtigung oder nach einem Bezugsschein gefragt.

Die Sozialkaufhäuser arbeiten im Dreieck zwischen Käufern, Spendern und Mitarbeitern. Die Waren kommen von Menschen, die sie aussortiert haben oder sie weggeben möchten, etwa bei Haushaltsauflösungen. „Wir nehmen aber keinen Sperrmüll“, stellt Reimann klar. Und Redepenning ergänzt: „Die meiste Last haben unsere Fahrer. Sie müssen den Spendern sagen, wenn etwas nicht mehr brauchbar ist.“ Dabei ist jede Gabe willkommen. „Es hat sich ganz schön geleert“, sagt Reimann mit Blick auf die Regale im Eutiner Sozialkaufhaus Möbioh.

Menschen in Not sind auch die Mitarbeiter gewesen, bevor sie ins Sozialkaufhaus kamen. Es gibt Männern und Frauen Arbeit, die lange keine hatten oder keine Chance haben, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine zu finden. Und es gibt ihnen Hoffnung und Selbstbewusstsein, was wiederum den Familien zugute kommt. Das ist Henning Reimann, der in Personalunion Geschäftsführer des Kinderschutzbundes ist, besonders wichtig. „Die Sozialkaufhäuser werden in der Breite getragen von geförderten Personengruppen“, sagt er. Heißt im Klartext: Die Gehälter werden zum Teil oder ganz vom Jobcenter bezahlt, im Gegenzug fördern die Leiter der Kaufhäuser — und auch die eigenen Kollegen — die Mitarbeiter in ihrer persönlichen Entwicklung. Dank des hausinternen Coachings konnten bereits 44 Menschen in den ersten Arbeitsmarkt wechseln. Reimann und Redepenning sind dankbar für jeden, der es geschafft hat. Aber auch für jeden, der noch im Sozialkaufhaus arbeitet. „Wir brauchen diese Menschen“, sagt der Geschäftsführer. Und: „Es gibt hier keinen, der kein Talent hat.“

Ware und Kunden
Die Sozialkaufhäuser brauchen neue Waren. Wer etwas spenden möchte, kann es bringen oder abholen lassen.



Dringend benötigt werden unter anderem zweitürige Kleiderschränke, Einzelbetten, Kinderbetten samt Matratzen und Bettzeug, Geschirr, Besteck, Töpfe und Pfannen, vor allem aber Kleinküchengeräte wie Schälmesser, Pfannenwender und ähnliches.


Neben Flüchtlingen und Menschen mit geringem Einkommen sind etwa 5000 bis 6000 sogenannte Bedarfsgemeinschaften, also Hartz-IV-Familien oder -Lebensgemeinschaften, Kunden der Sozialkaufhäuser.



• Die Kontaktdaten von allen Sozialkaufhäusern samt Öffnungszeiten stehen unter www.bqoh.de
Arbeitgeber Staat
Die Mitarbeiter der Sozialkaufhäuser werden aus verschiedenen Fördertöpfen bezahlt.



Eutin: Sieben Mitarbeiter aus dem LZA-Programm (Programm für Langzeitarbeitslose), 13 Ein-Euro-Jobber, zehn Mitarbeiter mit 15 Stunden pro Woche im Programm soziale Teilhabe, seit 1.
Januar 20 Mitarbeiter mit je 30 Stunden.



Heiligenhafen: Ein Mitarbeiter LZA-Programm, fünf Ein-Euro-Jobber, fünf mit 15 Stunden aus dem Programm soziale Teilhabe, jetzt zehn mit 20 Stunden.



Neustadt: Sechs Ein-Euro-Jobber, fünf Mitarbeiter mit 15 Stunden aus dem Programm soziale Teilhabe, jetzt 2016 zehn mit 30 Stunden.

Susanne Peyronnet

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