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Spektakulärer Fund: Bauarbeiter graben mittelalterliche Brunnen aus

Neustadt Spektakulärer Fund: Bauarbeiter graben mittelalterliche Brunnen aus

Auf einem Baugelände am Neustädter Klosterhof wurden zwei Brunnen, Keramiken und Reste eines Waschzubers aus der Gründnungszeit entdeckt. Einige Stücke sind über 700 Jahre alt. Der Neubau der Arbeitsagentur geht aber weiter.

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Neustadt. Mit zwei Baggern bearbeiten die Männer der Unternehmensgruppe Gollan den Erdboden. Doch dann machten sie am Mittwochnachmittag eine bedeutende Entdeckung. Sie stoßen auf einen Brunnen mit einem Feldsteinmauerwerk — gebaut im Mittelalter. Sofort geht eine Nachricht an das Archäologische Landesamt raus. Donnerstagmorgen um 7.30 Uhr rücken Grabungsleiter Ingo Lütjens und sein Kollege auf der Baustelle am Neustädter Klosterhof an. Die Untersuchung des Areals, auf dem ab 2015 die Arbeitsagentur stehen soll, beginnt. Stunden später ist klar, dass es einer der spektakulärsten Funde im Neustädter Raum ist.

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Reste eines Henkels sowie der Boden eines Tongefäßes gehören zu den Fundstücken. Sie sollen nun im Archäologischen Landesamt näher untersucht werden. Grabungsleiter Ingo Lütjens vermutet, dass die Funde wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammen.

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„Wir haben mehrere Gruben mit Abfall entdeckt - darin Keramiken und Dachziegelfragmente. Wir schätzen, dass sie aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. Dies wäre die Gründungszeit Neustadts“, erläutert Grabungsleiter Lütjens den LN. Frank Wilschewski, Leiter des Neustädter „zeiTTor“-Museums, spricht von einem besonderen Fund: „Wir haben in Neustadt so gut wie keine Ausgrabungen und nur wenige Funde aus dem Mittelalter.“ Er schätzt, dass die gefundenen Keramikscherben „auf jeden Fall eine der ersten“ sind. Aktuell wisse er nur von einigen Fundstücken aus der Burg im Binnenwasser. In jedem Fall sei die Entdeckung aber ein Zeichen dafür, dass hier früher Leben war.

Zu den weiteren Funden gehören zwei Brunnen. Der eine wurde mit Ziegeln gebaut, steht am Rande des Grundstückes und dürfte nach Angaben von Lütjens im 18. Jahrhundert entstanden sein. Der andere ist weitaus beeindruckender, da er mit einer Breite von fast 2,50 Meter und einer Tiefe von 4,20 Meter erstaunlich groß ist. Dass der Brunnen so gut erhalten ist, hat mehrere Gründe. „Da lag eine Betonplatte drauf“, erklärt Olaf Kroll, Schachtmeister der Unternehmensgruppe Gollan. Zudem habe man Rohre im Inneren entdeckt. All dies spreche dafür, dass der Brunnen vor nicht allzu langer Zeit noch genutzt wurde. Das Feldsteinmauerwerk hingegen ist laut Ingo Lütjens ein Hinweis darauf, dass er vermutlich im 14. Jahrhundert angelegt wurde.

Damit der Brunnen bei den Bauarbeiten nicht komplett zerstört wird, füllen die Bauarbeiter den unteren Bereich mit Beton auf. „Die Betonsohle sorgt dafür, dass der Brunnen stabilisiert wird“, erläutert Volker Schmidt (Betriebsleiter Gollan Bau). Dann könnten die Archäologen den Brunnen auch noch in Jahrzehnten untersuchen. Aktuell haben sie ihn nur vermessen, einige Proben entnommen und Fotos gemacht. „Die Funde wurden kartiert“, so Schmidt.

Bereits am frühen Nachmittag ziehen die Archäologen wieder ab. Gegenüber den LN loben beide Seiten die gute Zusammenarbeit und weisen auf die Bedeutung hin, Historie zu untersuchen.

In naher Zukunft soll die Geschichte des Geländes mit einem dreigeschossigen Neubau fortgeschrieben werden. Bis März 2015 sollen auf knapp 700 Quadratmeter bebauter Fläche die neuen Räumlichkeiten für das Jobcenter und die Arbeitsagentur fertiggestellt werden. Zudem sollen mehrere Mietwohnungen und Parkflächen entstehen. An die archäologischen Funde dürfte dann kaum noch etwas erinnern.

Lediglich der Standort des mittelalterlichen Brunnens aus Feldsteinmauerwerk könnte mit Hilfe einer speziellen Pflasterung sichtbar gemacht werden.

Vom Grafen gegründet
1244 hat Graf Adolf IV. die Stadt Neustadt gegründet. Durch mehrere Stadtbrände, Seuchen und Kriegslasten hat sie im Mittelalter schwere Schäden erlitten. Dies erklärt, dass kaum mittelalterliche Gebäude erhalten sind. Das älteste Gebäude ist die Stadtkirche am Marktplatz. Sie soll 1244 bis Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden sein.

Sebastian Rosenkötter

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