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Ostholstein Spezialisten für harte Einsätze
Lokales Ostholstein Spezialisten für harte Einsätze
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19:36 12.10.2018
25 Jahre Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Landespolizei in Eutin: Bei einer Übung wird die Festnahme von Störern (in Zivil) durch Beamte der Einheit geprobt. Quelle: Peyronnet
Eutin

Das Jubiläum wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit begangen: Seit 25 Jahren gibt es in der Landespolizei die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) mit Sitz auf der Eutiner Hubertushöhe. Die 54 Männer und Frauen sind Spezialisten für brenzlige Situationen, in denen sie Straftäter nicht nur festnehmen, sondern auch deren Taten gerichtsfest dokumentieren.

„Die Festnahme soll beweissicher erfolgen“, definiert der Führer der BFE, Polizeihauptkommissar Gunnar Petersen (48), die Aufgaben dieser sogenannten spezialisierten Einheit. Obwohl die seit 1993 überall dabei ist, wo gewaltbereite Gruppen Widerstand leisten – Gipfeltreffen, Fußballspiele, Razzien, Großdemonstrationen – kennt kaum jemand die Abkürzung BFE. SEK, das ist vielen geläufig, MEK auch, aber BFE? Was machen die? Und wer sind die? Genauso wie die Beamten von Spezialeinsatzkommando und Mobilem Einsatzkommando legen die Mitglieder der BFE Wert darauf, anonym zu bleiben. Polizeiobermeister Felix (33) und Polizeioberkommissar Rainer (40) berichten von ihrer Arbeit, ihren größten Einsätzen, ihren schönsten Erlebnissen und den Anforderungen ihres Berufs.

Aufnehmen und festnehmen

„Bei unfriedlichen Demonstrationen ist immer mindestens ein Kameramann dabei“, berichtet Felix. Kommt es zu Straftaten, ist es dessen Aufgabe, möglichst die komplette Tat zu filmen. Das ist später ein wichtiger Beweis, wenn die Täter vor Gericht stehen. „Der Kameramann muss in gefährlichen Situationen die Kamera so bedienen können, dass die Beweiskette lückenlos ist“, erklärt Petersen die Anforderung.

Mit dem Filmen allein ist es aber nicht getan. Die Gefilmten halten schließlich nicht ihren Personalausweis hoch. Da kommt der Festnahmeteil der Einheit ins Spiel. Entweder sofort oder nach einer Weile, in der sie den Verdächtigen nicht aus den Augen lassen, nehmen die Beamten ihn fest. Je nach Situation und Aggressionspotenzial sind dafür zwei Mann oder eine ganze Gruppe notwendig.

Mega-Einsatz G 20

Soweit die Theorie. In der Praxis sind mit diesen Einsätzen Ereignisse verbunden, die Schlagzeilen machen: Zuletzt waren die Beamten der BFE im Hambacher Forst und in Köthen im Einsatz. Vor allem aber haben sie bei den G-20-Protesten in Hamburg die wohl härtesten Tage ihres Berufs erlebt. „Für mich war das der mich am meisten prägende Einsatz meines Lebens. Über vier Tage unter Strom, wenig Schlaf“, sagt Rainer. Felix spricht von einer hohen körperlichen und psychischen Belastung. Zehn Beamte der BFE erlitten Verletzungen. „Wenn man die Gruppe einigermaßen heil nach Hause bekommen hat, ist man froh“, erzählt Rainer weiter.

Es gab schöne und es gab schlimme Momente in Hamburg. Dass Bewohner des nicht als besonders polizeifreundlich bekannten Schanzenviertels Schilder mit der Aufschrift „Danke, dass ihr da seid“ in die Fenster gestellt haben, hat die Polizeibeamten gerührt. „Das war sehr emotional, das haben wir so nicht erwartet“, sagt Rainer. Dass „Personen des linken Spektrums“ applaudiert haben, als ein verletzter Beamter aus dem Hexenkessel getragen wurde, hat Felix geärgert.

Spezialisierte Kräfte

Die Polizei unterscheidet zwischen Spezialkräften und spezialisierten Kräften. Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) ist eine spezialisierte Einheit, Mobiles Einsatzkommando (MEK) und Spezialeinsatzkommando (SEK) gehören zu den Spezialkräften.

Verpönt ist der Begriff Sondereinsatzkommando für das SEK. Er erinnert an das Sondereinsatzkommando Eichmann der SS, dem Zehntausende Juden zum Opfer fielen. Ein Merksatz der SEK-Beamten hilft, sich die richtige Bezeichnung ins Gedächtnis zu rufen: „Wir sind Spezialisten, keine Sonderlinge.“

Doch nicht immer geht es so zu wie beim G-20-Gipfel. Es gibt auch einen Alltag der BFE. Dazu gehören die sogenannten 6-Uhr-Lagen. Es geht darum, Haftbefehle auszuführen und Durchsuchungsbefehle durchzusetzen, etwa im Drogen- oder Rockermilieu. Sie kommen früh um 6 Uhr und sie klingeln nicht.

Das sind Einsätze, die für eine einzelne Streifenwagenbesatzung zu gefährlich wären. Felix erläutert: „Wir sind nicht alleine, wir sind zu mehreren, das gibt Sicherheit.“ Aber im Fernsehkrimi kommt an dieser Stelle doch immer das SEK. „Die klare Trennlinie liegt bei der Schusswaffe“, erklärt Petersen. Sobald damit gerechnet werden muss, dass geschossen wird, ist die BFE raus, kommen SEK oder MEK zum Einsatz.

Aushalten, was nervt

Was nicht heißt, dass die Beamten von der BFE weniger können oder geringere Anforderungen erfüllen müssen. Sie sind für ihre Aufgabe nicht nur speziell ausgebildet worden, sondern müssen eine Reihe von Voraussetzungen mitbringen. Körperliche Fitness sowieso, außerdem ein sehr gutes Nervenkostüm. Oder wie Rainer es formuliert: „Wir legen hohen Wert auf Stressstabilität.“ Und Petersen präzisiert: „Man muss Sachen aushalten, die auf die Nerven gehen.“ Der Kieler Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU) hat in seiner Rede zum intern gefeierten 25-jährigen Bestehen genau darauf abgehoben als er sagte: „Es braucht einen besonderen Typen Mensch, der sich dieser Aufgabe jeden Tag neu stellt. Sie sind darauf spezialisiert, noch in den hektischsten Situationen besonnen und mit klarem Kopf zu agieren. Und das tun sie außerordentlich professionell und effektiv.“

Susanne Peyronnet

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