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Ostholstein Sprachprojekt mit Flüchtlingen: Ein Stück gelebte Integration
Lokales Ostholstein Sprachprojekt mit Flüchtlingen: Ein Stück gelebte Integration
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18:25 28.06.2016
Schüler und Flüchtlinge stecken gemeinsam beim Lernen die Köpfe zusammen. Es wird aber auch gespielt, getanzt und viel gelacht. Quelle: Fotos: T. Klatt

Als im vergangenen Jahr eine große Flüchtlingswelle nach Oldenburg kam, wollten auch die Schüler des Freiherr-vom- Stein-Gymnasiums nicht untätig bleiben. Erste Ideen für einen Flohmarkt wurden verworfen. Nicht nachhaltig genug, hieß es. Auf Initiative zweier Schülerinnen hin wurde in der Schülerschaft dann weiter beratschlagt. Im Januar wurde dann ein Sprachprojekt mit Flüchtlingen aus der Taufe gehoben, aus dem mittlerweile erste Freundschaften hervorgegangen sind.

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Schüler und Flüchtlinge stecken gemeinsam beim Lernen die Köpfe zusammen. Es wird aber auch gespielt, getanzt und viel gelacht.

„Sie wünschen sich nichts mehr als Integration.“Katharina Tißler

„Am Anfang war es noch schwierig“, erinnert sich Katharina Tißler, Lehrerin am Gymnasium, die das Projekt betreut. Die Flüchtlinge aus Putlos seien überwiegend nur kurz gekommen, verschwanden dann aber wieder schnell, weil sie in andere Landesteile verlegt worden seien. Oder auch aufgrund von Ablehnung der Asylanträge.

Mittlerweile hat sich Diana Thirunavukkarasu eingeschaltet. Die Oldenburger Migrationsbeauftragte vermittelt jetzt Flüchtlinge in das Sprachprojekt, die zumindest auf absehbare Zeit in Oldenburg oder in der Umgebung bleiben werden.

Die Stimmung an diesem sonnigen Nachmittag ist heiter und ausgelassen. Tische und Stühle wurden vor die Mensa gestellt. An ihnen sitzen in kleineren und größeren Gruppen rund 30 Flüchtlinge und Schüler, spielen Gesellschaftsspiele, lernen Vokabeln, unterhalten sich, so gut es geht, manchmal auch mit Händen und Füßen.

Zu den Schülern zählt auch Georgia Gkadris. Die 18-jährige Schülerin aus Neustadt ist seit Beginn des Sprachprojektes dabei und ließ es sich trotz Abiturvorbereitungen nicht nehmen, an den regelmäßigen Treffen teilzunehmen. „Wir machen zusammen Musik, tanzen, spielen gemeinsam Spiele und können dabei auch viel von den Flüchtlingen lernen“, berichtet Georgia Gkadris von ihren Erfahrungen mit den Flüchtlingen. „Von Anfang an war das eine Begegnung auf Augenhöhe“, ergänzt auch Katharina Tißler. Einige deutsche Schüler hätten bereits gelernt, auf Farsi bis zehn zu zählen oder ihre Namen zu schreiben. Eine etwas seltsame Begegnung hat es zu Beginn des Treffens gegeben: „Ein älterer Mann, der zufällig vorbeikam, hat angefangen, auf seinem Gehstock Luftgitarre zu spielen. Da haben wir uns dann beeilt, den verdutzt dreinblickenden Flüchtlingen zu erklären, dass das nicht typisch für Deutschland ist“, sagt Diana Thirunavukkarasu und schmunzelt.

Nicht immer seien die Gespräche leicht verdauliche Kost, berichtet Katharina Tißler: „Gerade in der Zeit, als viele der Flüchtlinge aus Putlos zu uns kamen, waren da manchmal doch Schilderungen von Erlebtem dabei, die für die Schüler schon harter Tobak waren“, sagt sie.

Auch über die Gleichberechtigung gebe es für die Neuankömmlinge hier viel zu lernen. „Einige der jungen Männer sind manchmal doch sehr erstaunt darüber, was Frauen hierzulande alles dürfen. Aber sie lernen und passen sich schnell an“, ist ihre Erfahrung. Jüngere Flüchtlingsfrauen oder Mädchen seien dagegen schüchterner, suchten stattdessen nach Rat bei älteren Frauen, wie zum Beispiel bei Amelie von Fallois, die das Projekt nach Kräften unterstützt. „Ohne sie läuft hier gar nichts“, ist sich Tißler sicher.

Die Treffen haben kein vorgeschriebenes Programm, die Aktionen entstehen zumeist spontan: Fußball- oder Basketballspielen, gemeinsam die Sprache lernen oder sich gegenseitig Tänze beibringen. Mika Bugislaus (15) ist von dem Austausch begeistert: „Es ist erstaunlich, dass man sich trotz einiger Sprachbarrieren doch immer wieder mit Händen und Füßen verständigen kann.“

Meysam Ranjbar aus dem Iran freut sich, „hier immer wieder neue Leute kennenzulernen“. Manchmal gehe es um ganz praktische Fragen, wie zum Beispiel dem Ausfüllen eines Formulars, wenn man den Internetanschluss kündigen will. Zur Zeit ist gerade Ramadan. Auch über diese religiöse Fastenzeit erfahren die Schüler etwas von den Flüchtlingen.

Im Vordergrund steht jedoch immer wieder das Erlernen der Sprache. Katharina Tißler: „Die Flüchtlinge versuchen hier in der Arbeitswelt anzukommen und wissen, dass sie dafür die Sprache brauchen. Die meisten wünschen sich nichts sehnlicher, als integriert zu werden.“ Dazu leisten die Schüler des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums einen wichtigen Beitrag.

Thomas Klatt

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