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Ostholstein Staatssekretär in Heiligenhafen: Angelverbot wird gelockert
Lokales Ostholstein Staatssekretär in Heiligenhafen: Angelverbot wird gelockert
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19:57 10.06.2016
Freizeitfischer auf der „MS Tanja“ aus Heiligenhafen. Die Kutterbetriebe fürchten das wirtschaftliche Aus. * Quelle: Roeßler

Die Fischerei sowie der Angeltourismus an der Ostseeküste stehen vor einer ungewissen Zukunft. Das geplante Freizeitfischereiverbot im Belt sowie die Reduzierung der Dorschquote um 85 Prozent sind eine existentielle Bedrohung. Daher hatte Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn die EU-Abgeordnete Ulrike Rodust (beide SPD) sowie Staatssekretär Jochen Flasbarth (parteilos) aus dem Bundesumweltministerium nach Heiligenhafen eingeladen.

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Krisengipfel zu den Berliner Plänen – In Heiligenhafen trafen sich Staatssekretär Jochen Flasbarth, Bettina Hagedorn und die EU-Abgeordnete Ulrike Rodust.

„Wir werden nicht wie ursprünglich geplant am strikten Verbot im Belt festhalten.“ Jochen Flasbarth

Flasbarth verkündete den LN bereits vor Beginn der Veranstaltung eine frohe Kunde: „Wir werden nicht wie ursprünglich geplant am strikten Verbot im Belt festhalten.“ Er sei wie auch Ministerin Barbara Hendricks (SPD) – der er aus Heiligenhafen sogar ein Selfie sendete – kompromissbereit. In Heiligenhafen wolle er mit Beteiligten und Betroffenen reden, sich alle Argumente anhören, um diese dann in die Diskussion in Berlin einzubringen.

Was in Heiligenhafen überdeutlich wurde: Die Allianz aus Gegnern der Berliner Pläne ist groß. Sie reicht von Kutter- und Angelbetrieben über Tourismus, Kreis und Entwicklungsgesellschaft Ostholstein sowie Kommunalpolitik bis hin zu diversen Bundesverbänden. Jens Meyer von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein erklärte: „Die SPD wird für dieses Verbot nach derzeitigem Stand im Bundestag ohnehin keine Mehrheit mehr bekommen.“ Ihm missfalle, dass Bettina Hagedorn die beiden Themen Freizeitfischerei und Dorschquote vermenge. In Heiligenhafen machten die Kuttereigner klar, dass der politisch eingeschlagene Kurs einem Berufsverbot gleichkäme.

Der zweite ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens konnte nicht nach Heiligenhafen kommen, weil der Landesparteitag der CDU ansteht. Dennoch kontaktierte er Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Beide Politiker seien sich einig, dass die Planungen des SPD-geführten Bundesumweltministeriums nicht verhältnismäßig und ebenso wenig wissenschaftlich fundiert seien. Gädechens: „Die Union steht geschlossen gegen das Angelverbot.“ Die Kritik der Union richte sich an Ministerin Barbara Hendricks.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagt: „Ein pauschales Verbot der Freizeitfischerei lehne ich ab.“ Es gebe keinen ausreichenden wissenschaftlichen Nachweis, dass die Angelfischerei zu einer Belastung in Schutzgebieten führe. Gädechens verweist auf Neuigkeiten, die Hoffnung schüren: „Im Rahmen der aktuellen Überarbeitung der Verordnungsentwürfe zeigt sich jetzt jedoch eine erste Kompromissbereitschaft. Demnach besteht die Möglichkeit, Teilbereiche der neuen Naturschutzgebiete vom Angelverbot auszunehmen.“ Dies sei noch keine zufriedenstellende Lösung, ginge aber in die richtige Richtung. Weiteres Thema am Rande war in Heiligenhafen die viel diskutierte Dorschquote, die um 85 Prozent gesenkt werden soll. Hier war die Europaabgeordnete Ulrike Rodust (SPD) Ansprechpartnerin für die Fischer. Rodust betonte: „Das Problem mit den Dorschen kommt nicht überraschend. Es ist ein Umweltproblem.“ Damit sich die Fischbestände wieder stabilisieren, braucht es etwa drei bis fünf Jahre. Rodust möchte Anfang Juli alle Entscheidungsträger in der Dorsch-Thematik nach Lübeck zu einer Konferenz laden. Danach könne sie konkreter Auskunft erteilen.

Ob Dorschquote oder Freizeitangelverbot – für die hiesige Fisch- und Angelwirtschaft werden die kommenden Monate richtungweisende Entscheidungen bringen.

Egoh: Verbot hilft der Ostsee nicht

Die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) fordert das Bundesumweltministerium (BMUB) auf, beim angedachten Freizeitfischereiverbot im Belt umzudenken.

Die Allianz gegen das Verbot sei überzeugt, dass Angeln ressourcenschonend und ökologisch sinnvoll sei und fordert das BMUB auf, dieses bei den zukünftigen Planungen zu berücksichtigen – ebenso wie die ökonomischen und sozialen Faktoren der Freizeitfischerei. Und weiter meint die Egoh: Der Zustand von Nord- und Ostsee habe sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten erheblich verbessert.

pm

 Peter Mantik

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