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Ostholstein Stachelrochen ziehen ins Haibecken um
Lokales Ostholstein Stachelrochen ziehen ins Haibecken um
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20:19 28.05.2016
Der entscheidende Moment: Der erste Stachelrochen bezieht den Stahlkäfig im Haibecken. Fotos (3): Schwennsen

Zwei halbwüchsige Geschwister ziehen aus der Kinderstube aus. Vom kuscheligen Ein-Zimmer-Appartement ins Loft mit Superausblick. Allerdings: Um erst einmal die übrigen WG-Bewohner beschnuppern zu können, finden sie vorübergehend sichere Bleibe. In einem Stahlkäfig, der sie vor gefährlichen Attacken schützt. Denn dieser Umzug bringt dramatische Veränderungen mit sich. Und ist auch für das dreiköpfige Umzugsunternehmen ein Wagnis.

Meereszentrum Fehmarn: Die LN sind dabei, als ein Geschwisterpaar die Kinderstube verlässt.

Die LN sind dabei, als... Nein, der Leser wird’s schon ahnen, eine klassische Spedition ist hier nicht am Werk. Sondern erfahrene Mitarbeiter im Meereszentrum Fehmarn wie Aquarienleiter Thomas Ulrich packen ganz behutsam an. Sie betreten Neuland: Zwei Amerikanische Stachelrochen sollen ins große Hai-Aquarium ausquartiert werden. Schaffen die das?

Die Frage ist doppeldeutig zu verstehen. Denn auch Thomas Ulrich, Jürgen Reunert und Tjark Ole Reher Lafrenz, die zu dritt anpacken, müssen sich schützen. Ulrich mit Tauchanzug, alle drei mit speziellen Handschuhen. Ulrich: „Damit schützen wir uns gegen die giftigen Stachel der Rochen. Sie können mit ihrem Schwanz wie mit einer Peitsche nach vorne schnellen. Man stirbt nicht daran, aber eine Berührung ist sehr schmerzhaft.“

Schaffen die das? Die bange Frage gilt vor allem für die Rochen. Sie stammen aus einer Nachzucht bei Hagenbeck, wurden im April 2015 geboren, zogen im Oktober nach Fehmarn um. „Dort haben wir sie hinter den Kulissen groß gezogen“, so Ulrich. Jetzt haben sie 40 Zentimeter Durchmesser und einen ein Meter langen Schwanz.

Sie sind damit (fast) reif für die Hai-Welten im Meereszentrum. Zunächst erwartet sie im Stahlkäfig eine Schwimmschule – mit Zangenfütterung. Die großen Bewohner kommen schon mal ganz nahe heran.

Ulrich: „Die Haie nutzen jede Chance, wenn etwas Neues ins Becken kommt. Die verunsicherten Rochen könnten gebissen werden oder gar zu Tode kommen. Das wäre ziemlich teures Futter.“ Später dürfte es keine Probleme geben: Ein gesunder Fisch weiß, wie er sich im Drei-Millionen-Liter „Ozeanaquarium“ zu verhalten hat.

Das Trio hat den Umzug der Stachelrochen gut vorbereitet. Mit einem Kescher wird der Erste rausgeholt. Handtuch und Deckel kommen darüber – siehe obige Warnung. Niemand möchte hautnah eine Begegnung mit dem giftigen Stachel spüren. Durch die verwinkelten Räume geht es die Treppe hoch bis zum Stahlkäfig, deren Verschlüsse Ulrich vorher gelöst hat. Vorsichtig wird der Kescher-Inhalt rausgelassen.

Es klappt, der Stachelrochen entschwindet Richtung Boden, ohne sich im Sand zu vergraben. Minuten später nutzt sein Geschwisterchen dagegen eine kleine offene Spalte, um ins große Hai-Aquarium zu verschwinden. Für das Trio beginnt ein Heidenspaß, ihn wieder einzufangen. Das gelingt nur, als der Stachelrochen nahe am Becken schwimmt. Glück gehabt.

Inzwischen fühlen sich die beiden pudelwohl, haben sich gut an die Futterzange gewöhnt. Noch dauert die Schwimmschule an, noch winkt den Rochen nicht die große Freiheit. Einer hat es aber tatsächlich geschafft, sich aufzurollen und durch eine Ritze zu entwischen. Besucher haben es bemerkt und Alarm geschlagen. Ulrich hat zusätzlich ein engmaschiges Netz über den Stahlkäfig gezogen, damit das nicht wieder passiert.

Stachelrochen

Der Amerikanische Stachelrochen ist unter anderem im Golf von Mexiko oder bei den Bahamas zu Hause. Er erreicht einen Durchmesser von einem bis 1,20 Meter.

Die Bodenrochen vergraben sich gerne im Sand. Zur Fütterung kommen sie nach oben. Im Meereszentrum wird das trainiert, damit nicht andere Aquarienbewohner die Nahrung auffressen.

Nachzuchten gibt es in befreundeten Aquarien, zum Beispiel in Dänemark. Das eröffnet dem Meereszentrum die Chance für einen eigenen Nachwuchs.

Bewundern kann man sie täglich von 10 bis 18 Uhr im Meereszentrum Fehmarn, Burg, Gertrudenthaler Str. 12.

„Darwins Zimmer“ auf Fehmarn

Im Winter waren die Mitarbeiter im Meereszentrum Fehmarn sehr kreativ. Sie haben „Darwins Zimmer“ gebaut. Thomas Ulrich: „Es zeigt, wie sein Büro nach Darwins fünfjähriger Weltreise ausgesehen haben könnte.“

Fakt ist: Der 1809 geboren britische Naturforscher befand sich von 1831 bis 1836 mit der „Beagle“ auf einer fünfjährigen Schiffsreise rund um die Welt. Nach seiner Rückkehr entwickelte Darwin seine Evolutionstheorie. Er schrieb aber auch über die Entstehung der Korallenriffe.

Auf seiner Weltreise hat Darwin 5000 Fundstücke, darunter mehr als 1500 mit Spiritus konservierte Tierarten, zusammengetragen. Original-Exponate sind bis heute im Naturkundemuseum in London zu sehen.

Das Meereszentrum nutzt für die Ausstellung in „Darwins Zimmer“ den reichhaltigen eigenen Fundus an echten Exponaten. Ulrich: „Sie zeigen, wie groß die Tiere tatsächlich werden können.“ gjs

Gerd-J. Schwennsen

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