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Ostholstein Stadt kämpft gegen geplantes Bordell an der Osterweide
Lokales Ostholstein Stadt kämpft gegen geplantes Bordell an der Osterweide
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16:23 04.09.2013
Das Gebäude steht in zweiter Reihe und ist von der Straße aus kaum zu sehen. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Ein neues Bordell für Lübeck: Ein Nachtclub soll an der Osterweide eröffnet werden — nahe des Wirth-Centers. Die Stadt ist dagegen und möchte es verhindern. Das Argument: Ein Freudenhaus passe nicht in die Gegend. „In der Nähe von Wohngebieten, in denen Familien mit Kindern leben, sehen wir keine geeigneten Standorte für derartige Einrichtungen“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Zudem fürchtet die Stadt, dass dort ein Straßenstrich entstehen könnte. „Es besteht die Gefahr“, so Bausenator Franz-Peter Boden (SPD).

Der Hintergrund: Am 17. Juli ist ein Bauantrag auf dem Tisch in der Bauverwaltung gelandet. Das Wohnhaus an der Osterweide 16 soll umgebaut werden — in einen Sauna- und Nachtclub mit angeschlossenem Bordell. Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 4 Uhr nachts. Das Areal liegt direkt hinter dem Stadtteilzentrum Wirth-Center mit Supermärkten, Arzt-Praxen, Apotheke und Buchladen. Der Konflikt:

Rechtlich ist dort gegen das horizontale Gewerbe nichts einzuwenden — denn das Quartier ist auf dem Papier ein Gewerbegebiet. Und da sind solche Etablissements erlaubt. Der Bauantrag hat die Verwaltung jetzt aufgescheucht. Selbst im Senat wurde das Thema ausgiebig diskutiert. Die Stadt will nun mit einem Kniff aus der Sache herauskommen — und einfach einen neuen Bebauungsplan für das Areal aufstellen. Darin sollen Vergnügungsstätten ausgeschlossen werden. Der Bauausschuss hat sich noch nicht endgültig entschieden, aber den Bauantrag fürs Bordell ein Jahr lang aufgeschoben.

Denn die Politiker sind bei dem Thema zwiegespalten. „Bordelle sollten nicht komplett verhindert werden“, sagt Christopher Lötsch, Vorsitzender des Bauausschusses. „Aber ob dies der richtige Standort ist, müssen wir noch diskutieren.“ Hans-Jürgen Schubert (Grüne): „Das ist eine Ecke, an der eine Art Rotlicht-Milieu nicht geeignet scheint.“ Allerdings sei das Wirth- Center ein Nahversorgungszentrum — da könne man streiten, ob ein Freudenhaus auch dazu gehöre. „Für uns Grüne ist ein Bordell ein seriöser Arbeitsplatz“, macht Schubert klar. „Ein solches Bordell zuzulassen, würde vieles an Entwicklung in dem Stadtteil verbauen“, ist sich indes Nico Goldschmidt (FDP) sicher. Auch Tim Stüttgen (Linke) sagt: „Kein Bordell an der Osterweide.“ Aber: „Wir müssen Vergnüngsstätten an verträglichen Orten ansiedeln.“ Ulrich Pluschkell (SPD) stimmt zu: „Wir brauchen ein Vergnügungskonzept für Lübeck.“ Die Hansestadt sei vor 150 Jahren Vorreiter auf diesem Gebiet gewesen und habe als erste Stadt in Europa eine sündige Meile eingerichtet. Das Problem heute: Dieses Rotlichtviertel in der Clemensstraße in der Altstadt gibt es seit 2005 nicht mehr. Die Häuser mit der roten Laterne machten eins nach dem anderen dicht. Und das nicht, weil es keine Kunden gab, sondern weil viele Damen ihre Dienste via Anzeige in privaten Appartements anbieten. „Dort entwickelt sich das Gewerbe dann unkontrolliert und auch ohne das Gesundheitsamt“, sagt Lötsch.

So arbeiten in Schleswig-Holstein offiziell nur 107 Frauen im horizontalen Gewerbe. Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher: Es wird von 14 000 Beschäftigten ausgegangen. Wer sich auf einschlägigen Websites umsieht, findet in Lübeck Adressen in der Ziegelstraße, Krempelsdorfer Allee, Schwartauer Allee, Schützenstraße, in der Fackenburger Allee — in Wohn- und Bürogebäuden. Bruno Böhm (Freie Wähler) hat ein solches Etablissement in seinem Haus — aber keine Scherereien. Böhm: „Wenn alle Nachbarn so wären, hätten wir weniger Gerichtsstreitigkeiten.“

In Lübeck gibt es bereits Freudenhäuser in den Gewerbegebieten Genin und Skandinavienkai. Einige Baupolitiker gehen davon aus, dass die Nachfrage nach dieser weiblichen Dienstleistung steigen wird.

Vor allem angesichts des geplanten Fehmarnbelttunnels müsse mit mehr Kundschaft und einer größeren Nachfrage nach Bordellen gerechnet werden. Die Politiker wollen sich in zwei Wochen im Bauausschuss noch einmal mit dem Thema befassen.

Josephine von Zastrow

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