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Ostholstein Sterbenden Menschen zur Seite stehen
Lokales Ostholstein Sterbenden Menschen zur Seite stehen
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22:52 15.02.2016
Elena Luschnikova (vorne r.) mit Martin Broziat (h. l.), Norber Griebel und Katja Langfeldt vom DRK.

Mit der Gründung eines ambulanten Hospiz-Dienstes möchte der DRK-Kreisverband Ostholstein eine Lücke in der Sterbebegleitung im Nordkreis schließen. Der Kreisverband hat dafür eigens die Stelle einer „Sterbeamme“ geschaffen: Elena Luschnikova bildet Menschen zu Sterbebegleitern aus und bereitet sie darauf vor, Schwerstkranken und deren Angehörigen im Prozess des Abschiednehmens zur Seite zu stehen.

„Sterben ist ein angsterfülltes Thema.“

Elena Luschnikova

„Sterben ist generell immer noch ein angsterfülltes Thema“, weiß Elena Luschnikova aus ihrer beruflichen Erfahrung. So, wie eine Schwangere Zeit habe, sich auf die Geburt vorzubereiten, brauche auch der Mensch im Angesicht des Todes Zeit, sich auf den Tod und auch die Zeit danach vorzubereiten, so die Sterbeamme.

Sterbende und deren Angehörige in dieser einschneidenden Phase zu unterstützen — dabei sollen von Elena Luschnikova ausgebildete Sterbebegleiter behilflich sein. Ab der Diagnose, so sagt sie, fange für den Betroffenen und dessen Angehörigen ein „neues Leben“ an. Sterbebegleiter könnten wieder Ruhe und Stabilität in die Familie bringen und damit auch einem Gefühl der Ohnmacht entgegenwirken.

Über ein Jahr erstreckt sich die Ausbildung der Ehrenamtler, die Kosten trägt das DRK. Einem Erst- und Aufnahmegespräch schließt sich ein Wochenendseminar an. Jeden zweiten Donnerstag im Monat werden dann praktische und theoretische Kenntnisse vermittelt. Inhalte der Ausbildung sind unter anderem die verschiedenen Sterbephasen, Kommunikation oder eine Sensibilisierung für den Körperkontakt. Für praktische Erfahrung in der Sterbebegleitung kooperiert der ambulante Hospiz-Dienst mit dem Elisabeth-Krankenhaus in Eutin. Pflegerische Maßnahmen müssten dagegen nicht vorgenommen werden, entsprechende Vorkenntnisse seien damit ebenfalls nicht erforderlich, erklärt Luschnikova.

Dennoch sollen Menschen, die andere Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten, etwas mitbringen. Elena Luschnikova: „Es sollten Personen mit Lebenserfahrung sein, engagierte Menschen mit Einfühlungsvermögen.“ Bevor man sich anderen Menschen zuwende, gelte es Fragen bezüglich der eigenen Person zu klären: Wie stehe ich im Leben, wie standhaft, sicher und ehrlich bin ich zu mir selbst?

Eine Sterbebegleitung stelle nicht nur eine große Herausforderung dar, sondern könne dem Ehrenamtler auch viel geben. Luschnikova: „Dieser Prozess kann einen wirklich glücklich machen und macht Mut, weiterzuleben.“

Der Hospiz-Dienst ist eng vernetzt mit der Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung in Bad Malente, mit Seelsorge, Palliativärzten und Pflegeeinrichtungen.

Das DRK hofft jetzt auf möglichst viele Mitstreiter für dieses Ehrenamt. Ein erster Infoabend ist für Dienstag, 23. Februar, um 18 Uhr im Gemeindehaus in Heiligenhafen angesetzt, ein weiterer dann am 10. März in Oldenburg in den Räumlichkeiten des DRK (Weidenkamp 2a). Anmeldungen und weitere Infos unter Tel. 0163/2788527 oder per E-Mail an info@schluessel-zur-heilung.com.

Thomas Klatt

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