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Ostholstein Stilvoll und teuer – arm und karg
Lokales Ostholstein Stilvoll und teuer – arm und karg
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21:10 07.10.2017
Ulrike Unger (l.) erläuterte im Großen Speisezimmer die Tischgepflogenheiten in früheren Jahrhunderten. Quelle: Fotos: Benthien
Eutin

Bei dem Rundgang mit dem Titel „16 Stunden. Weißes Leinen: Aus dem Leben der Dienstboten“ vermittelten Museumspädagogin Ulrike Unger und Kollegin Alena Boje den Teilnehmern einen Eindruck vom arbeits- und entbehrungsreichen Leben der Küchenmädchen, Wäscherinnen und Laufburschen. 16 Stunden auf den Beinen – das war keine Seltenheit. Die Fürstbischöfe, Herzöge und ihre Angehörigen ließen sich von einer großen Zahl von Dienstboten umsorgen. „Mitte des 19. Jahrhunderts lebte die Adelsfamilie mit rund 40 Personen hier. Sie hatte knapp 70 Bedienstete“, sagte Ulrike Unger. Zwei außergewöhnliche Berufsbilder ließen die Besucher aufhorchen: der Kapaunenstopfer, der junge Hähne für die Küche vorzubereiten hatte, und der Nachtstuhlverwalter. „Ihn nannte man auch den Kammerherrn von hinten“, so Ulrike Unger.

Das war Museumswetter. Entsprechend kamen am Sonnabend, zum ersten Tag des Festivals der Führungen, viele Besucher ins Eutiner Schloss und ließen sich über das Leben am Hofe erzählen. Hart war es in früheren Jahrhunderten, vor allem für die, die dort Dienst taten.

Das Personal kam zum Teil aus den umliegenden Ortschaften zur Arbeit. Wer auch im Schloss lebte, musste nachts in der Küche auf der Eckbank sein Lager aufschlagen. „Da war es wenigstens noch warm. Andere schliefen in Abseiten unter der Treppe oder in zugigen Dachkammern“, berichtete die Museumspädagogin. Auch Kinderarbeit war am Hofe üblich: Die Öfen wurden vom Nachwuchs der Dienstboten bestückt.

Königin Amalie von Griechenland (gebürtige Herzogin von Oldenburg ) besuchte 1857 ihre Verwandten in Eutin und versetzte die Stadt in Aufruhr, denn sie brachte ihren Hofmohren mit. „Manche Adlige hielten sich auch Hofzwerge. Das waren Kuriositäten, die man sich anschaffte, eine Möglichkeit zu zeigen, was man sich erlauben konnte“, erläuterte Ulrike Unger.

Ihre Zuhörer waren von dem Exkurs begeistert. „Wirklich toll“, befanden Jens Kilian (30) und Eva Schäfer (26) aus Bonn. Sie machen gerade ein paar Tage Urlaub in Lübeck, wollten sich am Sonnabend das Schloss ansehen und gerieten in das Festival der Führungen. Ebenso erging es Andrea Hesterberg (45) und Arnd Waldschmidt (49) aus Offenbach, die in Grömitz zu Besuch sind. Heike (65) und Jürgen Brass (75) aus Neustadt sind dagegen Schlosskenner, wollten aber beim Festival in mehreren Führungen ihr Wissen ergänzen.

Ob Erwachsene oder Kinder – das WC im Schrank des Zarenzimmers sorgt immer für Erstaunen. „Das gibt es aber noch nicht so lange“, sagte Schlossführerin Tolke Reimer bei ihrer Kinderführung „Zu Besuch am Hof des Herzogs“. Zum in früheren Jahrhunderten gebräuchlichen Holzkasten mit Eimer darin wollte niemand zurückkehren – auch nicht zum Reisen mit der Kutsche. Da ist es doch heute sehr viel bequemer.

Das Programm heute

11 Uhr: „Ein Rundgang durch die Beletage“

13 und 16 Uhr: Kurzführung, „Glanzlichter im Schloss“

13 Uhr: Kinderführung, „Zu Besuch am Hof des Herzogs“

15.30 Uhr: „Verborgene Räume: Vom Kellergewölbe bis unter die Turmuhr“

11.30 und 15 Uhr: „16 Stunden. Weißes Leinen: Aus dem Leben der Dienstboten“

14 Uhr: „Alte Hölzer und geniale Konstruktionen: Ein architektonischer Streifzug“

14.30 Uhr: „Die klangvolle Welt des Horns“

12/17 Uhr: „Mit Risiken und Nebenwirkungen: Mörderische Geschichten im Hause Schleswig-Holstein-Gottorf“

Ulrike Benthien

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