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Ostholstein Stockelsdorf bereitet sich auf den nächsten großen Stromausfall vor
Lokales Ostholstein Stockelsdorf bereitet sich auf den nächsten großen Stromausfall vor
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12:02 03.11.2018
Übung der Führungsgruppe der Gemeindefeuerwehr Stockelsdorf: Simuliert wird ein großflächiger Stromausfall. Im Rathaus wurde der Krisenstab eingerichtet: Markus Dahlke, Günter Volgmann und Björn Schlieter (v.l.) erklären Bürgermeisterin Julia Samtleben die Lage. Quelle: Sebastian Prey
Stockelsdorf

Auf einen Schlag geht fast nichts mehr. Durch einen Kurzschluss im Umspannwerk Pohnsdorf ist es zu einem flächendeckenden Stromausfall im südlichen Ostholstein und Lübeck gekommen. Umgehend werden alle Feuerwehren in die Gerätehäuser beordert. Die Führungsgruppe der Gemeindefeuerwehr Stockelsdorf kommt unter der Leitung von Gemeindewehrführer Günter Volgmann im Rathaus zusammen, um Hilfen zu organisieren. Das Rathaus ist eines der wenigen Gebäude in der Gemeinde, das über ein Notstromaggregat verfügt. Zum Stab gehören neben Bürgermeisterin Julia Samtleben als Chefin auch führende Verwaltungsmitarbeiter sowie Spezialisten aus Reihen der Feuerwehr, die über besondere Kenntnisse verfügen – das reicht von Bergungen mit schweren Gerätschaften, Bekämpfung von Großbränden sowie Einsätze mit biologisch-chemischen oder radioaktiven Stoffen. Zum Einsatzteam gehören auch Experten zur psychosozialen Betreuung. „So ein Notfall hat enorme Auswirkungen in den unterschiedlichsten Bereichen“, erklärt Volgmann.

57 Seiten Handlungsanleitung

Gemeinsam mit einem Team hat er in den vergangenen zwei Jahren eine Handlungsanleitung „Stromausfall in der Gemeinde Stockelsdorf“ verfasst – 57 Seiten umfasst die Anleitung. „Wir sind die erste Gemeinde im Kreis Ostholstein, die so einen Leitfaden entwickelt hat“, berichtet Volgmann. Am Donnerstagabend wurde die Handlungsanleitung erstmals probeweise abgearbeitet und ein Stabsraum im Rathaus eingerichtet.

Die Lage verschärft sich im Laufe des Abends immer mehr: Nach einem Unfall mit Verletzten wegen eines Ampelausfalls an der Segeberger Straße erreicht ein Notruf aus einem Pflegeheim den Krisenstab. Es wird Hilfe angefordert, denn die Maschinen zur Beatmung von Patienten drohen bald auszufallen. Im Abwasserhauptpumpwerk Landgraben ist es zu einer Überflutung eines Schachtes gekommen – das ungereinigte Wasser fließt nun in den Landgraben. Für die Bürger müssen unterdessen Notunterkünfte in den Turnhallen Schulweg und im Kirchenzentrum in der Ahrensböker Straße hergerichtet werden. Mittels Lautsprecherdurchsagen wird die Bevölkerung informiert, denn auch das Telefon- und Handynetz ist komplett zusammengebrochen. Um trotz Stromausfalls eine Kommunikation nach außen zu gewährleisten und auch von anderer Stelle Hilfe anzufordern, hat die Gemeinde Stockelsdorf unlängst die Anschaffung eines Satellitentelefons beschlossen. „Das ist teuer und soll nach Möglichkeit nie zum Einsatz kommen, aber es ist unerlässlich“, berichtet Volgmann. Dieses Telefon kostet 15 000 Euro. Dazu kommen noch monatliche Gebühren. In der Handlungsempfehlung stehen zudem wichtige Ansprechpartner, die im Notfall helfen können. Dazu gehören auch zwei Adressen von Amateurfunkern in der Gemeinde sowie Lieferanten von Kraftstoffen. „Mit denen müssen auch Verträge gemacht werden, dass die im Fall der Fälle die Gemeinde priorisiert beliefern“, berichtet der stellvertretende Gemeindewehrführer Björn Schlieter.

Es wird mehr Stromausfälle geben

Aus Sicht von Volgmann ist so eine Handlungsanleitung unerlässlich. „Wir werden künftig mehr Stromausfälle bekommen und müssen auch damit rechnen, dass dieser Zustand über mehrere Tage oder Wochen Bestand hat. Da sind sich alle Experten einig“, berichtet Volgmann. Mit ein Grund sei die zunehmende Digitalisierung. Markus Dahlke von der Feuerwehr Mori: „Das ist natürlich ein Einfallstor für Hacker.“ Grundsätzlich sollten sich Bürger, auf eine solche Notsituation vorbereiten. Schlieter: „Jeder sollte sich zu Hause ein wenig bevorraten.“ Bürgermeisterin Julia Samtleben hat dies tatsächlich auch schon gemacht und in ihrem früheren Haus einen Gas-Campingkocher auf dem Dachboden deponiert. „Der kam sogar nach ein paar Jahren tatsächlich zum Einsatz als unser Herd kaputt war und er hat tatsächlich funktioniert“, berichtet die Bürgermeisterin, die auf die Empfehlungen des BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) aufmerksam macht. Wichtig ist zudem zu wissen, dass im Notfall alle Feuerwehrgerätehäuser und das Rathaus besetzt sind, um Hilfe zu leisten.

Sebastian Prey

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