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Ostholstein Strand statt Kultur: Museen sind die Sommer-Verlierer
Lokales Ostholstein Strand statt Kultur: Museen sind die Sommer-Verlierer
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20:10 26.07.2018
Ostholstein

Brigitta Herrmann, Vorstand der Stiftung Schloss Eutin, beklagt ein Minus von 15 bis 20 Prozent an Einzelbesuchern. „Und es wären noch weniger, wenn wir nicht so viele Aktionen wie eine Vielzahl von Motto-Führungen und Lesungen hätten. Über diese Angebote versuchen wir, im Gespräch zu sein.“ Herrmann lasse sich täglich die Besucherzahlen vorlegen und vermerke dazu das jeweilige Wetter. „Sobald Wolken am Himmel aufziehen, verdoppeln sich bei uns die Zahlen“, hat sie festgestellt, und das bestärke sie in der Auffassung: „Unsere Maßnahmen an sich greifen.“ Im Schloss-Restaurant begegne sie täglich vielen Gästen. „Und so mancher sagt mir, ach, Frau Herrmann, ins Museum wollen wir bei dem schönen Wetter aber nicht“, berichtet sie.

„Es ist ruhiger als im vergangenen Jahr“, räumt Julia Hümme, Leiterin des Ostholstein-Museums in Eutin ein. „Allerdings waren wir da verwöhnt: Es gab viel Regen, und mit der Playmobil-Ausstellung hatten wir eine sehr spezielle Ausstellung, sodass viele Touristen mehrmals herkamen.“ Sie sei dennoch nicht unzufrieden, sondern „entspannt. Wir werden unsere durchschnittliche Jahreszahl an Besuchern trotzdem erreichen.“ Für die jeweiligen Künstler wünsche sie sich natürlich mehr Besucher, „aber das haben wir nicht in der Hand“.

Schreibarbeiten statt Museumsführungen

Kersten Jungk hofft, dass in den kommenden Wochen wenigstens ein paar Besucher dienstags und sonntags das Museum des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz in Pönitz aufsuchen. Denn vor allem im Juli haben sich die Gäste ziemlich rar gemacht. „An den letzten drei Sonntagen ist keiner gekommen, da war tote Hose“, sagt der Museums-Leiter. Das sei ungewöhnlich. Dienstagnachmittags kämen zwar immer mal welche, jedoch eher aus der Region. Oder Gruppen, die feste Termine vereinbart hätten. „Der Publikumsverkehr, also die Touristen, bewegen sich nicht vom Strand weg“, erklärt Jungk. Im Jahrhundert-Sommer habe man andere Prioritäten, als ins Museum zu gehen. Trotz fehlender Besucher halte das Museum die Öffnungszeiten ein. Die Nachmittage würden dann für Schreibarbeiten und andere Aufarbeitungen genutzt.

Die hochsommerlichen Temperaturen wirken sich auch auf die Besucherzahl des Neustädter Zeittor-Museums negativ aus. Tourismuschefin Vera Heß sagt: „Wir merken auf jeden Fall, dass wir dieses Jahr mehr Strand- und weniger Museumsbesucher haben. Wobei man schon sagen kann, dass einige Gäste das Museum besuchen, da das Wetter so heiß ist, dass sie weg vom Strand wollen.“ Hinzu kommt, dass das Zeittor ein äußerst modernes und vielfältiges Konzept hat. Viele Angebote finden im Freien statt. Dazu gehören neben einer GPS-Schatzsuche, verschiedene Stadt- und Hafenführungen sowie Radtouren.

„Wir sind sehr breit aufgestellt. Mit den Außenveranstaltungen locken wir Menschen ins Museum. Leute, die dort mitmachen, werden neugierig und kommen ins Zeittor“, sagt Heß.

Auf der Bank ausruhen:

Viel zu heiß

Die Zahlen im Oldenburger Wallmuseum, zum größten Teil Freilichtmuseum mit insgesamt knapp sechs Hektar Fläche, nennt Geschäftsführer Stephan Meinhardt „ganz zufriedenstellend. Sie wären mit Sicherheit deutlich höher, wenn die Besucher sich draußen mal auf einer Bank entspannen könnten. Aber dazu ist es zu heiß. Bei dem Wetter kann ich es keinem verübeln, der lieber am Strand ist und in die Fluten springt“, sagt er.

Die sengende Hitze konnte die Besucher der Slawentagen am vergangenen Wochenende nicht abschrecken: 4000 kamen. „Bei moderatem Wetter hätten wir da Rekorde gesprengt“, sagt Meinhardt.

ben, bz, ser

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