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Ostholstein Straßennamen werden 2016 zur Mammutaufgabe
Lokales Ostholstein Straßennamen werden 2016 zur Mammutaufgabe
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19:17 10.12.2015
Landkirchen: Walter Meß und Wiebe Zander haben für „Klaus Groth“ gekämpft. Quelle: gjs

Voll gepackt mit Weihnachtspaketen kurvt der Sprinter über die Insel. Ist der Kurierfahrer ortsunkundig, gibt es bei der Zustellung schnell Probleme — trotz Navi. Denn allein die „Dorfstraße“ ist auf Fehmarn achtmal vergeben. Richtig brenzlig wird es, wenn Rettungseinsätze gefahren werden. Dann ist jede Sekunde wertvoll.

Das Problem ist allerdings hausgemacht. Mit der Fehmarn-Fusion 2003 wurde aus der Stadt Burg und ihren 43 Dörfern eine Kommune: die Stadt Fehmarn. Jahr für Jahr haben seither die Irrläufer bei der Briefzustellung oder die Verwirrung im Rettungsdienst zugenommen. Schließlich gibt es inselweit 28 doppelt oder sogar mehrfach vergebene Straßennamen. Das soll sich nun aber 2016 ändern.

Eine Mammutaufgabe — und eine undankbare dazu. Denn viele Bürger müssen künftig auf liebgewonnene Traditionen verzichten, Geschäftsleute oder Vermieter können ihre Prospekte einstampfen. Kein Wunder, dass der Grundsatzbeschluss im Bau- und Umweltausschuss Fehmarn im September 2011 schon Jahre zurückliegt, ohne dass viel passiert ist. Bis auf den Sonderfall Gammendorf (dort gab es sogar ein Hausnummern-Kuddelmuddel).

Als die LN im Frühsommer 2015 viele angedachte neue Straßennamen veröffentlichten, war die Begeisterung bei den Bürgern nicht ungeteilt. Die Verwaltung rief daher erfolgreich zu Bürgervorschlägen auf. Doch eine Alternative gibt es nicht. „Die Sicherheit geht vor“, so Martina Wieske vom Fachbereich Bauen und Häfen.

Spannend wurde es Mittwochabend, als der zuständige Ausschuss Dutzende von Einzelfall-Entscheidungen treffen musste. Dabei spielten historische Gründe, die Zahl der Gewerbebetriebe oder der Anlieger immer wieder eine Rolle. In einigen Fällen sollen die betroffenen Bürger nochmal gezielt befragt werden. Daher ist die Liste zwar abgesegnet, aber noch nicht endgültig in Stein gemeißelt.

Gelöst ist das größte Problem mit den „Dorfstraßen“. In Klausdorf gibt es die meisten Anlieger, sie bleibt dort erhalten. Für die anderen Ortschaften gibt es folgende Lösung: „Lütten Dörp“

(Dänschendorf), „Am Pastorenteich“ (Landkirchen), „Inselstraat“ (Lemkendorf), „Dörpstieg“ (Niendorf), „Alte Dorfstraße“ (Sulsdorf), „Fährhafenstraße“ (Puttgarden) — und für Bojendorf vorerst eine einfache Hausnummerierung.

Oder die „Hauptstraße“: Schon der Name verweist auf die zentrale Bedeutung fürs Dorf. Doch nur Landkirchen wird eine behalten. In Petersdorf („Alte Hauptstraße“) und Kopendorf („Holstenstraße“) gibt es Neuerungen.

Ähnlich der Fall „Bahnhofstraße“: In Burg bleibt sie, in Petersdorf gibt es künftig die „Alte Bahnhofstraße“.

Problematisch ist der Name „Klaus-Groth-Straße“. In Burg zählt sie weitaus mehr Anlieger als in Landkirchen, doch in dem Dorf hat der plattdeutsche Dichter tatsächlich jahrelang gelebt. Die Lösung für die Dörfler lautet: „Ole Klaus- Groth- Straat“.

Die „Mühlenstraße“ in Burg bleibt unangetastet, einen „Mühlenweg“ gibt es künftig nur noch in Landkirchen. Gerettet wurden aber die anderen Mühlenhinweise: „Jachen Flünk Weg“ (Lemkenhafen), „Südermühlenweg“ (Petersdorf) und „An der flinken Laura“ (Dänschendorf). Keine Berücksichtigung fand übrigen ein Vorstoß, an den „Retter“ Fehmarns, Lord Strang, zu erinnern. Auch andere personenbezogene Vorschläge fielen durch: Karl August Lange, Heino Müntzel, Claus Offenborn oder Julius Detlef. Unberücksichtigt blieben auch die Vorschläge „Neringastraße“ (Burgtiefe) oder „Am Thingplatz“ (Puttgarden). Auch eine „Hallig“ in Landkirchen wird es nicht geben, dafür aber eine „Liebesallee“ in Petersdorf.

Ausgerechnet eine gebürtige Argentinierin versuchte, die korrekte plattdeutsche Schreibweise zu bewahren. Ex-Bürgermeisterkandidatin Dora Silvia Kröger stellte für „Süderdor“ in Lemkendorf (bislang „Middeldor“) die Alternativen „Süderdöör“ oder „Süderdoor“ zur Diskussion. Die Verwaltung will das noch prüfen.

„„Sicherheit geht vor.“
Martina Wieske

Gerd-J. Schwennsen

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