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Ostholstein Streit um Schwentinebrücke beigelegt
Lokales Ostholstein Streit um Schwentinebrücke beigelegt
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22:29 05.01.2018
Etliche Versorgungsleitungen hängen lose an der alten Schwentinebrücke. Sie ließen sich nicht unterm Flussbett verlegen. Quelle: Fotos: Schneider

Den gordischen Knoten haben Vertreter der Gemeinde, des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV) sowie der Schleswig-Holstein Netz AG gemeinsam durchschlagen. Die eigentlich ganz einfache Lösung des Problems sei eine Trennung des Baukörpers in mehrere Teilbereiche, erläutert Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck (parteilos). So würden zwei oder vielleicht sogar drei Brücken gebaut, die so eng nebeneinander stünden, dass sie wie ein Bauwerk aussähen. Durch diese Trennung könne und müsse die eigentliche Straßenbrücke von der Last der Ver- und Entsorgungsleitungen für Strom und Gas, Wasser und Abwasser sowie Breitband und Telefon befreit werden, betont der Leiter der LBV-Niederlassung Lübeck, Jens Sommerburg. Die historisch entstandene Mehrfachnutzung sei heute nicht mehr zulässig.

Für die Sanierung der Schwentinebrücke in der Malenter Hindenburgallee (L 56) zeichnet sich eine Lösung ab. Es ist ein Kompromiss erarbeitet worden, wie das 120 Jahre alte Bauwerk erneuert werden kann, ohne eine zweite freistehende Rohrbrücke für Versorgungsleitungen zu errichten.

„Es stehen ausreichend Mittel für

den Neubau der Brücke bereit.Jens Sommerburg

Landesbetrieb

Straßenbau und

Verkehr

Derzeit nutzen neun Gewerke das Nadelöhr als Übergang und Verbindung. Der Versuch, diese Infrastruktur im vergangenen Sommer mittels eines Dükers dauerhaft unter das Flussbett zu verlegen, scheiterte aufgrund der Wassermenge und des schwierigen Baugrunds, erklärte Christine Pinnow von der SH Netz AG. Bei der Suche nach einer anderen Querungshilfe hatten SH Netz und LBV dann den Bau einer freistehenden Rohrbrücke ins Spiel gebracht. Diese Planung stieß allerdings bei der Gemeinde auf wenig Gegenliebe und großen Widerspruch. „Ein solches technisches Bauwerk wäre eine Verschandelung des Bereiches gewesen, den wir gerade mit großem Aufwand attraktiver gestalten wollen“, sagt Rönck, die im Auftrag des Planungsausschusses und ermächtigt durch die Gemeindevertretung das Gespräch mit den Planern suchte.

Der neue Vorschlag sieht nun vor, die Leitungen in eine eigenständige Fußgängerbrücke zu integrieren, die nahtlos neben der Autobrücke über die Schwentine führt. Sollten die Belastungen für eine Konstruktion zu schwer sein, habe man die Option, auch den zweiten Bürgersteig als getarnte Rohrbrücke zu errichten, sagt Rönck. Aus Kostengründen hoffe sie allerdings, dass eine Extra-Brücke ausreiche, da die Gemeinde an der Finanzierung des Mehraufwandes beteiligt werde. Eine Kostenschätzung könne man noch nicht abgeben, da die gesamte Baumaßnahme jetzt neu geplant werden müsse. „Es stehen aber ausreichend Mittel bereit“, stellt Sommerburg mit Blick auf bereits erteilte Aufträge sowie die Ankündigung des Wirtschaftsministeriums fest, deutlich mehr in die Sanierung und den Erhalt der Landesstraßen zu investieren. Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) plant mit dem Haushalt 2018 rund 90 Millionen Euro „auf die Straße“ zu bringen und mit 30 Millionen Euro mehr als im Vorjahr den Sanierungsstau zu bekämpfen. Auf der Prioritätenliste stehen sowohl das Ersatzbauwerk für die L 56 in Malente wie auch die Sanierung der L 161 zwischen Liethkaten und Hutzfeld. Beide Maßnahmen werden auf drei Millionen Euro taxiert.

Die Schwentinebrücke im Zuge der Hindenburgallee (L 56) hat weit mehr als ein Jahrhundert lang klaglos ihren Dienst getan. Sie war die erste Brückenquerung an dieser Stelle, zuvor musste die Schwentine über eine Furt überwunden werden. Erst ab 1852 konnte der Fluss trockenen Fußes passiert werden.

Die Brückenerneuerung wird um die neun Monate in Anspruch nehmen und sollte nach der ursprünglichen Planung bereits in vollem Gange sein. Die damit verbundene Sperrung der Hindenburgallee bleibt den Malentern vorerst jedoch erspart.

 Dirk Schneider

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