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Ostholstein Streit ums Erbe: Timmendorfer Millionen-Grundstück versteigert
Lokales Ostholstein Streit ums Erbe: Timmendorfer Millionen-Grundstück versteigert
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10:54 15.03.2016
Das Grundstück in der Strandallee 89a, Timmendorfer Strand, wurde für 4,1 Millionen Euro versteigert. Quelle: Sabine Latzel

Ein Hauch von Geld lag am Montagmorgen schon vor den Toren des Eutiner Amtsgerichtes in der Luft: Auffällig viele Kraftfahrzeuge aus dem hochpreisigen Bereich rollten den Jungfernstieg entlang, Parkraum für die großen Wagen war eher knapp. Voll wurde es dann auch wenig später in Saal C, dem Ziel der illustren Besucherschar. Dort stand die Versteigerung von drei nebeneinander liegenden Grundstücken in Timmendorfer Top-Lage an, die schließlich für über vier Millionen Euro eine Käuferin fanden und um die sich eine schillernde Hintergrundgeschichte rankt.

 

Hamburger Institution: Mitten in St. Georg liegt das Hansa-Theater, Deutschlands ältestes Varieté-Theater, das 1894 eröffnete.

Denn das zusammengerechnet 2800 Quadratmeter große Timmendorfer Gelände — optisch als verwilderter Garten mit einem älteren Ferienhaus recht unspektakulär — gehörte offenbar zur Erbmasse dreier Schwestern: den Töchtern von Telse Grell, 2011 verstorbene Chefin des legendären Hansa-Theaters in Hamburg. Wegen Uneinigkeiten innerhalb dieser Erbengemeinschaft, hieß es gestern außerhalb des Gerichtssaals, sei das in 50 Metern Luftlinie zum Strand gelegene Areal an der Strandallee nicht auf dem freien Markt verkauft, sondern die Versteigerung „zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft“ angesetzt worden.

Unscheinbar: Auf dem Timmendorfer Gelände steht nur ein kleines Ferienhaus, Baujahr 1935.

Diese Versteigerung lockte zahlreiche Interessenten an, darunter auch einige bekanntere Gesichter aus Timmendorfer Strand. Die drei Schwestern selbst erschienen in Begleitung von insgesamt sechs Anwälten beziehungsweise Beratern, was möglicherweise aus Erfahrungen aus einer vorherigen juristischen Auseinandersetzung zwischen den Damen resultierte. Im Herbst 2015 stritten sie vor Gericht um den Hamburger Immobilienbesitz: vier Gebäude am Steindamm in St. Georg, in denen sich auch das Hansa-Theater befindet und deren Wert im zweistelligen Millionenbereich liegen soll. Eine der Schwestern hatte die Auszahlung ihres Erbes und ansonsten den Verkauf der Gebäude gefordert.

Was wiederum in der Hansestadt um die Zukunft des Hansa-Theaters fürchten ließ, das Paul Wilhelm Grell 1894 gründete und das unter seinem Sohn Kurt und seiner Schwiegertochter Telse Grell zeitweise zum berühmtesten Varieté-Theater Deutschlands avancierte. Zwar musste das Theater Ende 2001 wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen, doch gelangte es unter der Ägide der Macher vom St.

Pauli-Theater seit 2009 wieder zu neuer Blüte. Daran hat der Erbstreit anscheinend nichts geändert. Geeinigt hätten sich die Schwestern wohl nicht, hieß es gestern von Seiten des Theaters, doch der Vertrag der derzeitigen Betreiber gelte für die kommenden fünf Spielzeiten.

Von dieser bunten Welt scheint das kleine, braune Holzhaus, Baujahr 1935, an der Timmendorfer Promenade, nahe des Saunarings, denkbar weit entfernt. Tief in die Tasche beziehungsweise ins Portemonnaie greifen wollten dafür trotzdem einige der in Eutin versammelten Bieter. „Der Markt in Timmendorf ist überhitzt“, erklärte einer der Anwesenden, was sich dann auch rasch bewahrheitete:

Stolze vier Millionen Euro hätte beispielsweise der Vertreter einer Baugesellschaft für das Areal springen lassen. Den Zuschlag erhielt jedoch eine Bieterin, die in der Nähe des Grundstücks wohnt und die auf 4,1 Millionen Euro erhöhte. Und was wird jetzt aus dem Gelände? Erst einmal nichts, sagt die neue Eigentümerin. Sie wolle dort zunächst nur ein wenig „aufräumen“ lassen. Der Kauf sei eine Art Spekulation, „und Zinsen bekommt man für das Geld ja nicht“.

Von Sabine Latzel

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