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Ostholstein Strommast ist nicht gleich Strommast
Lokales Ostholstein Strommast ist nicht gleich Strommast
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22:34 05.06.2015
Model „The Trolls“: Der Österreicher Rudolf Brandstötter hat diese Masten konzipiert. Sie sollen wie Skulpturen, fast schon menschlich in der Landschaft wirken. Quelle: Grid Expo
Ostholstein

Die neuen 380-Kilovolt-Stromautobahnen in den Kreisen Segeberg, Stormarn und Ostholstein befinden sich in der heißen Planungsphase. In diesem Stadium sind innovative Vorstöße noch möglich. Und dies nicht allein bei der Findung der verträglichsten Trasse, sondern auch in optischer Hinsicht. Der Kreis Ostholstein hat das Thema angepackt und externe Anbieter eingeladen, die aufzeigen, das Strommast nicht gleich Strommast ist. Ganz losgelöst davon, ob die innovativen Alternativen finanzierbar und obendrein auch noch genehmigungsfähig sind, zeigen die LN einige stylische Masten und befragten die Kommunen, wie sie grundsätzlich zur Frage der Optik stehen.

 Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) erklärt: „Moderne und vor allem auch schmale Masten können helfen, das Landschaftsbild nicht so stark zu beeinträchtigen. Deshalb sollten wir dieses Thema im Blick behalten.“ Amtskollege Klaus Winter (CDU) aus Lensahn meint: „Wenn es Masten gibt, die sich optisch besser ins Landschaftsbild einpassen, wäre dies begrüßenswert, auch wenn die Kosten dadurch steigen.“

Ähnlich sieht es Martin Voigt (parteilos) in Oldenburg. „Der letzte Cent darf bei diesem Projekt nicht entscheiden. Die Optik ist gerade für den Tourismusstandort Ostholstein bedeutsam.“ Voigt fordert eine geschlossene Marschroute aller betroffenen Kommunen — auch in der Optikfrage.

Ellen Brümmer (CDU), amtierende Bürgermeisterin in Bad Schwartau, kann der Design-Diskussion nicht viel abgewinnen. „Es löst ja nicht unser Problem. Die Beeinträchtigung der Sichtachsen sind zwar auch Thema, aber es hilft nicht gegen Elektrosmog“, so Brümmer, die keine Alternative zur Erdverkabelung sieht.

Stefan Kehl, Chef der Grünen-Kreistagsfraktion in Stormarn, glaubt, dass die Menschen mit den normalen Strommasten gut leben können. „Die Menschen bewegt ja eher das laute Gebrumme der Leitungen und die elektrische Energie.“ Gleichwohl findet er die unterschiedlichen Entwürfe von modernen Strommasten „ganz lustig und teilweise skurril“.

Und äußert den Vorschlag: „Wenn man dem Ministerpräsidenten von Bayern, Horst Seehofer, vorschlagen würde, für die Strommasten Modell zu stehen, dann wäre er ja vielleicht bereit, die Stromleitungen, die aus dem Norden kommen, durch sein Bundesland laufen zu lassen.“ Joachim Wagner, Fraktionschef der CDU und stellvertretender Landrat, würde sich selbst als Modell zur Verfügung stellen, um die Strommasten in Menschenform nach vorne zu bringen. „Aber Spaß

beiseite: Es sind witzige Ideen darunter, es ist vielleicht auch mal etwas anderes, als die klassischen Strommasten.“

Anregungen für neue Mast-Designs steht auch Netzbetreiber Tennet positiv gegenüber. Tennet selbst sei führend bei der Entwicklung alternativer Masttypen. Wie beim Wintrack-Design, das in den Niederlanden eingesetzt wird. Aktuell plane Tennet den Bau alternativer Vollwandmasten (siehe Bild) auf einer ersten Pilotstrecke an der Westküste Schleswig-Holsteins.

Die Entwicklung vom Design bis zum einsatzfähigen Mastgestänge sei in Deutschland aufgrund komplizierter Produktionsanforderungen sowie strenger Normen und Sicherheitsvorschriften mit erheblichem zeitlichen Aufwand verbunden. „Es war ein jahrelanger Prozess, bis es grünes Licht für den Kompaktmast gab, der jetzt in Brunsbüttel verbaut wird“, erklärt Tennet-Sprecher Peter Hilffert. Ferner seien die Kosten zu ermitteln und seitens der Bundesnetzagentur anzuerkennen.

pm/kks/sep

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