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Ostholstein Strukturschwäche: Oldenburger Gewerbezentrum sucht Mieter
Lokales Ostholstein Strukturschwäche: Oldenburger Gewerbezentrum sucht Mieter
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23:35 08.11.2013
Mehr als die Hälfte der Werkstätten und Büros im Oldenburger Gewerbezentrum steht derzeit leer. Quelle: Fotos: Holger Marohn
Oldenburg

Vorsichtig legt Hubert Zwanzig die silbern glänzende Röhre in die Styropor-Verpackung. In den nächsten Stunden soll die Hochfrequenzspindel mit integrierter Flüssigkeitskühlung für einen Fräsmotor an einen Kunden in Süddeutschland verschickt werden. Im Sommer hat der 41-Jährige sein Unternehmen, die Zwanzig HSC- Drive-Systems, gegründet. Die passenden Räume für die Produktion und den Handel mit den unter anderem in der Autoindustrie benötigen Motoren hat er im Oldenburger Gewerbezentrum (GWZ) gefunden. Das betreibt dort seit 2001 die kreiseigene Entwicklungsgesellschaft Ostholstein.

„Der Gang ins Gewerbezentrum war für mich der richtige Schritt. Mein Standort ist nicht entscheidend“, sagt Zwanzig. Nur der Versandweg müsse funktionieren. Allerdings ist Jungunternehmer Zwanzig in Oldenburg eher eine Ausnahme. Nur gut eine Handvoll Unternehmen nutzen Räume und Infrastruktur des Gewerbezentrums. Ganz anders sieht das im Eutiner Pendant aus. Dort gibt es für die Büros, Lager- und Werkstatträume sogar eine Warteliste. Immer wieder gelingt es auch, Unternehmen nach dem förderungsrechtlich auf acht Jahre begrenzten Verbleib in dem Gewerbezentrum auszugliedern und auf einem Grundstück im benachbarten Gewerbegebiet anzusiedeln. Das würde sich Claus-Peter Matthiensen auch für Oldenburg wünschen.

„Wir kämpfen in Oldenburg aber seit Jahren mit der Strukturschwäche der Region“, räumt der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) ein. Die Stadt und das Umland seien leider sehr anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Die Wirtschaftskraft und die Struktur seien leider nicht so, „wie wir uns das einst erhofft haben“, gesteht Matthiensen. Daher habe er auch die Hoffnung aufgegeben, dass das GWZ Oldenburg so ausgelastet werden könne wie das Eutiner. Aber es sei wichtig gewesen, ein Zeichen im strukturschwachen Raum zu setzen.

Mögliche Chancen sieht Matthiensen für Oldenburg allerdings in einer Öffnung nach Skandinavien. Büros für Planer oder Baufirmen des Belttunnels könnten eine Perspektive sein. Finanziell hält sich die Belastung durch die geringe Belegung für die Egoh allerdings in Grenzen. Durch die hohe Förderquote beim Bau und die damit verbundenen geringen Abschreibungen, müsse die Egoh lediglich vor allem für die fehlenden Einnahmen bei den Nebenkosten aufkommen — laut Matthiensen maximal 50 000 Euro im Jahr.

Doch nicht nur Gewerberäume, sondern auch Beratungen für angehende Firmengründer werden im GWZ Oldenburg angeboten.

Hubert Zwanzig, der vor fünf Jahren von Hamburg ins ostholsteinische Manhagen gezogen ist, ist mit seinen Firmenräumen im Gewerbezentrum glücklich. „Ich muss jetzt einfach mal sehen, wie sich alles entwickelt“, sagt Zwanzig. Dafür hat er mit seiner Firma HSC-Drive-Systems noch gut siebeneinhalb Jahre Zeit. Erst dann müsste er sich aus dem Zentrum ausgliedern.

Das Gewerbezentrum Oldenburg
2200 Quadratmeter vermietbare Fläche hat das Gewerbezentrum Oldenburg. In Eutin sind es 2500. Betreiber ist die kreiseigene Entwicklungsgesellschaft Egoh.
18 Einheiten gibt es in Oldenburg: vier Halleneinheiten mit Halle, Büro, Pantry und WC; vier Werkstatteinheiten mit Büro, Pantry und WC sowie zehn reine Büroeinheiten mit Pantry, WC und wahlweise einem oder zwei Büroräumen.
Die Mieter können außerdem Infrastruktur und Konferenzräume nutzen.

Holger Marohn

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