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Ostholstein Süsel: Ascheaufbereitung wirbelt Staub auf
Lokales Ostholstein Süsel: Ascheaufbereitung wirbelt Staub auf
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21:34 01.06.2017
Die Zufahrt zum Recycling-Betrieb der Gollan AG zweigt von der Landesstraße 309 zwischen Süsel und Neustadt ab. Quelle: Fotos: Eckhard Meier
Süsel

Die Gemeinde will das in ihrer Stellungnahme bei der Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), geltend machen.

Gollan vergrößert Anlage – Anwohner befürchten mehr Lärm und Dreck.

„Mit Staubfahne brettern die Lastwagen da lang." Ein Anwohner

Lkw-Fuhren

Auf die Asche-Anlieferung entfallen derzeit durchschnittlich sieben Lastwagen pro Tag, macht 14 An- und Abfahrten. Künftig sollen es 20 sein, geht aus im Ausschuss zitierten Gollan-Unterlagen hervor. Die Zählung eines Anwohners ergab dagegen insgesamt 74 Lastwagen. Gezählt wurde an drei Tagen jeweils für eine Stunde.

Darauf verständigte sich einmütig der Planungs- und Umweltausschuss. Bestärkt wurde er von zahlreichen Süseler Bürgern, die über eine schon jetzt gestiegene Staub- und Lärmbelästigung durch die Recyclinganlage am Bujendorfer Weg und an der L 309 zwischen Süsel und Neustadt klagten. Betrieben wird die Anlage von der Gollan Recycling GmbH. Kerngeschäft ist neben dem Umschlag von Bio-, Gewerbe- und Hausmüllabfällen die Bauschutt- und Ascheaufbereitung. Die Schlacken kommen zu 90 Prozent aus Verbrennungsanlagen in Schleswig-Holstein, erläuterten die Gollan-Recycling-Geschäftsführer Axel Guttmann und Hans-Georg Oetgen, nämlich aus Neustadt, Kiel und Tornesch. Dazu kämen noch geringe Anlieferungen aus Hamburg.

Die alte Anlage kann mit 50000 Tonnen Asche im Jahr gefüttert werden, die neue schluckt 150000 Tonnen. Diese Steigerung macht die Süseler misstrauisch, auch wenn die Gollan-Vertreter beschwichtigten. Die neue Anlage – ihre Kosten werden auf 940000 Euro beziffert – werde leiser arbeiten, weil sie gekapselt und in eine Senke gestellt sei. Dank moderner Technik werde sie zudem schneller mit der Asche fertig, deshalb die höhere Inputmenge. Es gehe um 70000 bis 80000 Tonnen Durchsatz im Jahr, mehr dürften es kaum werden. Dafür müsste Asche aus Niedersachsen geholt werden, was die Aufarbeitung wegen der Transportwege unwirtschaftlich mache. Auch das Zwischenlager von 20000 Tonnen verkrafte keinen höheren Mengen.

Prompt wurde die Frage aufgeworfen, warum nicht 80000 Tonnen als Obergrenze festgeschrieben werden. Die Gemeinde will das LLUR um Prüfung ersuchen. Denn der Asche-Anlagenbetrieb selbst ist nicht das Problem, es gibt weitere Lärmquellen: Neben Altholz- Schredder, Bauschutt-Brecher und Schlacke-Siebanlage sind das die An- und Abfahrten der Lastwagen auf der unbefestigten und schmalen Zufahrt. „Mit Staubfahne brettern die Lastwagen da lang“, empörte sich ein Anwohner. „Dazu kommen noch die Radlader mit ihrem dauernden Gepiepe“, berichtete eine Frau.

Nicht nur die Straße „Am Beekmoor“, die am nächsten zur Recyclinganlage liegt, leide unter dem Staub – bis in den Wiesenweg werde der Dreck verweht.

Guttmann rechnete vor, dass der Lkw-Verkehr kaum zunehmen werde. Die alte Deponie werde geschlossen und abgedichtet, auf das erlaubte Verfüllen eines weiteren Bereichs verzichtet. Dadurch falle schon bald der Deponieverkehr mit drei bis vier Fahrzeugen täglich weg. Noch etwas versprachen die Recycling-Geschäftsführer: Der geruchsintensive Müll-Umschlag werde überdacht: „Wir werden dort eine Halle bauen, das sichere ich zu.“ Die Reaktion aus dem Publikum fiel skeptisch aus: „Das hören wir seit zehn Jahren.“

Für Verdruss sorgt, dass die neue Anlage bereits steht, „in Kenntnis der Genehmigungsbehörde“, wie die Gollan-Vertreter betonten. Trotzdem fand der Ausschuss-Vorsitzende Klaus Berger (SPD) deutliche Worte: „Sie haben das Pferd falsch aufgezäumt, indem Sie die Anlage erst einmal hingestellt haben.“ Und überhaupt, wandte sich Berger an Gollan und die Strabag AG, die neben dem Recyclinghof ein Kieswerk betreibt: „Die Gemeinde hat immer dafür gesorgt, dass sich die Betriebe entwickeln können, aber irgendwo ist ein Schlussstrich.“ Jetzt seien mal die Anwohner dran. Die Gemeinde werde das Gespräch mit den beiden im Baugeschäft tätigen Unternehmen suchen, damit sie die Zufahrt ausbauen und asphaltieren.

 Arnold Petersen

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