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Ostholstein Sund: Brücke oder Tunnel — Schlagabtausch im fernen Berlin
Lokales Ostholstein Sund: Brücke oder Tunnel — Schlagabtausch im fernen Berlin
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16:01 14.10.2014
Wahrzeichen einer ganzen Region: Ostholsteins Bundestagsabgeordnete diskutieren — kontrovers — über die Zukunft der Sundbrücke. Quelle: Schwennsen
Berlin

 Die Hauptrolle: Bund und Bahn sind gefordert, noch in diesem Jahr einen tragfähigen Zukunftsentwurf zu finden.

Das beflügelt in diesen Wochen den politischen Schlagabtausch zwischen den beiden ostholsteinischen Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens (CDU) und Bettina Hagedorn (SPD). Beim Krisentreffen Mitte September mit Landesverkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) direkt am Fehmarnsund traten beide noch gemeinsam auf. Danach folgten aus Berlin getrennte Signale. Schlag auf Schlag. Hagedorn machte den Anfang und forderte, wie bereits aktuell in den LN gemeldet, eine „abgespeckte“ Tunnellösung am Sund — damit der Norden Ostholsteins nicht mit täglich bis zu 78 Güterzügen auf einem doppelten Brücken-Neubau „ungebremst im Lärm erstickt“.

Egal ob Absenk-oder Bohrtunnel: „2 plus 2“ — so lautet ihre Zauberformel. Sprich: Ein neuer Tunnel müsste einen zweigleisigen Schienenstrang, aber auch nur eine zwei- statt viergleisige Straße aufnehmen. Denn die bestehende Sundbrücke könnte problemlos die beiden anderen Fahrspuren bedienen. Hagedorn: „Dadurch verkleinert sich der Tunneldurchschnitt enorm, der Eingriff wird minimiert und gleichzeitig werden die Kosten gesenkt.“ Sogar ohne Zeitdruck: Denn Hagedorn hält die Inbetriebnahme der Hinterlandanbindung Ende 2021 für unrealistisch: „Ich persönlich gehe — wenn überhaupt — von frühestens 2026 aus.“

Schöne Nebeneffekte aus ihrer Sicht: Für Ostholstein wäre der „Kleiderbügel“ als Wahrzeichen somit nachhaltig gesichert und müsste zudem weder vom Kreis noch vom Land auf Dauer finanziert werden.

Ihre Spitze gegen das Verkehrsministerium: „Man stelle sich nur die Konsequenz des Ferlemann-Vorschlages vor: drei Brücken nebeneinander? Das müsste doch jeder Reisende für einen Schildbürgerstreich halten.“

Gädechens reagierte tags darauf nach einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Staatssekretär Enak Ferlemann: Alle Varianten würden ergebnisoffen geprüft. Damit widersprach er der Position der Kreis-SPD, wonach es bereits eine „Lieblingsvariante“ im Ministerium gäbe. Ferlemann habe zwar die „Zwei-Brücken-Lösung“ präferiert, wollte damit aber keinem Untersuchungsergebnis vorgreifen. Das hatten freilich auch etliche Parteifreunde anders verstanden.

Gädechens selbst warb in dem Gespräch nochmals für eine Tunnellösung. Dafür führte er ein ganzes Bündel an triftigen Argumenten an. Es könne nicht sein, dass immer wieder Lkw und Wohnwagengespanne die alte Sundbrücke nicht passieren dürften. Ein Tunnel würde dieses Dauerproblem lösen. Außerdem: Für den Tourismus- und Wirtschaftsstandort Ostholstein und insbesondere für Fehmarn sei es entscheidend, dass ein absehbarer Engpass auf der Vogelfluglinien vermieden werde. Gädechens: „Die ständige Erreichbarkeit der Insel muss gewährleistet sein.“

Mit Blick auf die Kosten vermisst der Unions-Politiker bislang eine konkrete Aussage vom Minister Meyer darüber, inwieweit sich das Land seiner Verantwortung stelle. Schließlich gehöre die Sundbrücke je zur Hälfte dem Land Schleswig- Holstein und der Deutschen Bahn, die gleichzeitig für den Unterhalt des Brückenbauwerkes zuständig sei. Gädechens: „Ist das Land bereit, sich an den Mehrkosten einer Tunnellösung zu beteiligen?“

DenkMal! Sundbrücke 2014 auf der Titelseite
Die Sundbrücke ist auf der Titelseite gelandet. Ein Jahr nach ihrem 50-jährigen Jubiläum würdigt die Zeitschrift „DenkMal!“ (Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein) das Wahrzeichen des nördlichsten Bundeslandes ganz besonders. Ihr Schriftleiter Dr. Heiko K. L. Schulze geht detailliert vor allem auf die Baugeschichte und die Urheberschaft der kühnen Brückenkonstruktion ein, die seit 1999 unter Denkmalschutz steht. Es half ein Zufallsfund: das reich bebilderte Bautagebuch aus dem anonymen Nachlass vermutlich eines Ingenieurs, aufbewahrt in der Landesbibliothek.
gjs DenkMal!, Boyens Verlag, Heide, Jahrgang 21/2014, 12 Euro.

Gerd-J. Schwennsen

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