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Ostholstein Sundbrücke: Sieben Tragseile defekt
Lokales Ostholstein Sundbrücke: Sieben Tragseile defekt
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18:54 28.09.2018
Dauerpatient Sundbrücke: Die Bahn plant immer wieder umfangreiche Bauarbeiten ein. Quelle: Gerd-J. Schwennsen
Fehmarn/Großenbrode

Der „Kleiderbügel“ bleibt ein Dauerpatient. Eine umfangreiche Untersuchung hat ergeben, dass die Deutsche Bahn weitere sieben der insgesamt 80 Tragseile der Sundbrücke austauschen muss. Bis 2021 sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Es muss mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet werden.

Auf das Fazit der Untersuchung wurde lange gewartet. Besonders die Menschen in Großenbrode und auf Fehmarn mussten sich in Geduld üben. Eigentlich wollte die Bahn schon Ende 2017 Ergebnisse vorlegen, verschob dies dann aber auf den Sommer 2018. Als Hauptgrund nannte Bernd Homfeldt, DB-Projektleiter für die Schienenanbindung der festen Fehmarnbeltquerung, die sehr aufwendige Prüfung der Seilenden sowie deren Verankerung in den Seilkästen: „Sie mussten alle von einem Gerüst aus einzeln geöffnet werden.“

Ungewissheit hat ein Ende

Doch jetzt hat die Ungewissheit ein Ende. Die Deutsche Bahn und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) haben sich auf eine Fortführung ihres Instandhaltungsprogramms verständigt, um einen weiteren sicheren Betrieb der Sundbrücke zu gewährleisten. Konkret: „In den kommenden drei Jahren sollen sieben am Kleiderbügel gespannte Stahlseile ausgetauscht werden“, bestätige Bahnsprecher Peter Mantik den LN.

Der Befund klingt alarmierend: „Für Seile mit teilweisen Querschnittsminderungen wurden die Schädigungen sowohl rechnerisch als auch physisch geprüft“, heißt es seitens der Bahn. Das Unternehmen versichert zugleich aber, dass „noch ausreichende Sicherheitsfaktoren vorliegen“, und spricht daher nur von „vorausschauender Instandhaltung“.

Deshalb plant die Bahn einen Tausch von stärker geschädigten Seilen ein. Für alle Seile der Sundbrücke gibt es zudem eine Erneuerung des Korrosionsschutzes. Trotzdem unterstreicht die Bahn in einem Bericht an den Rechnungsprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages ausdrücklich: „Es besteht kein Risiko einer Spannungsrisskorrosion.“

„Keine Gefahr für den Verkehr“

Aus Sicht der Deutschen Bahn bestehe damit „keine Gefahr“ für den Straßen- oder Bahnverkehr. Das nunmehr 55 Jahre alte Bauwerk erfordere jedoch einen laufenden Instandhaltungsprozess. Homfeldt: „Das Austauschen der Tragseile belegt, dass wir unserer Pflicht nachkommen, die Brücke in einem guten Zustand zu halten.“

Welche Kosten dadurch entstehen und wann exakt die einzelnen Seile ausgetauscht werden, steht noch nicht endgültig fest. Abgeschlossen sein sollen die Maßnahmen, die erst 2019 starten, im Jahr 2021. Doch erst wenn alle Details vorlägen, könne die Bahn auch die verkehrlichen Beeinträchtigungen bekannt geben, so Mantik.

Sie dürften aber weitaus gravierender ausfallen als zuletzt bei den Arbeiten der Bahn, als der Verkehr wechselseitig an einer Ampel vorbeigeführt wurde. Dabei kam es teilweise zu kilometerlangen Staubildungen bis Burg und Heiligenhafen.

Kommt es zu Vollsperrungen?

Homfeldt: „Das Austauschen der Tragseile ist eine hoch anspruchsvolle und auch spektakuläre Herausforderung.“ Teilweise sollen bei besonders langen Seilen sogar Kräne zum Einsatz kommen. Zu Jahresbeginn hatte Homfeldt im Gespräch mit den LN temporäre Komplettsperrungen der Sundbrücke nicht ausgeschlossen. „Grundsätzlich besteht aber die Möglichkeit, dies in nächtlichen Sperrungen von jeweils fünf Stunden aufzuteilen“, so Homfeldt damals.

Engpass Sundbrücke: Bei Bauarbeiten kommt es immer wieder – wie erst vor wenigen Wochen – zu kilometerlangen Staus auf der E 47. Quelle: Gerd-J. Schwennsen

Bislang ist nur ein defektes Tragseil ausgetauscht worden. Bei der Aktion mussten unnötige Schwingungen der Brücke durch Lkw vermieden werden. Unterdessen beklagt Ostholsteins Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) schon lange, dass die Bahn die Instandhaltung der Brücke „vernachlässigt“ habe. Zuvor war bekannt geworden, dass angeblich sogar an insgesamt zwölf Tragseilen Schäden entdeckt worden waren. Auch der Bundesrechnungshof schloss sich der Kritik an und pochte darauf, dass die Bahn in der Pflicht sei, die Funktionsfähigkeit der Sundbrücke bis mindestens zum Jahr 2035 sicherzustellen.

Gerd-J. Schwennsen

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