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Ostholstein Symbolisches Säen für eine bessere Landwirtschaft
Lokales Ostholstein Symbolisches Säen für eine bessere Landwirtschaft
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21:21 24.09.2013
Anpacken und mitbestimmen, dafür steht die symbolische Aussaat der Aktion „Zukunft säen“. Etwa 30 Teilnehmer säten auf Hof Hörsten nach Altväterart. Quelle: Fotos: Astrid Jabs

Eine Armlänge Abstand zum Nachbarn, in den Händen rote Tüten mit biologisch angebautem Roggen. So standen jetzt etwa 30 Menschen an einem Acker zwischen Hutzfeld und Dorf Berlin, um eine besondere Saat auszubringen. Ein Symbol setzen dafür, dass jeder Einzelne es selbst mit in der Hand hat, in welche Richtung sich Landwirtschaft künftig entwickeln wird — das ist die Idee hinter der Aussaat nach alter Methode, die auf etwa 20 Demeter-Höfen in Deutschland derzeit im Rahmen von Hoffesten oder Erntedank-Feiern gemeinschaftlich mit interessierten Besuchern vorgenommen wird. Dazu hatte auch der Bosauer Demeter-Landwirt Volker Kwade gemeinsam mit „Provieh“, einem Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung, auf seinen Hof Hörsten eingeladen.

Bevor es auf das vorgepflügte Feldstück ging, hatten die Gäste Gelegenheit, die tierischen Hofbewohner kennenzulernen. Volker Kwade, gelernter Landwirt und Tierhomöopath, konzentriert sich mit Limpurger Rindern, Thüringer Waldziegen, Bayerischen Landgänsen, Gold-Brakel-Hühnern und Schwarzwälder Pferden auf robuste, alte Nutztierrassen. In dem ausbalancierten Gefüge von pestizid- und chemiefreiem Futter aus eigenem Anbau, artgerechter Haltung und gesunder, hochwertiger Nahrung können Verbraucher als Teil einer Solidargemeinschaft ihren Platz finden. Volker Kwade plant seinen Hof nach dem Modell einer community supported agriculture (CSA). Dabei beteiligen sich die Kunden über eine monatliche finanzielle Einlage am Hofbetrieb und erhalten im Gegenzug ihren Teil an den dort erwirtschafteten Produkten. Auf dem Hof Hörsten sind das Fleisch, Eier und Käse.

Über die Abnahmegarantie kann der Landwirt nach biologisch-dynamischen Gesichtspunkten arbeiten, ohne den auf Optimierung zielenden Marktgesetzen unterworfen zu sein. Die Kunden werden in diesem Modell zu Partnern, die außer Geld auch ihre Arbeitskraft einbringen und über die Wirtschaftsweise mit entscheiden können. Dazu gehört auch die Feldarbeit mit den Schwarzwälder Braunen. Zu dritt stehen sie auf der weitläufigen Weide. Der 15-jährige „Larsson“ ist bereits für seine Aufgaben ausgebildet und zieht die Egge nach der Aussaat über die Furchen.

21 Hektar groß ist Hof Hörsten, das Land liegt in einer Senke und taugt damit nur begrenzt für Getreide- und Gemüseanbau. Die Lage hat aber auch viele Vorteile: Die Wiesen sind auch bei Trockenheit immer grün, und der Freiflug der Gänseschar stört niemanden.

Darüber, wie eine Partnerschaft mit den Kunden über das CSA konkret aussehen kann, wird Kwade an einem demnächst stattfindenden Informationsabend mit allen Interessierten reden, die sich auf eine entsprechende Liste eingetragen haben. Etwa 80 Unterstützer sind für ein Gelingen nötig. Davon unabhängig gibt es außerdem die Möglichkeit, sich regelmäßig über das aktuelle Produktangebot in Kenntnis setzen zu lassen.

Fragen zum Hof und zu CSA beantwortet Volker Kwade, Tel. 045 27/97 28 81.

Ein Verein kontrolliert seine Biobauern
Das Demeter-Siegel kennzeichnet Produkte aus biologisch-dynamischem Anbau. Seit seiner Vergabe 1928 wird die Einhaltung der damit verbundenen Richtlinien kontrolliert. Ihre Wurzeln hat diese Form der Landwirtschaft in der Anthroposophie.


Im Demeter-Verein sind etwa 330 Erzeuger, Hersteller und Vertragspartner organisiert. Weltweit gibt es nach Demeter-Angaben 4500 Bauern, die in 50 Ländern etwa 142 000 Hektar Fläche nach Demeter-Richtlinien bewirtschaften. In Deutschland arbeiten 1400 Demeter-Bauern auf 66 000 Hektar.


Der Name geht auf die griechische Göttin der Fruchtbarkeit, Erde, Getreide, Saat und der Jahreszeiten zurück.

Astrid Jabs

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