Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Syrische Familie sucht ein größeres Zuhause
Lokales Ostholstein Syrische Familie sucht ein größeres Zuhause
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:25 12.04.2017
Der Eutiner Helfer Helmut Koglin (Mitte) unterstützt die Familie Haj Kassem aus Syrien bei der Suche nach einer größeren Wohnung. Quelle: Foto: Düvell-Veen

Oft träumen sie auch tagsüber von ihrer syrischen Heimat – von ihrem Haus samt Garten und von der eigenen Werkstatt. Ehe der Krieg ausbrach, lebte die Familie Haj Kassem glücklich und zufrieden etwa 20 Kilometer von Aleppo entfernt.

Mehr als sechs Jahre ist es her, seit sich Eltern und Kinder zusammen mit vielen Tausend anderen Menschen auf die Flucht machten, um Krieg und Elend zu entrinnen. Vater Ibrahim (heute 47) war zuvor bei einem Bombenangriff schwer verletzt, sein Sprunggelenk zerschossen worden. Nur mühsam konnte er sich auf Achselstützen fortbewegen. Während er auf lebensgefährlichen Wegen nach Deutschland kam, lebten Mutter und Kinder lange Zeit in einem Flüchtlingslager in der Türkei.

In Eutin haben die Eltern mit ihren vier Kindern eine neue Heimat gefunden. Vater Ibrahim und Mutter Batoul (37) wohnen in einem Zimmer in der Charlottenstraße, die Töchter Aisha (18) und Riem (15) sowie Sohn Mahoud (17) sind im ehemaligen Katasteramt untergebracht. Der jüngere Sohn Jahea (12) lebt bei einem Onkel in Schweden. Nur zu gerne hätten Eltern und Geschwister ihn wieder bei sich. Aber es ist einfach zu eng, zumal die Eltern im Juli wieder Nachwuchs erwarten.

Die Haj Kassems sind als Flüchtlinge anerkannt. Sowohl die Eltern als auch die Kinder lernen Deutsch. Unterrichtet werden sie in der Volkshochschule, in der Wisser-Gemeinschaftsschule und in der Kreisberufsschule.

Große Hilfe und Unterstützung bekommt die syrische Familie von Helmut Koglin. Der 66-jährige Hörgeräteakustiker hat schon vieles versucht. Er hat Kontakt zu Wohnungsbaugesellschaften aufgenommen und sich auf Zeitungsannoncen hin gemeldet. Bislang vergeblich. Dabei möchte er so gerne helfen, kann er sich doch gut in die Lage der Haj Kassems hineinversetzen. „Meine Eltern sind damals aus Pommern geflüchtet. Ich weiß, was das bedeutet“, erzählt er.

Die Absagen von Wohnungseigentümern waren unterschiedlich. Die einen wollen oder können nicht sechs Personen Raum bieten, die anderen möchten ihre Immobilie doch lieber verkaufen als vermieten. Und eine Wohnungsbaugesellschaft ließ ihn klipp und klar wissen: „Wir wollen keine Ausländer.“

Die Wohnung für die Familie Haj Kassem sollte idealerweise vier Zimmer haben. Koglin rechnet vor: „Das Jobcenter bezahlt für sechs Personen eine 110 Quadratmeter große Wohnung und übernimmt die monatliche Miete von bis zu 780 Euro, einschließlich Nebenkosten.“ Sollte der Sohn Jahea aus Schweden dazu kommen, werden 68 Euro mehr Miete gezahlt.

Am liebsten würde die Familie in Eutin bleiben. Denkbar wäre aber auch ein neues Zuhause in Malente. Eine Wohnung wäre schon schön, noch besser natürlich wäre ein kleines Haus. Dort könnte dann der Vater, der von Beruf Fliesenleger ist, nach Herzenslust wirken. „Er ist ein sehr guter und vielseitiger Handwerker“, sagt Helmut Koglin. Der setzt alle Hoffnungen in die Eutiner und Malenter Vermieter und sagt: „Wenn ich die Wohnungssuche nicht versuche, habe ich keinen Erfolg. Wenn ich sie aber versuche, habe ich wenigstens eine Chance.“

 Christina Düvell-Veen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige