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Ostholstein Tag des Friedhofs – wo berühmte Söhne ruhen und Ehrenbürger (fast) vergessen sind
Lokales Ostholstein Tag des Friedhofs – wo berühmte Söhne ruhen und Ehrenbürger (fast) vergessen sind
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22:15 10.09.2016
Dieses Grab von Robert Schade, Ehrenbürger der Stadt, zählt zu den Grabstätten, die die Stadt einmal jährlich in Ordnung bringt.

Wenn der Eutiner Rainer Hamer die Grabstelle seiner Eltern besucht, kommt er an der Ruhestätte des Ratsherren Robert Schade (1850-1916) vorbei. „Die dankbare Stadt Eutin“ so steht auf dem großen Stein zu lesen, hat sie „dem Gedächtnis des treuen Ratsherrn, des edlen Menschenfreundes, des Vaters der Bedürftigen“ errichtet. Das ist lange her. Heutzutage vermisst Rainer Hamer Aufmerksamkeit für die Gräber derer, die sich verdient gemacht um die Stadt und die keine Angehörigen haben, die die Pflege übernehmen könnten: „Auf dem Marktplatz steht ein Ehrenmal, dazu werden sieben Sitzungen abgehalten, aber hierfür hat man keinen Blick“, so Hamer während eines Spazierganges über den Friedhof.

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Dieses Grab von Robert Schade, Ehrenbürger der Stadt, zählt zu den Grabstätten, die die Stadt einmal jährlich in Ordnung bringt.

Anlass für die Verabredung war ein plattdeutsch formulierter Leserbrief an die LN, mit dem Hamer am Beispiel von Schade „Sien Graff süüt ut wi Kaukoppel: Gras un Kreihenfoot (Gösch)!“, auf den Zustand der Grabmale und auf die Menschen hinter den großen Namen lenken wollte: „Wenn auf der LGS gepflanzt wird, ist das eine Schlagzeile wert, hierher kommt kaum jemand“, beklagt er. Er selbst gießt die Begonien auf Kurt Brincks Grab und den Rosenstock von Wilhelm Wisser. Am Stein des „Märchenprofessors“ leuchten immer mal wieder ein paar Blumen, vor allem nach seinem Geburtstag am 27.

August. Hamer sieht die Stadt in der (moralischen) Pflicht, die Orte des Erinnerns in Ehren zu halten: „Villicht kann doch uk mol de ,dankbare Stadt Eutin’ na ditt Graff un anner Graffstellen kieken!“, heißt es in seinem Leserbrief.

Dass dies geschieht und die Gräber keineswegs vergessen sind, zeigt eine Nachfrage im Rathaus: „Wir pflegen drei Ehrenmäler (Fissau, Neudorf und in der Oldenburger Landstraße) und dazu noch sieben weitere Gräber. Im Jahr 2001 wurden die Grabsteine von Andreas Hofmeier und Dr. Hans-Heinrich Sievert gereinigt und an eine repräsentiere Stelle am Weg des alten Friedhofes gesetzt. Für die Grabstätte von Brinck wird die Jahrespflege (Frühjahrs- und Sommerbepflanzung sowie Winterabdeckung) durch die Friedhofsverwaltung vorgenommen. Auf Anregung der Johann-Heinrich-Voß- Gesellschaft wurde 1998 der Erhalt des Hausgrabes der Famile Voß als ,ewiges Grab’ auf dem Friedhof zugesagt. Die Grabstätten der ehem. Bürgermeister und Ratsherren Völkers, Robert Schade und Albert Mahlstedt sind 1980 mit einheitlichenm, immergrünen Bodendeckern bepflanzt worden. Die Grabstätten von Mahlstedt, Schaden, Völkers und Voß werden einmal jährlich durch den Baubetriebshof gepflegt“, so Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt auf Anfrage.

Falscher Stein am falschen Ort

An der Eutiner Friedhofsmauer begegnet man berühmten Namen, die auch die Eutiner Straßen zieren. Und mittendrin das Grab von Johann Heinrich Böhmcker.

Böhmcker (1896 bis 1944), war berüchtigter SA-Mann und NSDAP-Mitglied. Als Regierungspräsident war er 1933 mitverantwortlich für die Errichtung des KZ Eutin, das von Oktober 1934 zum Teil als sogenanntes „wildes KZ“ in Ahrensbök weitergeführt wurde.

Der Name Böhmcker ist untrennbar mit NS-Terror, Gewalt und unsäglichem Leid verbunden. Und mit einem Mangel an Geschichtsbewusstsein: Denn was – diese Frage wird von Eutinern gestellt – hat ein Gedenkstein für diesen Mann ohne erläuternden Kommentar an diesem Platz zu suchen? aj

Termine und Orte zum Tag des Friedhofs

Die Kirchengemeinde Curau lädt am heutigen Sonntag auf den Friedhof an der Curauer Dorfstraße 6. Beginn ist um 10 Uhr mit einem Gottesdienst zum Thema „Was uns da oben erwartet“ mit Pastor Florian Gottschalk. Nach einer Tasse Kaffee werden der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Rolf Petersen, sowie Pastor Gottschalk Bestattungsmöglichkeiten erläutern. Ältere Kinder und Jugendliche sind eingeladen, in kleinen Gruppen an einer „Friedhofsrallye“ teilzunehmen und die Anlage auf eigene Faust zu erkunden. Die Veranstaltung endet nach Bedarf zwischen 12 und 13 Uhr.

In Niendorf beginnt der Gottesdienst heute um 11 Uhr in der Friedhofskapelle auf dem Friedhof an der Hävener Allee. Im Anschluss laden die Veranstalter zu einem kleinen Imbiss ein. Henrik Knoop, Mitglied im Kirchengemeinderat, bietet Führungen über den Friedhof an und der Bestatter Andreas Mundt beantwortet Fragen zum Thema Bestattung. Dazu gibt es Anschauungsmaterial.

Kinder können einen Nistkasten bauen oder an einer Blumenpflanzaktion teilnehmen. Der Friedhofstag endet gegen 15 Uhr.

In der Kirchengemeinde Süsel beginnt der „Tag des Friedhofs“ am Sonntag, 25. September, mit einem Themengottesdienst um 10 Uhr in der Laurentius-Kirche. Von 11 bis 12.30 Uhr haben die Gäste auf dem Friedhof Gelegenheit, sich zu informieren.

Die Kirchengemeinde Neukirchen/Oldenburg feiert am Sonntag, 18. September, von 10 bis 13 Uhr den „Tag des Friedhofs“ auf dem neuen Friedhof in der Dorfstraße, 23779 Neukirchen.

Astrid Jabs

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