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Ostholstein Tanja Rönck erobert das Rathaus
Lokales Ostholstein Tanja Rönck erobert das Rathaus
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20:40 20.06.2016
Sie jubelten angesichts der guten Ergebnisse: die künftige Bürgermeisterin Tanja Rönck, Ehemann Andreas Rönck sowie Karin und Holger Bröhl von den Freien Wählern Malente, die Rönck aufgestellt hatten. Quelle: Fotos: Peyronnet

Als alles vorbei war, brauchte sie doch noch einen Spickzettel, etwas, was im gesamten, zehn Monate und vier Tage langen Wahlkampf nicht vorgekommen war. Eine strahlende Tanja Rönck las vom Blatt ab, wem sie alles danken wollte. Die 46-jährige parteilose Amtsrätin im Amt Oldenburg-Land holte sich am Sonntagabend den Sieg bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt von Malente. Unterstützt worden war sie von den Grünen und den Freien Wählern Malente (FWM).

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Bürgermeister Michael Koch (l.) und Gemeindewahlleiter Wolfgang Kienle danken Ann-Kathrin Hoffmann für ihre Arbeit.

Susanne Peyronnet

zum Ergebnis der

Stichwahl in Malente

Ganz am Ende der langen Liste stand der besonders innige Dank an Ehemann Andreas „Dreas“ Rönck. Er habe vor ihr gestanden, um sie von vielem abzuschirmen, und hinter ihr, um sie zu stützen.

Wie schon beim ersten Wahlgang liefen die Zahlen aus den 16 Wahllokalen im Foyer der Schule an den Auewiesen auf der großen Leinwand zusammen, gesteuert von Ann-Kathrin Hoffmann, Leiterin der Sachbereichs Bürgerservice im Rathaus. Für alle, die dabei waren, gab es zu Beginn des Wahlabends ein Deja-vu-Erlebnis: Im ersten ausgezählten Wahllokal, in Neukirchen, lag wie schon beim ersten Wahltermin vor drei Wochen Christian Witt vorne. Auf ihn entfielen dort 53,9 Prozent. Doch dann wendete sich das Blatt. Rönck holte Wahllokal für Wahllokal: Malkwitz 77,5 Prozent, Awo-Kinderhaus 74,7 Prozent, Grundschule Malente 74,2 Prozent. Bis auf Neukirchen blieb Witt überall unter 50 Prozent. Damit bestätigte Rönck den Trend aus dem ersten Wahlgang, als sie bei drei Gegenkandidaten 48,4 Prozent holte.

Nach Sieg und Feier war Rönck gestern schon wieder aktiv. Bis Mittag waren alle Wahlplakate abgeräumt. Ihre Stimmungslage beschreibt die künftige Bürgermeisterin so: „Ich freue mich sehr. Ich werde mich ab dieser Woche bereits auf das neue Amt vorbereiten.“ Amtsinhaber Michael Koch (CDU) habe ihr dazu seine Hilfe angeboten. „Das finde ich ganz großartig.“ Was sie aus den vielen Gesprächen im Wahlkampf mitgenommen habe und als erstes umsetzen will, ist für sie klar: „Ich werde sehr an der Transparenz arbeiten. Ich würde gerne ein Ratsinformationssystem einführen.“ Sie wolle, so Rönck, die Menschen mitnehmen, das gelte auch für die Mitarbeiter im Rathaus.

Freude über das eindeutige Ergebnis herrscht bei FWM-Fraktionschef Holger Bröhl. Die FWM hatte Rönck ins Rennen geschickt. „Wir haben viel gearbeitet für den Erfolg, wie wir das zugesagt hatten“, sagte Bröhl. Er habe Rönck versprochen, dass die FWM sie weiter unterstützen werde. „Sie hat keine leichte Zeit vor sich. Ich rechne damit, dass sie erheblichen Gegenwind bekommen wird“, sagt Bröhl weiter. Die Freien Wähler, kündigte er zudem an, würden angesichts ihres Erfolges jetzt nicht die Nase hoch tragen.

Wahlverlierer Witt versicherte, er sei nicht enttäuscht, zumal Rönck mit einem enormen Vorsprung in den zweiten Wahlgang gestartet sei. Es sei nun mal ein großer Unterschied, ob man wie Rönck ein Jahr lang Wahlkampf mache oder nur elf Wochen wie er. Witt war erst spät als Einzelbewerber ins Rennen gegangen. Jetzt will er sich erst einmal wieder mehr seinem Beruf als Polizeibeamter und dem Privatleben widmen, schließt aber nicht aus, dass er sich in Zukunft politisch engagiere. „Ich habe einen Plan B und hoffe, dass der auch Malente voranbringt.“

Tanja Rönck kehrt erst einmal an ihren Schreibtisch im Amt Oldenburg-Land zurück. Die Amtszeit von Michael Koch (63) im Malenter Rathaus endet in zehn Wochen. Am 29. August hat Koch, der 20 Jahre Bürgermeister war, seinen letzten Arbeitstag. Am 30. August zieht Rönck für zunächst sechs Jahre ins Bürgermeisterbüro ein. Kochs letzte Amtszeit hatte acht Jahre gedauert, angesichts des bevorstehenden Wechsels hatte die Kommunalpolitik die Dauer wieder auf sechs Jahre herabgesetzt.

Die kluge Wahl von Malente

Neben der Tatsache, dass Parteilosigkeit gut ankommt, hat die Bürgermeisterwahl von Malente noch zweierlei gezeigt. Gute und lange Vorbereitung zahlt sich aus. Der oft belächelte frühe Start in den Wahlkampf hat Tanja Rönck einen Vorteil verschafft. Und der Wähler ist schlauer, als mancher Politiker denkt. Die Malenter haben nicht nur eine Kandidatin gewählt, die offen und freundlich rüberkommt, sondern diejenige unter allen Bewerbern, die die größte Fachkompetenz aufzuweisen hat. Gleichzeitig haben die Malenter den von Tanja Rönck beschworenen Generationswechsel gewählt: Die Frau ist kommunikativ, offen, fit in sozialen Medien. Sie wird im Rathaus das Innere nach außen kehren und damit eine Revolution einleiten: Keine Verwaltung weit und breit ist so zugeknöpft gegenüber den Bürgern wie die von Malente.

Noch etwas: Dass jetzt eine Frau den Chefsessel einnimmt, ist keine besondere Erwähnung wert. So etwas sollte im Jahr 2016 genauso eine Selbstverständlichkeit sein, als wenn ein Mann dort Platz nimmt.

Susanne Peyronnet

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