Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Taubenrennen: Anzeige der Tierrechtler wird abgewiesen
Lokales Ostholstein Taubenrennen: Anzeige der Tierrechtler wird abgewiesen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:42 13.08.2018
Diesen Einblick in eine der Volieren auf dem Gelände der Neustädter Veranstalter bekamen die LN im Jahr 2016. *FOTO: SEBASTIAN ROSENKÖTTER
Neustadt

Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst teilte den LN nun auf Nachfrage mit, dass die Annahme eines Anfangsverdachts abgelehnt worden sei. Sie betonte, dass der von Peta vorgetragene Sachverhalt keine „zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte dafür hergab“, dass Tauben „ohne vernünftigen Grund getötet oder den Tieren aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden beziehungsweise länger anhaltende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt“ worden wären. Deshalb sei kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Hingst bestätigte zwar, dass sich die Zahl der Tiere im Laufe der Zeit – also von der Aufzucht über verschiedene Testflüge bis hin zum Wettrennen – deutlich verringert habe, betonte aber: „Allein aus diesem Umstand kann jedoch nicht ausreichend konkret der Schluss gezogen werden, dass die nicht wieder eingesetzten Tiere verstorben waren, denn es sind auch andere Gründe denkbar, warum Tiere nicht wieder eingesetzt wurden.“ Wie viele Tauben Flüge nicht überlebt hätten, lasse sich nicht mit „hinreichender Sicherheit“ sagen.

Ebenfalls seien keine Anhaltspunkte gefunden worden, dass das Ostseerennen unter Bedingungen stattfinde, bei denen absehbar viele Tiere sterben werden. „Hiergegen spricht vielmehr, dass zuvor offenbar tierärztliche Untersuchungen stattfanden. Von außen hinzutretende Umstände, die nicht dem Einflussbereich der Veranstalter unterliegen, wie zum Beispiel die Gefahr der Tötung durch Greifvögel, dürften den Veranstaltern nicht zuzurechnen sein“, sagt Hingst.

Auch der Vorwurf des illegalen Glücksspiels ist nicht mehr Sache der Staatsanwaltschaft. Fakt ist, dass es bei dem Rennen, welches das nächste Mal am 15. September steigt, mehr als 1500 Tauben starten. Der Höchstgewinn beträgt 15000 Euro. Als Startgebühr werden 160 Euro fällig. Davon werden Futter, wochenlange Unterbringung, Preisgelder, Steuern und Angestellte bezahlt. Peta-Justiziar Dr. Christian Arleth hatte den LN Mitte Juni gesagt, dass der Ausgang des Wettbewerbs Zufall und mit einer „gehörigen Portion Glück“ verbunden sei. Eine Einflussnahme sei nicht möglich. Die Staatsanwaltschaft indes hat das Verfahren eingestellt und an die Glücksspielbehörde des Landes weitergeleitet. Hingst betonte, dass eine „gegebenenfalls im Wege des Ordnungswidrigkeitsverfahrens verhängende Sanktion noch ausreichend erschien“. Weitere Details nannte sie nicht.

Antonia Kassner, Mitorganisatorin des Taubenrennens, ist erleichtert, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat: „Wir freuen uns sehr darüber, dass die Staatsanwaltschaft positiv für uns entschieden hat.“ Sie habe von Anfang an keinen Zweifel daran gehabt, dass es für die Organisatoren des Taubenrennens gut ausgehen würde. Seit nunmehr 22 Jahren würden sie und ihr Vater Harry Gerrits mit ihrem Team das „Internationale Ostseerennen“ mit viel Spaß und Herzblut ausrichten und wollten dies auch weiterhin machen.

Peta indes will laut Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung, Akteneinsicht beantragen und prüfen, ob sie Beschwerde einlegen. Zugleich kündigt Haferbeck an, sich weiter mit Taubenrennen beschäftigen zu wollen. „Da es sich um Neuland handelt, bedarf es noch einiger Überzeugungsargumente, das kennen wir aus dem Angelbereich auch“, sagt er zur Beurteilung der Staatsanwaltschaft.

Von Sebastian Rosenkötter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!