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Ostholstein Taubenrennen: Tierschützer zeigen Veranstalter an
Lokales Ostholstein Taubenrennen: Tierschützer zeigen Veranstalter an
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22:01 14.06.2018
Das Bild zeigt einen Taubenschlag der Neustädter Veranstalter im September 2016. Quelle: Foto: Rosenkötter
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Neustadt

Bei der seit 1997 organisierten Veranstaltung fliegen mehr als 1500 Tauben um die Wette. Der Höchstgewinn beträgt 15000 Euro. Für 160 Euro Startgebühr werden Futter, Unterbringung, Preisgelder, Steuern und Angestellte bezahlt. Wochen vor den ersten Trainingsflügen kommen die Vögel in den Schlag unweit der Ancora-Marina. Sie dürfen nicht älter als 30 Tage sein. Im Juni beginnen die Trainingsflüge. Mitte September folgt das Event.

Deutschlandweit

Weitere Veranstalter angezeigt: Peta Deutschland hat die Ausrichter folgender Rennen ebenfalls angezeigt: „Preußen Derby“ in Müncheberg, „Frankenderby Steger“ in Leutenbach, „Ruhr.2017“ in Essen, „Schleswig-Holstein-Derby“ in Neumünster und „Ostseeflug Usedom“ in Neppermin.

Dieses ist der Tierrechtsorganisation ein Dorn im Auge. Dr. Christian Arleth, Justiziar von Peta Deutschland, informierte die LN, dass bereits am 22. Mai eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Lübeck gestellt worden sei. Dr. Ulla Hingst bestätigt den Eingang. Die Oberstaatsanwältin betont: „Es wird zunächst geprüft, ob der von Peta dargestellte Sachverhalt – seine Richtigkeit unterstellt – einen Anfangsverdacht wegen einer verfolgbaren Straftat nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz begründet.“ Ähnliche Verfahren gegen die Neustädter Veranstalter seien ihr aus der Vergangenheit nicht bekannt.

Züchter hätten keinen Einfluss auf das Rennen

Arleth ist davon überzeugt, dass es sich bei dem Rennen um illegales Glücksspiel handelt. Seine Begründung: Die Züchter würden ihre Tiere Monate vor dem Wettbewerb abgeben. Ob ihre Taube gewinne, sei Zufall und mit einer „gehörigen Portion Glück“ verbunden. Einfluss könnten sie nicht nehmen.

Dies will Antonia Kassner nicht so stehen lassen. Die Mitorganisatorin erfuhr erst durch die LN von den Vorwürfen, sie sagt, dass es auch Hunde- und Pferderennen gebe. „Die Tauben gehen nach der Anlieferung in unser Eigentum über. Wir verpflichten uns dem Züchter gegenüber, die Tauben zu pflegen und zu trainieren“, betont sie. Da Brieftauben seit Jahrhunderten für Weitstrecken gezüchtet und trainiert würden, „geben wir den Tauben ausschließlich die Möglichkeit, ihrem natürlichen Drang nachzugehen“.

Ebenfalls im Raum steht der Vorwurf der Tierquälerei. Es ist die Rede davon, „Tauben bewusst erhebliche und länger anhaltende Leiden zuzufügen und den Tod einer beträchtlichen Anzahl an Tieren billigend in Kauf zu nehmen.“ Viele der Vögel würden während der Flüge an Flüssigkeitsmangel, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen sterben. Die Verlustrate in Neustadt beziffert Peta auf 39 Prozent (von 1739 in 2017 gemeldeten Tauben). Dabei berufen sie sich auf Tabellen, die auf der Internetseite der Veranstalter einsehbar sind. Aus diesen geht jedoch nicht hervor, dass Tiere gestorben sind, sondern nur, dass sich die Zahl der Starter von Rennen zu Rennen reduziert hat. „Das heißt bei gesunder Menschenverstandsbetrachtung, dass sie gestorben sind“, beharrt Christian Arleth.

Spezialisierter Tierarzt kümmere sich um Tauben

Antonia Kassner hält dagegen. „Nicht alle Tauben sind geeignet für ein Rennen“, sagt sie. Sollte dies der Fall sein, könnten sie vom Züchter zurückgenommen werden. Hinzu kämen Verluste durch natürliche Feinde (Greifvögel, Katzen, Stromleitungen), die nicht zwingend bei Flügen entstünden, sondern auch am Heimatschlag. „Tauben, die sich auf Flügen verirren, gehen oft bei anderen Taubenzüchtern in die Schläge, die dann entweder von uns abgeholt werden oder dort ein neues Zuhause finden“, sagt Kassner. Außerdem würden die Tauben durch einen auf sie spezialisierten Tierarzt betreut.

 Sebastian Rosenkötter

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Schon 2014 gab es große Aufregung um einen sogenannten Taubenauflass von Oranienburg (Brandenburg) in den Norden. Laut der Tierrechtsorganisation Peta sollen die Brieftauben bei ihren Wettflügen großem Leid ausgesetzt sein. Die Taubenzüchter wehren sich.  

1901 Tiere gingen 2016 bei Deutschlands größtem Tauberennen in Neustadt an den Start. Beim 20. Internationalen Ostseerennen gab es insgesamt 130 000 Euro zu gewinnen.

Die Siegertaube brauchte knapp sechs Stunden für die 436 Kilometer lange Strecke

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