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Ostholstein Tauschen statt Kaufen: Ostholstein teilt
Lokales Ostholstein Tauschen statt Kaufen: Ostholstein teilt
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15:30 03.12.2018
Stefan Zunk tauscht seine Zeit beim Tauschring Lensahn. Oft kommt er für Garten- und Holzarbeit vorbei. Quelle: Saskia Hassink
Lensahn

Mit einem gezielten Hieb schlägt Stefan Zunk die Axt ins Holz. Klappernd fallen die Holzscheite rechts und links auf den Boden. Zunk ist nicht etwa dabei, sein Kaminholz für die kalten Tage vorzubereiten – es ist das Holz für Petra Sanders Kamin: Zunk tauscht seine Zeit. Die beiden gehören zum Tauschring Lensahn, bei dem die Mitglieder ihre Zeit und ihr Talent mit der Gemeinschaft teilen. Petra Sander hat den Ring vor etwa vier Jahren gegründet. „Ich hatte jahrelang das Gefühl, dass es so etwas geben müsste“, sagt die Gründerin. „Es wäre doch toll, wenn man seine Talente mit anderen teilen könnte.“

In der Region tauschen die Menschen gerne mit alltäglichen Dingen. In Lensahn greift sich die Nachbarschaft dabei unter die Arme und in Braak bekommen Bücher eine zweite Chance.

Und so funktioniert die Tauschgemeinschaft: Petra Sander sucht Hilfe beim Holzhacken. Stefan Zunk meldet sich und hilft ein paar Stunden aus. Für diese Zeit bekommt er ein anderes Talent als Gegenleistung. Dieses Mal sind es die Backkünste von Angelika von Weydenberg. Sie investiert ihre Zeit, um Zunk eine Sahne-Pflaumen-Torte zu backen. „Es ist eine Art Nachbarschaftshilfe, die in der Gesellschaft ins Hintertreffen gekommen ist“, sagt Angelika von Weydenberg. Über Freunde ist sie zum Tauschring gekommen und froh, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. „Es ist schön, etwas geben zu können.“

Tauschen und Teilen in Ostholstein

In Ostholstein gibt es viele Angebote zum Tauschen: In Braak steht beispielsweise an der Wilhelm-Wisser-Straße eine ausgediente Telefonzelle. Ute Kirschmann hat in diese „Schmökerzelle“ Regale eingebaut, die voll mit Büchern stehen – Bücher, die geteilt werden. Das Prinzip ist simpel: Die Bücher dürfen kostenlos mitgenommen werden. Dafür sollen hin und wieder auch neue Bücher gebracht werden, damit der Lesestoff nicht ausgeht. „Wenn jemand einen Krimi gelesen hat, weiß er ja, wer der Täter ist“, sagt Kirschmann. Das Buch wird also nicht noch einmal gelesen und kann – anstatt im Regal zu verstauben – in den Bücherschrank gestellt werden. „Gleichzeitig macht man dann auch Platz für ein neues Buch“, sagt Kirschmann.

Ute Kirschmann kümmert sich um den Bücherschrank in Braak. Jeder kann hier Bücher abgeben, mitnehmen und mit der Gemeinschaft teilen. Quelle: Saskia Hassink

Ein ähnliches Prinzip verfolgt auch der Zweckverband Ostholstein (ZVO) mit seinem Tausch- und Verschenkemarkt. „Uns ist bei der Sperrmüll-Abfuhr aufgefallen, dass einige Sachen gar nicht so schlecht sind“, sagt Ralph Rillox vom ZVO. Landen die Dinge aber erst einmal im Container oder auf dem Recyclinghof, sind sie praktisch Müll. Deswegen hat der ZVO die gebührenfreie Plattform erstellt, auf der ausgediente, aber noch gebrauchsfähige Möbel und andere Gegenstände getauscht werden können. Rillox tauschte zum Beispiel einen Schrank gegen eine Kiste Wasser. „Mit dem Markt wollen wir Abfall vermeiden“, sagt Rillox.

Tauschen für den guten Zweck

Spielzeug tauschen und Kinder glücklich machen:Der Zweckverband Ostholstein (ZVO) hat gemeinsam mit dem Kinderschutzbund eine Aktion für die Adventszeit gestartet: An den drei Recyclinghöfen in Neuratjensdorf, Neustadt und Bad Schwartau können noch im Dezember vollständige und gebrauchsfähige Spielsachen – ausgenommen sind Kuscheltiere – abgegeben werden. Die Spielzeuge werden an den Kinderschutzbund gespendet und zaubern glückliche Kinder zu Weihnachten.

Gutes und schlechtes Tauschen

Doch es gibt nicht nur regionale Angebote: Tauschen und Teilen liegt im Trend. Schon längst sind Internet-Tausch-Plattformen wie Airbnb oder der Taxi-Vermittlungsdienst Uber zu Wirtschaftsgrößen geworden. Werner Koopmann ist Geschäftsbereichsleiter International der IHK, kümmert sich um den Bereich Ostholstein und warnt vor vermeintlichen Tauschangeboten: „Die reine Tauschökonomie hat mit der Plattform-Ökonomie nicht viel zu tun.“ Denn bei den Plattformen werden andere Wettbewerbsbedingungen gesetzt. So müssten die Anbieter von Airbnb-Wohnungen beispielsweise nicht dieselben Maßstäbe wie Hotels erfüllen. Das kleine Tauschen in der Region oder mit den Nachbarn sei aus ökonomischer Sicht jedoch sinnig und effizient, sagt Koopmann. „Man bekommt auf einer kleinen Ebene genau das, was man möchte.“

Und es hat einen positiven Nebeneffekt: „Der soziale Aspekt, der heute oft verloren geht, wird gefördert“, sagt Stefan Zunk vom Tauschring Lensahn. Denn oft leben Nachbarn voneinander isoliert, durch das Tauschen wächst die Gemeinschaft wieder zusammen. „Jeder ist gleich und jeder gibt seine Zeit.“

Saskia Hassink

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